// Startseite
| World Soccer |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen Fußballfans sich fragen, warum sie sich 80 Minuten lang über Fehlpässe und vergebene Chancen aufregen - bevor plötzlich alles explodiert. Der SK Pruszkow gewann am ersten Spieltag der Europaliga-Gruppenrunde vor 38.146 Zuschauern mit 3:0 gegen Trondheim BK. Das klingt souverän - war es aber erst ab Minute 83. Bis dahin hatte man im Stadion das Gefühl, beide Mannschaften wollten lieber Schneeschaufeln als Tore schießen. "In der ersten Halbzeit sah das eher nach Schach aus", grinste Pruszkows Trainer Stefan Petruck, "nur dass keiner wusste, wer eigentlich die Figuren bewegt." Seine Mannschaft hatte etwas mehr vom Ball (54 Prozent Ballbesitz) und auch mehr Zielwasser (15:9 Torschüsse), doch bis zur Pause blieb das Ergebnis so blass wie der norwegische Winterhimmel: 0:0. Dabei begann Trondheim frech. Jannick Hummel prüfte bereits in der sechsten Minute Torhüter Pedro Sousa, und Shimon Naot scheiterte gleich mehrfach in den ersten 20 Minuten. Doch Pruszkow hielt dagegen - Dario Poggi, der später zum Mann des Abends werden sollte, zwang Gästekeeper Vitor Tellez mehrfach zu Paraden. Dass sich Mateusz Hajto in der 26. Minute die erste Gelbe Karte abholte, passte zum nervösen Auftakt. Nach der Pause änderte sich zunächst wenig. Trondheim blieb offensiv, ohne zwingend zu werden, und SK Pruszkow suchte geduldig nach Lücken. "Wir wollten sie müde laufen lassen. Und ehrlich gesagt, das hat funktioniert", erklärte Mittelfeldroutinier Jerzy Zurawski später mit einem Augenzwinkern. Dann kam die Schlussphase - und mit ihr das große Erwachen. In der 83. Minute setzte Zurawski einen perfekt getimten Pass auf Poggi, der den Ball mit der Leichtigkeit eines Sonntagsschusses ins lange Eck schlenzte. 1:0 - das Stadion tobte, und Poggi rannte mit ausgebreiteten Armen zur Eckfahne, als hätte er gerade das Champions-League-Finale entschieden. "Ich hab nur gedacht: endlich!", lachte er nach dem Spiel. Trondheim reagierte wütend, aber kopflos. Statt Druck aufzubauen, verloren sie die Ordnung - und Pruszkow nutzte das eiskalt. In der 93. Minute flankte der junge Jerzy Augustyn von rechts, Constantin Furtok rauschte heran und drückte den Ball humorlos zum 2:0 über die Linie. Der Rest war Jubel, Konfetti - und ein bisschen Schadenfreude. Denn kaum hatte Trondheim wieder angestoßen, war es schon wieder passiert. Eine schnelle Kombination über - ja, wieder Furtok - landete bei Amadeus Kowalik, der den Ball in der 96. Minute zum 3:0-Endstand ins Netz hämmerte. Der Norweger Marco Caneira, gerade noch wegen Meckerns verwarnt, stand fassungslos daneben. "Das war wie ein Schneesturm", murmelte Trondheims Trainer Uwe Kämmerer nach dem Spiel. "Erst denkt man, es sei nur ein bisschen Wind - und dann liegt man drei Meter unter Eis." Seine Mannschaft habe "die Kontrolle verloren", gab er zu, "aber wer in der 93. Minute noch zwei Tore kassiert, hat es vielleicht auch verdient." Pruszkows Coach Petruck sah das naturgemäß anders: "Wir haben Ruhe bewahrt, und dann kam die Belohnung. Und Dario Poggi hat heute gezeigt, warum er in Italien einst als Wunderknabe galt - auch wenn er das sicher nicht gern hört." Poggi zwinkerte nur und antwortete: "Ich mag lieber, wenn sie sagen, ich sei ein Spätzünder." Statistisch betrachtet war der Sieg verdient. Pruszkow war in den Zweikämpfen etwas bissiger (53 Prozent gewonnene Duelle) und spielte zielstrebiger, während Trondheim zwar offensiv eingestellt war, aber kaum Durchschlagskraft zeigte. Selbst Kapitän Lucas Burghgraeve, sonst das norwegische Uhrwerk im Mittelfeld, wirkte zunehmend ratlos - und holte sich in der 85. Minute noch Gelb ab, als er aus Frust den Ballweg blockierte. Als Schiedsrichter Mendez schließlich abpfiff, stand auf der Anzeigetafel ein 3:0, das klarer wirkte, als es lange war. Die Fans von SK Pruszkow sangen noch Minuten später, während Trondheim enttäuscht in die Kabine schlich. "Drei Tore in 13 Minuten - das ist fast wie Espresso nach einem langen Winter", sagte ein euphorischer Zuschauer im Fansektor. Und tatsächlich: Pruszkow hat mit dieser späten Explosion nicht nur drei Punkte geholt, sondern auch ein Statement gesetzt. Vielleicht war es kein perfektes Spiel - aber es war eines, über das man reden wird. Und das ist im Januar mehr wert als jedes Trainingslager in der Sonne. 19.04.643987 16:05 |
Sprücheklopfer
Der Grund war nicht die Ursache, sondern der Auslöser.
Franz Beckenbauer