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Es war ein kalter Januarabend in Dornach, doch 18.374 Zuschauer suchten die Wärme - nicht in Decken oder Glühwein, sondern im Spiel ihres SC Dornach gegen den SC Martigny. Am Ende blieb es jedoch beim Frösteln: 1:2 hieß es nach 95 unterhaltsamen Minuten, in denen Dornach zwar anrannte, aber Martigny die kältere, sprich: kühlere, Nase hatte. Schon früh zeigte sich, dass Martigny an diesem 5. Spieltag der 2. Liga Schweiz keinen Kurzurlaub im Mittelland plante. In der 23. Minute war es Daniel Grimm, der nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Swen Pohl das 0:1 markierte. Grimm, der sich sonst eher als Freund gepflegter Flanken versteht, traf diesmal trocken aus halbrechter Position - und grinste danach, als hätte er gerade eine Steuerprüfung bestanden. "Ich dachte, Swen schießt selbst, aber dann kam der Ball perfekt. Da musste ich nur noch den Fuß hinhalten", erklärte Grimm später und fügte lachend hinzu: "Na ja, fast perfekt - der Rasen war ein Abenteuer." Dornach reagierte prompt, aber unglücklich. Timm Rochefort scheiterte in der 35. Minute am glänzend reagierenden Martigny-Keeper Meik Buffett, der in dieser Phase hielt, was zu halten war - und auch, was eigentlich nicht zu halten war. "Der Ball hat mich mehr getroffen als ich ihn", gab Buffett nach dem Spiel mit entwaffnender Ehrlichkeit zu. Kurz nach der Pause dann der nächste Dämpfer: Joshua Brun erhöhte in der 48. Minute nach Vorarbeit des emsigen Thierry Stahl auf 0:2. Martigny spielte in dieser Phase wie ein Team, das den Kaffee vor dem Anpfiff nicht vergessen hatte - abgeklärt, ruhig, mit sicherem Passspiel (und immerhin 52,8 % Ballbesitz). Dornach dagegen wirkte, als wolle man das Spiel mit schierer Willenskraft drehen. Und tatsächlich: In der 56. Minute belohnte sich das Heimteam. Robert Sonne, der schon zuvor mehrfach gefährlich geworden war, traf nach einer butterweichen Flanke von Esteban Pena zum 1:2. Der Treffer war so schön, dass selbst einige Martigny-Fans kurz vergaßen, dass sie eigentlich dagegen sein sollten. Pena, der später Gelb sah, grinste hinterher: "Ich wollte eigentlich flanken, ehrlich. Aber wenn’s so endet, beschwere ich mich nicht." Von da an lief Dornach Sturm. 17 Torschüsse, 47 % Ballbesitz, aber das Leder wollte einfach nicht mehr über die Linie. Rochefort prüfte Buffett noch zweimal (72. und 83. Minute), Specht hämmerte in der 89. Minute aus 20 Metern knapp vorbei, und in der Nachspielzeit versuchte sogar Linksverteidiger Pena sein Glück. Der Ball flog - sagen wir - ambitioniert in Richtung Parkplatz. "Wenn wir das Tor vergrößern, gewinnen wir das", meinte Dornach-Trainer Müller (fiktiv) nach dem Spiel mit trockenem Humor. "Aber leider gelten noch die alten Maße." Martigny dagegen bewies, dass man auch ohne Hurra-Fußball erfolgreich sein kann. Mit 14 Schüssen und einer taktisch ausgewogenen Spielweise ("Wir wollten ruhig bleiben, Dornach rannte genug für zwei", so Trainer Girard) verwalteten die Gäste ihren Vorsprung souverän. Besonders auffällig: Daniel Grimm, der nicht nur ein Tor erzielte, sondern auch in der 79. und 86. Minute gefährlich blieb. Der Schlussabschnitt glich dann einem kleinen Drama in mehreren Akten. Dornach drückte, Martigny verteidigte, das Publikum tobte. Als Schiedsrichter Baumgart in der 95. Minute endlich abpfiff, fiel bei den Gästen die Anspannung, bei den Hausherren der Frust. Esteban Pena, der Gelb sah, stapfte kopfschüttelnd vom Feld. "Ich wollte nur den Ball spielen", murmelte er, was auf den Fernsehbildern nicht ganz so aussah. Unterm Strich: Dornach engagiert, Martigny effizient. 1:2 - kein unverdienter Sieg für die Gäste, die mit ihrer abgeklärten Spielweise den Unterschied machten. Dornach bleibt das Gefühl, viel richtig, aber das Entscheidende falsch gemacht zu haben. Und so ging man in der Nacht auseinander: Martigny mit drei Punkten im Gepäck und einem Lächeln, Dornach mit 17 Torschüssen und der Erkenntnis, dass Fußball manchmal ein ziemlich gemeines Spiel sein kann. Oder, wie es Torschütze Sonne später auf dem Parkplatz zusammenfasste: "Wir haben alles gegeben - außer den letzten Zentimeter." Ein Satz, der wohl noch eine Weile nachhallen wird - zumindest bis zum nächsten Spieltag. 06.03.643987 12:32 |
Sprücheklopfer
Wer Erster ist, hat immer recht. Ich habe also recht. Und wenn ich Fünfter bin, können Sie wieder mit mir reden.
Otto Rehhagel