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Wenn 34.293 Zuschauer an einem lauen Maiabend ins Stadion von Pruszkow pilgern, dann erwartet man Fußball mit Feuer - und genau das bekamen sie. SK Pruszkow spielte Orda Opole beim 3:0-Sieg am 2. Spieltag der 1. Liga Polen fast schwindelig. Trainer Stefan Petrucks Mannschaft präsentierte sich von Beginn an so offensiv, dass sogar die Stadionkatze lieber den Ball als die Mäuse jagte. Von der ersten Minute an machte Pruszkow klar, dass man hier keine halben Sachen machen würde. Schon nach zwei Minuten prüfte Christopher Preston den gegnerischen Torwart mit einem satten Linksschuss. "Ich wollte mal sehen, ob er wach ist", grinste der englische Flügelflitzer später. Der Keeper von Opole, Dejan Sotirovic, war es - noch. In den folgenden 90 Minuten sollte er es aber noch oft schwer haben, wach zu bleiben, so sehr beschäftigte ihn das Dauerfeuer der Hausherren. 22 Torschüsse standen am Ende für Pruszkow zu Buche - eine Zahl, die jedem Statistikliebhaber Freudentränen in die Augen treiben dürfte. Bei Orda Opole waren es ganze drei Versuche, und das ist noch freundlich gerechnet. "Wir haben uns heute wie ein Sandsack im Boxring gefühlt", gab Opoles Mittelfeldmann Kian Gayheart nach dem Spiel mit Galgenhumor zu. Das 1:0 fiel in der 34. Minute, als Zbigniew Spizak nach feiner Vorarbeit von Emil Musiala trocken abschloss. Der Ball zischte so präzise ins Netz, dass Sotirovic nur hinterherschauen konnte. "Ich hab’ den Schuss gar nicht gesehen, nur das Tornetz wackeln", meinte der junge Stürmer später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Überraschung pendelte. Mit dieser Führung im Rücken spielte Pruszkow weiter, als gäbe es kein Morgen. Lewandowski - der 19-jährige Nachwuchsstürmer, nicht der berühmte Namensvetter - rannte, kämpfte, schoss. Erst in der 64. Minute durfte auch er jubeln: Jerzy Augustyn flankte von rechts butterweich, Lewandowski stieg hoch und köpfte zum 2:0 ein. "Ich hab’ einfach die Augen zugemacht - und gehofft", sagte er nach dem Spiel lachend. Trainer Petruck schüttelte daneben den Kopf: "Wenn das sein Geheimnis ist, soll er bitte öfter die Augen schließen." Während die Pruszkower Fans sich schon längst in Feierlaune befanden, fiel in der Nachspielzeit das Sahnehäubchen: Christopher Preston krönte seine starke Leistung mit dem 3:0 in der 95. Minute, vorbereitet von Tomasz Mieciel. Opoles Abwehr stand da schon fast dekorativ im Strafraum - als Statisten in einem Offensivdrama, das längst entschieden war. Kleine Dramen spielten sich trotzdem noch ab: Grzegorz Chalaskiewicz, der erfahrene Mittelfeldmotor von Pruszkow, sah in der 81. Minute Gelb und in der 92. Minute Gelb-Rot. "Ich wollte eigentlich nur das Spiel beruhigen", erklärte er augenzwinkernd. "Das ist mir wohl zu gut gelungen." Trainer Petruck nahm’s gelassen: "Wir führen 3:0, da darf man auch mal früher duschen gehen." Und was machte Orda Opole? Nun, sie versuchten es mit "balanciertem" Fußball, wie es ihre taktische Marschroute vorsah. Kein Pressing, kein Risiko, kein Glück. Man könnte sagen, sie wollten das Spiel kontrollieren - nur leider kontrollierte Pruszkow alles andere. Die Statistik spricht Bände: 52,4 Prozent Ballbesitz für die Heimmannschaft, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dazu ein Schussverhältnis von 22:3. Das Ergebnis war also keine Laune des Zufalls, sondern die logische Konsequenz aus 90 Minuten Einbahnstraßenfußball. Nach dem Schlusspfiff wirkte Trainer Petruck genauso zufrieden wie verschwitzt. "Wir wollten offensiv spielen - und das war offensiv", sagte er mit einem Grinsen, das andeutete, dass er sich selbst gerade zitierte. Auf der anderen Seite stand Opoles Coach, der sichtlich um Fassung rang. "Wir müssen lernen, dass man ein Spiel nicht gewinnt, indem man nur freundlich zuschaut", meinte er trocken. Während die Fans noch "Pruszkow, Pruszkow" sangen, klatschte Preston in die Kurve und rief: "Das war erst der Anfang!" - und genau so fühlte sich dieser Abend an. Wenn SK Pruszkow in dieser Form weitermacht, könnte die 1. Liga in Polen bald einen neuen Liebling haben - einen, der nicht nur Tore schießt, sondern auch Spaß macht. Und Orda Opole? Die werden hoffen, dass der nächste Gegner weniger Lust auf Offensivfeuerwerk hat. Denn eines ist klar: Gegen diesen Pruszkow kann man derzeit nur schwer bestehen - selbst mit offenen Augen. 02.09.644000 12:05 |
Sprücheklopfer
Wir haben zwei eigene individuelle Fehler bei den Toren gemacht.
Mario Basler