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Es war ein Abend, an dem man das Gefühl hatte, die Flutlichtanlage im RheinEnergie-Stadion müsse sich selbst die Augen reiben. 25.224 Zuschauer standen im Nieselregen, als Effzeh Köln und Eisern Union Berlin sich beim 3:3 (2:2) einen Schlagabtausch lieferten, der alles hatte: Tempo, Tore, Gelbe Karte - und das beruhigende Gefühl, dass Abwehrarbeit auch 2026 noch optional sein kann. "Ich hab irgendwann aufgehört mitzuzählen", grinste Kölns Trainer Toni Tapolski nach dem Spiel mit einem Achselzucken. "Wenn du drei schießt und nicht gewinnst, ist das ärgerlich. Aber wenn du drei kassierst und trotzdem lächelst, war’s wohl unterhaltsam." Recht hatte er: Das war Fußball zum Staunen, manchmal auch zum Kopfschütteln. Dabei begann alles so, wie man es in Köln kennt - mit einem frühen Schreck. In der 14. Minute narrte Unions Jan Betz die Hintermannschaft, nachdem Luca Ludwig ihm den Ball fein in den Lauf gelegt hatte. Betz zog kompromisslos ab, und schon lag Köln hinten. Der Block im Südstadion seufzte, Bierbecher wurden fester umklammert. Doch keine fünf Minuten später schlug der Effzeh zurück. Tyler Nicksay, der 23-jährige Mittelfeldmotor, wuchtete den Ball nach einem Zuspiel von Innenverteidiger Beniamin Zdebel ins Netz - 1:1. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Nicksay später grinsend zu. "Aber manchmal muss man den Zufall einfach mitnehmen." Die Partie war nun ein wilder Galopp zwischen den Strafräumen. Union legte in der 31. Minute durch Linksverteidiger Ole Ebbesen erneut vor - nach Pass von Curt Scholz, der offenbar beschlossen hatte, dass Außenstürmer auch Regisseure sein können. Köln antwortete sofort: Acht Minuten später traf der 19-jährige Jacques Diarra nach Vorlage von Onur Köse zum 2:2. Ein Treffer, der so schön war, dass selbst Unions Torwart Rui Eximenonis kurz den Kopf schüttelte. "Der Junge hat keine Angst", lobte Tapolski seinen Teenager, "manchmal denkt er, er spielt auf dem Bolzplatz. Und manchmal hat er recht." Diarra war ohnehin der auffälligste Kölner: sieben Torschüsse, unermüdlich, frech, und stets den Regen im Gesicht. Nach der Pause beruhigte sich das Spiel - zumindest für zehn Minuten. Dann kam Frederik Laursen. Der Däne, bullig wie ein Möbelstück, verwertete in der 50. Minute eine butterweiche Flanke von Köse zum 3:2. Köln jubelte, Tapolski ballte die Faust. Aber Union ist eben Union - aus Eisen, nicht aus Zinn. In der 79. Minute war es Innenverteidiger Andreas Krog, der den Berlinern den Punkt rettete. Nach einer Ecke von Stephan Lohmann stieg er am höchsten und köpfte zum 3:3 ein. "Ich hatte das Gefühl, der Ball ruft meinen Namen", sagte Krog später mit nordischer Gelassenheit. Trainer Roter Jan grinste nur: "Wenn der Verteidiger die Tore macht, dann weißt du, dass die Stürmer wenigstens nicht im Weg standen." Statistisch gesehen war Köln leicht überlegen: 52,7 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse (Union kam auf 12). Aber beide Teams spielten, als hätte jemand den Taktikzettel nach dem Anpfiff im Regen verloren. Die Zuschauer freute es - sie bekamen ein Spiel, das kein Drehbuchautor besser hätte schreiben können. Auffällig: Beide Trainer setzten von Beginn an auf Offensive. Tapolski verzichtete auf Pressing, vertraute auf Balance und Kreativität. Roter Jan, der Berliner Coach mit dem markanten Spitznamen, ließ seine Mannschaft wild anlaufen - zumindest phasenweise. Zur Pause drehte er den Aggressivitätsregler hoch, was man an den rustikalen Zweikämpfen ab der 46. Minute deutlich spürte. Einziger Wermutstropfen: Zdebels frühe Gelbe Karte in der 10. Minute, als er Betz unsanft stoppte. "War Ball gespielt", beteuerte er mit unschuldigem Blick. Der Schiedsrichter sah das anders. Kurz vor Schluss brachte Tapolski dann die Jugend: Rui Carcedo (18), Justin Weise (17) und Ewan Corraface (18) durften noch ran. Weise, nervös wie beim ersten Schultag, verfehlte in der Nachspielzeit das leere Tor. "Ich hab den Ball noch fliegen sehen - Richtung Parkplatz", lachte er nach dem Spiel. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten sich die Spieler lachend ab. Köln blieb ungeschlagen, Union ebenfalls - beide mit einem Punkt, aber vielen Geschichten. "Das war kein taktisches Meisterwerk", fasste Roter Jan zusammen, "aber wer braucht schon Schach, wenn’s so knallt?" Ein Spiel wie ein Feuerwerk im Dauerregen: kurz, laut, schön - und am Ende blieb nur der Rauch über dem Stadion. 21.02.643987 11:27 |
Sprücheklopfer
Ich hoffe, dass die deutsche Mannschaft auch in der 2. Halbzeit eine runde Leistung zeigt, das würde die Leistung abrunden!
Günter Netzer