Marca
+++ Sportzeitung für Spanien +++

San Sebastian tanzt mit Präzision - Villarreal stolpert im Schatten

Ein kühler Januarabend, 43.500 Zuschauer, und ein FC San Sebastian, der seine Gäste aus Villarreal mit einem 2:0 nach Hause schickte - so nüchtern die Fakten, so unterhaltsam war das Schauspiel auf dem Rasen. Trainer Daniel Derksen hatte seine Mannschaft offenbar auf chirurgische Präzision getrimmt: 14 Torschüsse, zwei Treffer, kaum ein Fehlpass - und das alles mit einem Lächeln, das selbst die Basken-Sonne an diesem Abend hätte erblassen lassen.

Schon in der Anfangsphase schnürte San Sebastian die Gäste ein wie ein schlecht sitzender Anzug. In der 5. Minute prüfte Jozef Kisel erstmals den gegnerischen Torhüter Cesare Aiello mit einem satten Schuss. "Ich wollte ihm gleich zeigen, dass es heute kein gemütlicher Abend wird", grinste Kisel später. Der grinste auch noch in der 27. Minute - allerdings aus einem anderen Grund: Da nämlich versenkte er, nach feiner Vorarbeit von Vicente Navarro, den Ball zum verdienten 1:0. Navarro, der Taktgeber im Mittelfeld, kommentierte das gewohnt trocken: "Ich spiele halt lieber den Ball als Interviews."

Villarreal hingegen wirkte so, als hätten sie ihre "Offensiv-Ausrichtung" nur auf dem Papier gelassen. Vier kümmerliche Schüsse aufs Tor in 90 Minuten - das ist in der 1. Liga Spaniens so viel wie ein höfliches Klopfen an der Tür, während drinnen schon die Party läuft. Trainer Heung-Min Son fuchtelte an der Seitenlinie, als wolle er aus der Distanz selbst eingreifen. "Wir haben zu brav gespielt", sagte er später. "Ich hätte mir mehr Mut gewünscht - und weniger Rückpässe auf den Torwart." Seine Verteidiger verstanden das offenbar als Einladung, noch mehr Sicherheitsbälle zu spielen.

Kurz vor der Pause wurde es kurz hitzig: Asier Pacos sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, das die Tribüne mit einem kollektiven "Uuuuh!" quittierte. "Ich hab’ nur den Ball gesehen - leider stand da jemand im Weg", meinte Pacos mit einem Lächeln, das nicht ganz unschuldig wirkte. San Sebastian blieb trotzdem Herr im Haus, Villarreal kam nur zu einem nennenswerten Abschluss durch Marc Da Cru in der 40. Minute, den Torhüter Jannik Brunner souverän abwehrte.

Nach der Pause drückte San Sebastian weiter. In der 52. Minute krönte Gai Chouraqui seine starke Leistung mit dem 2:0 - erneut nach Vorlage von Vicente Navarro, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, ein Lehrvideo über Spielübersicht zu drehen. "Ich dachte, er schießt selber", sagte Chouraqui lachend, "aber Vicente passt einfach lieber als jeder andere in dieser Liga."

Villarreal wechselte zur Halbzeit doppelt - Castro und Comstock kamen - doch der erhoffte Effekt blieb aus. Stattdessen rollte Angriff um Angriff auf Aiello zu. Joao Assis scheiterte mehrfach knapp, Raul Calderon drosch den Ball in der 43. Minute beinahe durchs Tornetz, und selbst Innenverteidiger Pacos wagte sich später zweimal nach vorn. "Wenn keiner trifft, mach ich’s halt selbst", rief er seinem Trainer zu - halb ernst, halb Spaß.

Die Statistik war am Ende so eindeutig wie der Spielverlauf: 50,4 Prozent Ballbesitz für San Sebastian, 14:4 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und ein Publikum, das nach dem Abpfiff minutenlang klatschte. Villarreal dagegen schlich vom Platz wie ein Schüler, der das Hausaufgabenheft vergessen hat.

"Das war heute erwachsen", lobte Trainer Derksen seine Elf. "Wir haben Villarreal nicht nur geschlagen, sondern kontrolliert. Und das ganz ohne Zauberei - nur mit Arbeit." Sein Gegenüber Son nickte anerkennend: "San Sebastian war heute eine Nummer zu präzise. Wir waren wie ein altes Radio - viel Rauschen, kein Signal."

Zum Schluss gönnte sich der Stadionsprecher noch einen kleinen Seitenhieb: "Liebe Zuschauer, wir bedanken uns für einen Abend voller Leidenschaft - und erinnern SC Villarreal daran, dass Tore auch auswärts erlaubt sind." Gelächter im weiten Rund, Schulterzucken bei den Gästen - und Applaus für einen FC San Sebastian, der an diesem Abend Fußball so spielte, wie er sein sollte: mit Mut, Struktur und einem Schuss Selbstironie.

Und irgendwo in der Kabine summte Jozef Kisel leise vor sich hin: "Zwei Tore hätten’s ruhig mehr sein dürfen." Vielleicht beim nächsten Heimspiel - wenn der FC San Sebastian wieder tanzt.

11.02.643987 09:23
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Der Herr Kemmling müsste heute normalerweise richtig auf die Fresse kriegen.
Mario Basler
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager