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Sheffield zerlegt Oxford: 6:0 und ein Abend für die Geschichtsbücher

Championship | 33. Spieltag | 13.09.26 | FC Sheffield - Oxford United 6:0

30.680 Zuschauer kamen am 33. Spieltag der Championship ins Stadion des FC Sheffield. Viele von ihnen dürften auf ein Fußballspiel gehofft haben. Sie bekamen stattdessen eine öffentliche Demonstration darüber, wie schnell ein Abend aus dem Ruder laufen kann - zumindest für Oxford United. Am Ende stand ein 6:0 (4:0), und selbst die Anzeigetafel wirkte, als müsse sie sich erst einmal sammeln.

Der FC Sheffield legte um 20.30 Uhr los, als hätte Trainer Erich Speithvenne persönlich die Uhr beleidigt. Nach gerade einmal zwei Minuten traf Adrian Bak zur Führung. Owen Musgrave hatte den Angriff vorbereitet, und Oxford durfte sich erstmals fragen, ob man wirklich schon auf dem Platz stand oder noch im Mannschaftsbus saß.

Die Antwort fiel in der 14. Minute ernüchternd aus. Musgrave erhöhte selbst auf 2:0, diesmal nach Vorarbeit von Joseph Broderick. Sheffield spielte dabei keineswegs mit übertriebenem Ballbesitzfußball. Im Gegenteil: Oxford hatte mit 53,3 Prozent sogar etwas mehr vom Ball. Nur wusste Sheffield offensichtlich deutlich besser, was man mit ihm anfangen sollte.

"Wir wollten den Ball nicht heiraten, wir wollten ihn ins Tor bringen", soll Speithvenne nach dem Spiel gesagt haben. Ein Satz, der taktisch fragwürdig, aber angesichts des Ergebnisses schwer zu widerlegen ist.

In der 32. Minute schlug Broderick selbst zu. John Aldridge, Innenverteidiger und an diesem Abend zunächst ebenso auffällig wie später unglücklich, lieferte die Vorlage. Drei Minuten danach war Glenn Van Garsse an der Reihe, bedient von Rhys Stack. 4:0 zur Pause - und Oxford hatte vermutlich genug Ballbesitz, um sich damit wenigstens eine kleine Insel der Hoffnung zu bauen.

Sheffield hatte bis zum Seitenwechsel bereits 13 Torschüsse abgegeben. Oxford? Einen. Der Unterschied zwischen den Mannschaften war an diesem Abend ungefähr so groß wie zwischen einem präzisen Pass und einem Befreiungsschlag auf die Tribüne.

Zur zweiten Hälfte brachte Speithvenne James Henderson für Musgrave. Am Spielbild änderte sich wenig. In der 49. Minute schnürte Broderick seinen Doppelpack, vorbereitet von Michael Mihajlovic. Oxford versuchte, sich zu wehren, kam durch Vladan Jevtic und Sean Whitman gelegentlich zu Abschlüssen. Doch die sechs Oxford-Torschüsse blieben letztlich statistische Fußnoten - hübsch anzusehen, aber ohne dramatische Wirkung.

Dann wurde es für Sheffield kurz unnötig kompliziert. Aldridge sah in der 64. Minute Gelb und wurde zehn Minuten später mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. "Ich dachte, die erste Karte sei bereits mein Warnhinweis gewesen", soll der Verteidiger mit Galgenhumor erklärt haben. Oxford hatte nun einen Mann mehr, aber offenbar nicht den passenden Plan dazu. Das ist die Sorte Überzahl, bei der der Gegner höflich fragt, ob man sie wirklich behalten möchte.

Statt einer Aufholjagd kassierte Oxford in der 79. Minute das sechste Gegentor. Lucas Caviness traf nach Vorlage von James Henderson. Sheffield hatte zu diesem Zeitpunkt 19 Torschüsse gesammelt und ließ bis zum Schlusspfiff noch drei weitere folgen. Oxford blieb trotz Überzahl ohne Treffer. Der zuvor ausgeglichene Ansatz - beide Teams agierten taktisch zunächst ausgewogen und ohne aktives Pressing - half den Gästen ungefähr so viel wie ein Regenschirm in einem Wasserfall.

"Nach dem 4:0 haben wir nicht aufgehört, Fußball zu spielen", soll Doppel-Torschütze Broderick gesagt haben. "Wir haben nur versucht, nicht nach jedem Angriff eine neue Zahl auf die Anzeigetafel zu schreiben."

Das gelang bekanntlich nicht. Sheffield gewann 6:0, gewann 54,9 Prozent der Zweikämpfe und vor allem die entscheidenden Duelle vor dem Tor. Oxford nimmt immerhin den Ballbesitz mit nach Hause. Sheffield behält die Punkte - und einen Abend, über den in Sheffield noch lange gesprochen werden dürfte. In Oxford dürfte man derweil prüfen, ob man für Rückfahrten künftig einen größeren Bus braucht. Nur für die schlechte Stimmung.

13.09.2026 21:43
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