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Ein lauer Maiabend, 20.250 Zuschauer, ein Auftaktspiel, das man so schnell nicht vergisst - und eine Abwehr, die man besser vergessen sollte. GKS Tychy eröffnete die neue Saison der 1. Liga Polen mit einem 3:5-Heimdebakel gegen einen entfesselten SK Pruszkow. Wer zu spät kam, hatte schon ein Tor verpasst: Nach gerade einmal 60 Sekunden zirkelte Jerzy Augustyn den Ball ins rechte Eck, als wolle er seinen Wecker gleich mit abschalten. "Ich dachte, ich träume noch", stöhnte Tychys Keeper Sebastian Ratajczyk später. Doch GKS antwortete prompt. In der dritten Minute schloss Patryk Rudy nach schöner Vorarbeit von Domenik Szamotulski ab - 1:1, das Stadion tobte, und Trainer Christian Reuss klatschte sich entspannt mit seinem Co-Trainer ab. "Da wusste ich noch nicht, dass das mein letzter entspannter Moment des Abends war", knurrte er nach dem Spiel. Pruszkow übernahm danach das Kommando. Augustyn, der an diesem Abend auf dem rechten Flügel wirbelte wie ein Ventilator im Hochsommer, traf in der 22. Minute erneut - diesmal nach Kopfballverlängerung von Innenverteidiger Vitorino Mascarenhas. Und als Christopher Preston in der 32. Minute nach butterweicher Flanke von Adrian Kosowski zum 3:1 einköpfte, war die Abwehr von Tychy bereits im kollektiven Krisenmodus. Zur Halbzeit hatte SK Pruszkow nicht nur drei Tore, sondern auch 53 Prozent Ballbesitz und 17 Torschüsse - mehr als doppelt so viele wie die Gastgeber. "Wir haben einfach Fußball gespielt", grinste Gäste-Coach Stefan Petruck süffisant. Nach dem Seitenwechsel versuchte Tychy, mit offensiverer Ausrichtung zurückzukommen. Und tatsächlich: Wieder war es Rudy, der in der 46. Minute nach Vorarbeit von Gretar Geirsson traf. 2:3 - neue Hoffnung. Doch Hoffnung und Realität trennt im Fußball oft nur ein Konter. Kaum drei Minuten später stellte Pruszkow durch Preston den alten Abstand wieder her. Dann kam die 55. Minute: Pruszkows Abwehrchef Mascarenhas verletzte sich bei einem Zweikampf und musste raus. Ersatzmann Nael Costa, gerade 20 Jahre alt, wirkte nervös, aber solide. "Ich hatte weiche Knie - und dann ruft der Trainer: ’Rein mit dir!’", erzählte Costa lachend. Tychy witterte eine Chance. Reuss brachte frisches Blut: Guillaume Maxime für Leweling, Brandon Prentiss für Geirsson. Und tatsächlich, in Minute 59, traf Innenverteidiger Amadeus Wisio nach einer Ecke von Maxime per Kopf zum 3:4. Das Stadion stand Kopf, die Fans sangen, Reuss rannte die Linie entlang, als wäre er selbst eingewechselt worden. Doch kaum hatten die Zuschauer den letzten Jubelruf beendet, legte Pruszkow wieder nach. Wer sonst als Jerzy Augustyn? In der 60. Minute vollendete er seinen Hattrick, diesmal nach Vorlage von Amadeus Kowalik. "Ich habe einfach geschossen, weil niemand mich störte", sagte Augustyn später schelmisch. In der Tat: Die Tychy-Abwehr hatte ihm so viel Platz gelassen, dass er wahrscheinlich noch hätte Kaffee kochen können. Danach war das Spiel entschieden. GKS versuchte es weiter, Prentiss feuerte in der 89. Minute noch einmal aufs Tor, aber Keeper Pedro Sousa parierte sicher. Amadeus Wisio holte sich in der 87. Minute noch Gelb - vielleicht aus Frust, vielleicht, um wenigstens einmal auffällig zu werden. Das Endergebnis: 3:5 (1:3). Die Zuschauer bekamen acht Tore, zwei Teams, die lieber angriffen als verteidigten, und eine Prise Wahnsinn. "Wenn das so weitergeht, wird’s eine unterhaltsame Saison - zumindest für die anderen", meinte Reuss sarkastisch auf der Pressekonferenz. Statistisch gesehen war Pruszkow das klar bessere Team: mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Effizienz. Augustyn (drei Treffer) und Preston (zwei) machten den Unterschied. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur mitspielen, sondern mitreißen", sagte Trainer Petruck - und grinste, als die Reporter notierten. Für GKS Tychy bleibt die Erkenntnis, dass Offensivgeist allein keine Punkte bringt. "Wir schießen drei Tore daheim und verlieren - das ist fast eine Kunstform", kommentierte Mittelfeldmann Szamotulski trocken. Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte: mit einem Tor von SK Pruszkow und vielen offenen Fragen bei Tychy. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Hoffnung. In jedem Fall war es ein Auftakt, der Lust auf mehr macht. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Wenn das hier die 1. Liga ist, dann bitte mehr davon - aber mit weniger Gegentoren." 12.08.644000 04:56 |
Sprücheklopfer
Dies kann ein Nachteil oder ein Vorteil sein, sowohl für uns als auch für die gegnerische Mannschaft.
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