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Schötzer Torfestival: Morales und Brun lassen die Reds alt aussehen

Wer am Mittwochabend im ausverkauften Schötzer Stadion (79.500 Zuschauer!) auf ein verkrampftes Auftaktspiel in der Champions-League-Gruppenphase gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht - oder herrlich unterhalten, je nachdem, ob man rot oder blau trug. Der FC Schötz deklassierte die Ramat Gan Reds mit 5:2 (2:1) und feierte nicht nur einen Kantersieg, sondern auch die Rückkehr des bedingungslosen Offensivfußballs.

Schon in den ersten Minuten war klar: Coach Roland Kunz hatte seine Elf nicht auf Sicherheitsverwahrung eingestellt. Schötz spielte frech, schnell, manchmal fast leichtsinnig. Daan Tillman prüfte den israelischen Torhüter Otto Uggla bereits nach zwei Minuten, Alfred Brun zog kurz darauf aus spitzem Winkel ab - der Ball rauschte knapp vorbei. "Ich wollte den Torwart wachrütteln", grinste Brun später. Man darf sagen: Mission erfüllt.

Dann allerdings der erste Dämpfer. In der 27. Minute nutzten die Reds ihre erste ernsthafte Chance eiskalt. Carlos Arias, quirlig wie ein Espresso auf Beinen, traf nach Vorarbeit von Awigdor Ariav zum 0:1. Der Gästeblock jubelte, Trainer John Porno (ja, er heißt wirklich so) ballte die Faust. Kunz hingegen stapfte an der Seitenlinie auf und ab wie ein Mann, der gerade seinen Autoschlüssel verloren hat.

Doch Schötz reagierte wie eine große Mannschaft. Neun Minuten später war’s Alfred Brun, der nach Vorlage von Julius Reich den Ausgleich erzielte - ein wuchtiger Schuss unter die Latte, Marke "wenn du den hältst, bist du kein Mensch". "Ich hab einfach draufgehalten", meinte Brun trocken. Und kaum hatte das Publikum den Torjubel beendet, zappelte der Ball schon wieder im Netz: Domingo Morales köpfte in der 42. Minute eine butterweiche Flanke zum 2:1 ein. Halbzeit. Die Reds taumelten, Schötz tanzte.

Nach dem Seitenwechsel ging’s weiter wie im Rausch. In der 47. Minute legte Morales mit dem 3:1 nach, diesmal nach Vorarbeit von Joao Caneira. Nur eine Minute später traf Linksverteidiger Mordechai Eban sehenswert zum 4:1 - ein Schuss aus gut 20 Metern, der so trocken einschlug, dass selbst die Stadionlautsprecher kurz still blieben. "Ich bin eigentlich kein Torjäger", lachte Eban, "aber wenn der Ball so kommt, sagst du nicht nein."

Ramat Gan versuchte, sich zu wehren. Finlay Ross, eben erst eingewechselt, leitete den Anschlusstreffer ein: In der 55. Minute traf Innenverteidiger Matan Rosenthal zum 4:2. Ein schöner Kopfball nach einer Ecke - und immerhin ein Lebenszeichen. Doch Hoffnung kam keine auf, denn nur zwei Minuten später machte Brun mit seinem zweiten Treffer alles klar. Tillman legte elegant quer, Brun nickte ein: 5:2.

Danach zelebrierte Schötz Ballbesitz, 56,9 Prozent insgesamt, und ließ die Kugel laufen, als stünde man schon im Viertelfinale. Die Reds kämpften, aber ihre "starke Aggressivität" (laut Statistik) wirkte am Ende eher wie Verzweiflung. Pekka Rautiainen sah früh Gelb, Lorenzo Piccolo konterte auf Schötzer Seite in der 73. - ein kleiner Beweis dafür, dass auch Offensivkünstler zupacken können.

Die Schlussphase wurde zur Bühne für kleine Dramen: Trainer Porno wechselte gleich zwei 18-Jährige ein - Torwart Haim Hasson und Mittelfeldtalent Haim Mitzna - wohl mehr aus pädagogischen Gründen als aus sportlichen. Kunz dagegen schmunzelte: "Ich hätte auch gern zwei Haims, wenn’s so läuft."

Als Schiedsrichter Duarte schließlich abpfiff, standen 19:12 Torschüsse, 5:2 Tore und rund 79.500 glückliche Schötz-Fans auf der Anzeigetafel. "Wir wollten zeigen, dass wir hier hingehören", sagte Morales, der mit zwei Toren und einem Grinsen in der Mixed Zone stand. Neben ihm pfiff Brun leise eine Melodie - vermutlich seine persönliche Torhymne.

Trainer Kunz fasste es zusammen: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Vielleicht ein bisschen zu viel Spaß, aber wer will sich da beschweren?"

Nur John Porno wirkte weniger amüsiert. "Fünf Gegentore sind fünf zu viel", brummte er, "aber wenigstens haben wir zwei geschossen." Immerhin das.

So endet ein Abend, der in Schötz wohl noch lange besungen wird - ohne dass man dabei alle Noten richtig treffen muss. Denn wenn eine Mannschaft so spielt, darf sie auch mal ein bisschen falsche Töne anschlagen.

09.04.643987 17:17
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Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen haben, wird der bei diesem Verein nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion.
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