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Sanjoanense hat am 7. Spieltag der portugiesischen Liga wieder einmal bewiesen, dass Fußball nicht immer gerecht ist. 39.509 Zuschauer sahen im heimischen Estádio Municipal ein leidenschaftliches Spiel, in dem am Ende Victoria Guimarães mit 2:1 triumphierte - dank abgeklärter Effizienz und einem Hauch Zynismus vor dem Tor. Von Beginn an war klar, dass Trainer Mario Weinzettl seine Sanjoanense hochmotiviert eingestellt hatte. "Wir wollten Guimarães früh stören", erklärte er später mit einem schiefen Lächeln, "aber anscheinend hat der Schiedsrichter meine Jungs mit Duracell-Hasen verwechselt - ständig wurden wir zurückgepfiffen." Schon nach fünf Minuten sah Innenverteidiger Antonio Ibanez Gelb, was die defensive Stabilität nicht unbedingt förderte. Guimarães, unter der ruhigen Hand von Matthias Ging, ließ sich davon jedoch nicht beirren. Die Gäste spielten abgeklärt, kontrollierten mit 56 Prozent Ballbesitz das Geschehen und warteten geduldig auf ihre Chancen. In der 25. Minute war es dann soweit: Nach einem Eckball von Erik Karhan stieg Innenverteidiger Carl Dominguez am höchsten und nickte wuchtig zum 0:1 ein. Ein Tor, das so sehr nach Lehrbuch roch, dass man fast den Kreidegeruch des Taktikraums in der Nase hatte. Sanjoanense wirkte kurz geschockt, fing sich aber wieder. Besonders der quirlige Ejder Mandirali auf der rechten Seite brachte mehrfach Schwung ins Spiel, während Alberto Ferrara und Carles Sa Pint aus der Distanz ihr Glück versuchten. Doch Guimarães-Keeper Max Corey war an diesem Abend in der Form seines Lebens - oder wie er später lachte: "Ich hatte einfach keine Lust, den Ball aus dem Netz zu holen." Nach der Pause brachte Weinzettl den jungen Tiago Custodio für den 17-jährigen Carlos Frechaut - ein Wechsel, der später noch Bedeutung bekommen sollte. Doch zunächst zeigte Guimarães, warum sie in dieser Saison zu den cleversten Teams der Liga gehören. In der 54. Minute legte erneut der überragende Erik Karhan mustergültig auf, und Carlos Vidigal vollendete eiskalt zum 0:2. Trainer Ging hob danach nur kurz die Augenbrauen - sein Äquivalent zu einem Freudentanz. "Wir trainieren das jeden Donnerstag - Flanke, Abschluss, Tor. Diesmal hat’s sogar funktioniert", kommentierte er trocken. Doch Sanjoanense gab nicht auf. Nur sechs Minuten später war es ausgerechnet Tiago Custodio, der sich nach einem feinen Pass von Kayahan Keser in die Offensive einschaltete und mit einem satten Schuss ins lange Eck den Anschlusstreffer erzielte - 1:2! Das Stadion bebte, und man hätte schwören können, dass selbst die Werbetafeln kurz zitterten. In dieser Phase roch alles nach Ausgleich. Ferrara prüfte Corey (72.), der eingewechselte Rui Figo zeigte freche Dribblings, und auch Mittelstürmer Ricardo Postiga kam zu einer guten Kopfballchance. Doch der Ball wollte einfach nicht mehr über die Linie. Weinzettl reagierte, brachte in der 75. Minute Robert Lamarliere und den jungen Keeper Janos Buzanszky - ein kurioser Doppelwechsel, der für einige Stirnrunzeln auf der Tribüne sorgte. "Ingo hatte einen Krampf im kleinen Finger", erklärte der Trainer später spitzbübisch. "Das war natürlich ein Notfall." Die Schlussphase wurde hektisch. Tiago Custodio, Torschütze und Publikumsliebling, sah in der 83. Minute Gelb, und als Luke Logan in der Nachspielzeit nach einem übermotivierten Einsteigen Rot kassierte, war der Widerstand endgültig gebrochen. "Ich wollte nur den Ball spielen", verteidigte sich Logan - und fügte nach kurzem Zögern hinzu: "Ich hab ihn halt nicht getroffen." Statistisch gesehen war die Partie ausgeglichen: 11 zu 12 Torschüsse, fast identische Zweikampfquoten (50,5 zu 49,5 Prozent). Doch Guimarães hatte die reifere Spielanlage - ruhig, strukturiert, mit einer Prise Arroganz, die in solchen Spielen oft den Unterschied macht. "Wir lernen aus solchen Niederlagen", meinte Weinzettl zum Schluss, "und wenn nicht, dann schreiben wir wenigstens gute Geschichten." Ein Satz, der fast schon nach Abendblatt-Kolumne klingt. Fazit: Sanjoanense kämpfte mit Herz, Verstand und gelegentlich zu viel Bein. Guimarães dagegen siegte mit Routine und zwei präzisen Treffern aus der Kategorie "abgezockt". Ein Fußballabend, wie ihn Statistiker lieben - und Romantiker verfluchen. Und irgendwo zwischen der 60. und der 91. Minute, da lag sie wieder, diese bittersüße Wahrheit des Fußballs: Wer vorne die Chancen nutzt, darf hinten auch mal lächeln. 08.04.643987 18:05 |
Sprücheklopfer
Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller