Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Schliersee fegt Saarbrücken mit 7:0 vom Seeufer

Ein kalter Januarabend, Flutlicht über dem verschneiten Schliersee, 3668 Zuschauer mit heißem Glühwein in der Hand - und was sie da sahen, wird in der Regionalliga D noch lange erzählt werden. Der TSV Schliersee verwandelte den 26. Spieltag in ein Fußballfest, das den FC Saarbrücken wohl noch eine Weile in Albträumen heimsuchen dürfte: 7:0 hieß es am Ende, und das war keines dieser "zu hoch ausgefallenen" Ergebnisse. Nein, das war schlichtweg eine Demontage.

Schon nach elf Minuten begann das Unheil für die Gäste. Emanuel Hjorth, der 21-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, drosch den Ball nach Vorlage von Dimas Lupus in den Winkel, als wolle er einen Schneeberg sprengen. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Hjorth später. "Aber manchmal hat man eben Glück - oder gute Augen."

Saarbrücken versuchte es daraufhin mit forscher Offensive, immerhin stand in der Taktiktafel "Offensive, Balanced" - was in der Praxis aber eher nach "hoffnungsvoll, überfordert" aussah. Der junge David Mai hatte nach einer Minute zwar schon einen Schuss aufs Tor, doch das blieb der einzige Moment, in dem sich Schliersees Keeper Cameron Nolan mal die Handschuhe schmutzig machte.

Kurz vor der Pause dann die nächste kalte Dusche: Berat Calik, ohnehin Dreh- und Angelpunkt im Schlierseer Mittelfeld, setzte Gabriel Cunningham perfekt in Szene, und der 22-jährige Stürmer schob eiskalt zum 2:0 ein (43.). Noch vor dem Halbzeitpfiff war klar, dass Saarbrücken an diesem Abend höchstens den Ballbesitz (46,3 Prozent) in der Statistik halbwegs ausgeglichen gestalten würde.

Nach der Pause legte Schliersee los, als hätten sie in der Kabine nicht nur Tee, sondern auch Raketen getrunken. Naim Kas (58.) erhöhte auf 3:0 - ein trockener Schuss aus zwanzig Metern, begleitet vom resignierten Blick des Gästetorhüters Daniel Kosowski. "Das war’s wohl", murmelte ein Saarbrücker Fan auf der Tribüne, während hinter ihm jemand mitleidig klatschte.

Was dann folgte, war ein Sturmlauf, der fast schon an Mitleid grenzte - allerdings nicht für die Gäste. Cunningham traf erneut (72.), Ralf Bartsch legte zwei Minuten später nach (74.), Calik belohnte sich für eine überragende Partie mit dem 6:0 (85.), und nur eine Minute später machte Cunningham mit seinem dritten Treffer den Deckel endgültig drauf (86.).

Sieben Tore, sechs verschiedene Vorlagen, 23 Torschüsse - der TSV spielte so, als hätte Trainer Christopher Fey den Spielern versprochen, für jeden Treffer ein Wochenende am Gardasee zu spendieren. "Ich bin einfach stolz auf die Jungs", sagte Fey nach Abpfiff. "Wir wollten über die Flügel kommen - und das hat man, glaube ich, gemerkt." Recht hatte er: Fast jeder Angriff rollte über die Außen, Hjorth und Calik wirbelten, als gäbe es kein Morgen.

Auf der anderen Seite stand Carsten Altmeyer, Trainer des FC Saarbrücken, mit leerem Blick und verschränkten Armen am Spielfeldrand. "Wir haben eigentlich offensiv gespielt", sagte er später trotzig. "Nur leider ohne Ball." Damit fasste er das Geschehen treffender zusammen, als ihm vielleicht bewusst war.

Eine Szene kurz vor Schluss brachte das Publikum noch einmal zum Schmunzeln: Tomasz Werner, Innenverteidiger des TSV, griff im Überschwang zu beherzt zu und kassierte in der 90. Minute die Gelbe Karte. Die Fans feierten ihn trotzdem - schließlich war das die einzige "Verwarnung", die Schliersee an diesem Abend bekam.

Selbst die Einwechslungen in der 88. Minute - Hoffmann, Hausmann und Fritzsche kamen - wirkten eher wie der Versuch, auch den Ersatzspielern ein Stück vom Kuchen zu gönnen. Da stand es längst 7:0, die Zuschauer sangen, und man hatte das Gefühl: Wenn die Partie noch zehn Minuten länger gedauert hätte, wären es vielleicht sogar zweistellig geworden.

Gabriel Cunningham wurde nach dem Spiel zum Mann des Abends gewählt. "Ich wollte eigentlich gar keinen Hattrick", sagte er schelmisch. "Aber wenn die Bälle so schön kommen, ist’s unhöflich, sie nicht reinzumachen."

Am Ende verließen die Saarbrücker das Spielfeld mit hängenden Köpfen, während Schliersee jubelnd in Richtung Seeufer feierte. Der 7:0-Erfolg - mit 55 Prozent Ballbesitz, 23 zu 7 Torschüssen und der Spielfreude einer Mannschaft, die an sich glaubt - war ein Statement.

Und irgendwo über dem See hallte noch lange ein Ruf, halb Spott, halb Begeisterung: "Schliersee, ole!"

Wenn das die Blau-Weißen so weitermachen, müssen sich die Gegner warm anziehen - am besten schon beim Einlaufen.

16.11.643987 01:13
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Die meisten Spiele, die 1:0 ausgingen, wurden gewonnen.
Günter Netzer
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager