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Es war ein lauer Abend auf den Kanaren, und 38.671 Zuschauer hatten sich auf ein Fußballfest gefreut. Stattdessen bekamen sie ein taktisches Schachspiel mit einem einzigen, aber entscheidenden Zug zu sehen: György Korsos, der ungarische Mittelfeldmotor des CD Santa Cruz, entschied die Partie in der 57. Minute mit einem Schuss, der so präzise war, dass selbst Lanzarotes Torwart Xabier Xuarez wohl noch im Schlaf danach greifen wird. Endstand: 0:1 (0:0). Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen für die Gastgeber. Schon in der zweiten Minute prüfte Enrique Penas den Santa-Cruz-Keeper Jaime Alvarez mit einem satten Schuss - ein Warnsignal, das allerdings folgenlos blieb. Trainer Meister Leverkusen hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, mit drei Stürmern und breitem Mittelfeld. "Wir wollten zeigen, dass Lanzarote nicht nur Sonne und Sand kann", sagte er später mit bitterem Lächeln. Doch Santa Cruz, von Tobi Schleder gewohnt pragmatisch ausgerichtet, ließ sich nicht locken. Mit einer disziplinierten Defensive und gelegentlichen Kontern beschäftigten sie die Abwehr der Gastgeber mehr, als diesen lieb war. Besonders Morgan Primes auf der rechten Seite sorgte immer wieder für Alarm. In den ersten 20 Minuten feuerte er gleich dreimal auf das Tor - mal drüber, mal daneben, aber stets gefährlich. "Morgan hatte heute wohl zu viel Espresso", scherzte Schleder nach dem Spiel. "Aber lieber zehn ungenaue Schüsse als gar keinen Mut." Die Statistik sprach am Ende eine deutliche Sprache: 15 Torschüsse von Santa Cruz gegenüber nur acht von Lanzarote. Und das, obwohl die Hausherren mit 53,9 Prozent Ballbesitz optisch das Spiel kontrollierten. "Ja, wir hatten den Ball - aber was bringt dir das, wenn du ihn ständig quer schiebst?", ärgerte sich Lanzarotes Mittelfeldmann Christophe Barnier, der in der 61. Minute die Gelbe Karte sah. Kurz darauf fiel das Tor des Abends: Nach einem Abpraller an der Strafraumkante fasste sich Korsos ein Herz und zog kompromisslos ab. Der Ball zischte flach ins rechte Eck - 0:1. Jubel im Block der mitgereisten Santa-Cruz-Fans, betretenes Schweigen auf den Rängen der Einheimischen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Korsos, der kurz darauf ausgewechselt wurde. "Manchmal ist Fußball ganz einfach." Lanzarote versuchte in der Schlussphase alles, was noch irgendwie nach Angriff aussah. Marcio Galisteo schoss in der 62. Minute knapp vorbei, Barnier prüfte Alvarez in der 69. Und doch blieb der Ausgleich aus - nicht zuletzt, weil Santa Cruz mit einer bemerkenswerten Ruhe verteidigte. Selbst eine Gelbe Karte für Linksverteidiger Luis Meireles in der 80. Minute brachte sie nicht aus dem Konzept. Santa Cruz-Coach Schleder lobte seine Mannschaft: "Wir haben nicht schön gespielt, aber clever. Manchmal reicht das." Und Lanzarotes Trainer Leverkusen? Der suchte Trost in Ironie: "Wenn Ballbesitz Punkte gäbe, wären wir Tabellenführer. Leider zählt das Runde, das ins Eckige muss." Die letzten Minuten gehörten noch einmal dem 18-jährigen Santiago de la Sota, der für Santa Cruz eingewechselt wurde und zweimal gefährlich auftauchte (87. und 88. Minute). Hätte er getroffen, die Heimfans hätten wohl kollektiv den Kopf in den Sand gesteckt. So blieb es beim knappen 0:1 - und der Erkenntnis, dass Lanzarote zwar Sonne im Herzen, aber kein Glück im Abschluss hatte. Nach Abpfiff saßen einige Spieler der Gastgeber noch lange auf dem Rasen. "Wir hätten heute bis Mitternacht spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen", murmelte Penas, während er sich die Schienbeinschoner auszog. Die Santa-Cruz-Spieler dagegen tanzten ausgelassen in Richtung ihrer Fans. "Ein Arbeitssieg", nannte es Schleder. "Aber Arbeit ist ja auch ehrlicher als Glück." Und Lanzarote? Wird nächste Woche wieder angreifen müssen. Vielleicht dann mit weniger Sonne im Kopf und mehr Zielwasser in den Schuhen. Denn eines steht fest: Fußball auf Lanzarote ist nichts für schwache Nerven - und schon gar nichts für Statistiker mit Sinn für Gerechtigkeit. 30.03.643994 11:00 |
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