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SK Pruszkow fliegt auf den Flügeln zum Sieg in Warschau

Es war ein frostiger Abend in Warschau, aber die 39.457 Zuschauer im Stadion bekamen beim 1:3 (0:0) zwischen Lygia Warschau und SK Pruszkow ordentlich Feuer geboten - auf dem Rasen wie auf den Tribünen. Die Gäste aus Pruszkow, taktisch klug auf die Flügel ausgerichtet, nahmen die Lygia-Defensive in der zweiten Halbzeit Stück für Stück auseinander und feierten am Ende einen verdienten Auswärtssieg.

Dabei hatte es anfangs gar nicht so ausgesehen. Die erste Hälfte war ein zähes Ringen zweier Teams, die zwar beide "offensiv" in der Taktiktafel stehen hatten, aber offenbar unterschiedliche Definitionen von Angriffslust pflegten. Lygia mit 49 Prozent Ballbesitz versuchte es spielerisch, Pruszkow mit langen Bällen. Das Ergebnis: viele Luftduelle, wenig Ertrag. "Ich dachte, wir spielen Fußball, nicht Volleyball", knurrte Lygia-Trainer Kamil Breer zur Pause in Richtung seiner Assistenten.

Dann kam die 47. Minute - und mit ihr der 17-jährige Yves Schäfer. Der rechte Mittelfeldspieler von Pruszkow, offenbar ohne Respekt vor großen Namen oder kalten Temperaturen, jagte eine Flanke von Adam Malfoy volley ins Netz. 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball war so schön in der Luft, da konnte ich nicht anders", grinste Schäfer später, noch halb ungläubig über sein erstes Profitor.

Lygia reagierte - und wie! Nur sechs Minuten später war es Liam Millington, der mit einem satten Schuss nach Vorarbeit des eingewechselten 17-jährigen Andres Fernandez den Ausgleich erzielte. Das Stadion erwachte, die Fans sangen sich warm, und Breer gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Da war kurz das Gefühl: Jetzt kippt’s!", gab er später zu. Doch genau in diesem Moment verlor seine junge Mannschaft die Ordnung.

Pruszkow, angeführt vom 32-jährigen Abwehrchef Kamil Niedzielan, der eher wie ein Lastwagenfahrer als ein Innenverteidiger wirkte, übernahm wieder die Kontrolle. In der 60. Minute traf Domenik Szymkowiak nach feinem Pass des Rechtsverteidigers Adrian Kosowski - eiskalt, wie man es bei einem 19-Jährigen kaum erwartet. Nur fünf Minuten später setzte ausgerechnet der erfahrene Niedzielan selbst den Schlusspunkt: Nach einer Ecke von Tomasz Mieciel stieg er höher als alle anderen und köpfte zum 1:3 ein.

"Ich hab’s den Jungs vorher gesagt: Wenn ich schon vorne bin, dann bringt den Ball gefälligst zu mir", lachte Niedzielan nach dem Spiel - eine Mischung aus Stolz und väterlichem Humor. Trainer Stefan Petruck stand daneben und nickte ehrfurchtsvoll: "Er ist unser verlängerter Arm auf dem Platz. Und manchmal auch unsere Brechstange."

Lygia versuchte im Anschluss, mit jugendlicher Verzweiflung noch einmal Druck aufzubauen. Dabei wirkte die Offensive zunehmend wie ein Feuerwerk aus Platzpatronen. Sechs Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel - die meisten davon verzweifelte Versuche aus der Distanz. "Wir wollten es erzwingen, aber vielleicht haben wir’s zu sehr gewollt", seufzte Torschütze Millington.

Währenddessen hatte Pruszkow Lust auf mehr. 16 Abschlüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Körpersprache, die deutlich machte: Hier kam ein Team mit Plan. Besonders beeindruckend war die Ruhe, mit der die jungen Flügelspieler Schäfer und Mieciel ihre Gegenspieler beschäftigten. "Wir haben ihnen gesagt: Lauft einfach. Irgendwann kommt der Ball", verriet Petruck mit einem verschmitzten Lächeln. Und tatsächlich - die langen Bälle aus der Defensive fanden immer wieder ihr Ziel.

In der Nachspielzeit gönnten sich die Gäste sogar noch kleine Kabinettstückchen. Ein Lupfer hier, ein Hackentrick da - und irgendwo auf der Bank grinste Malfoy, der Linksverteidiger mit der frühen Gelben Karte, zufrieden. "So macht Verteidigen Spaß, wenn man weiß, dass vorne alles funktioniert", rief er in Richtung Tribüne, bevor er in der Menge der jubelnden Spieler verschwand.

Für Lygia Warschau dagegen bleibt die Erkenntnis: Offensivgeist allein schießt keine Tore. Breer nahm es schließlich sportlich: "Wir sind jung, wir lernen. Heute haben wir gelernt, dass Erfahrung manchmal schöner spielt als Mut."

Ein sarkastischer Beobachter auf der Pressetribüne brachte es auf den Punkt: "Warschau hatte den Ball, Pruszkow hatte den Plan - und der Plan hat gewonnen."

Ob das ein Wendepunkt in der Saison ist, wird sich zeigen. Fest steht: SK Pruszkow hat an diesem Januarabend gezeigt, dass jugendlicher Elan und taktische Disziplin keine Gegensätze sind. Und während die Lygia-Fans fröstelnd das Stadion verließen, sangen die rund 500 mitgereisten Pruszkower ihren Helden ein Geburtstagsständchen - für Yves Schäfer, der am nächsten Tag 18 wird. Ein besseres Geschenk hätte er sich wohl kaum machen können.

09.07.643987 10:08
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