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Ein kalter Januarabend, Flutlicht über Skovlunde, 20.000 Zuschauer mit dampfendem Atem und heißem Herzen - und am Ende ein 3:1, das so verdient war wie ein dänisches Butterbrot nach einem langen Arbeitstag. Skovlunde FF zeigte am 4. Spieltag der 2. Liga Dänemark, wie man mit Lust am Offensivfußball ein Spiel nicht nur gewinnt, sondern auch genießt. Bereits in der 12. Minute begann das Spektakel: Samuel MacArthur, der 33-jährige Routinier auf dem rechten Flügel, zog nach Pass von Paul Andersen nach innen und zimmerte den Ball mit einem satten Schuss ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste MacArthur nach dem Spiel, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Ob das stimmt, bleibt sein Geheimnis, doch das Stadion tobte - 1:0 für Skovlunde. Kopenhagen schüttelte sich kurz und zeigte, dass sie auch Fußball spielen können. In der 27. Minute war es Carl Barros, der nach feinem Zuspiel von Diego Ximenis den Ausgleich erzielte. Ein sauberer Abschluss, keine Chance für Skovlundes Keeper Rasmus Søndergaard. Trainer Edkar Fargo, der an der Seitenlinie selten ohne sein Notizbuch zu sehen ist, brüllte kurz ein "Sådan!", dann war wieder Ernst angesagt. Doch die Freude der Gäste währte nicht lange. Nur acht Minuten später legte Skovlundes Mittelfeldmotor Agemar Beto nach - ebenfalls nach Vorlage von Paul Andersen, der an diesem Abend seine persönliche Renaissance als Vorlagengeber feierte. Beto knallte den Ball aus gut 20 Metern mit einer Selbstverständlichkeit ins Netz, als würde er jeden Abend so trainieren. "Ich habe nur gedacht: Nicht drüber, nicht drüber", sagte er später und lachte. 2:1 zur Pause, und die Zuschauer sangen sich die Kälte aus dem Leib. Skovlunde spielte von Beginn an mit offenem Visier - 54 Prozent Ballbesitz, 14 Schüsse aufs Tor. Kopenhagen dagegen blieb mit sieben Torschüssen eher im Bereich des höflichen Mitspielens. Die Gäste wirkten taktisch ausgeglichen, aber fast zu brav: kein Pressing, kein Risiko. Fargo erklärte später: "Wir wollten kontrolliert bleiben. Leider hat Skovlunde beschlossen, das Spiel nicht zu kontrollieren, sondern zu dominieren." Ein Satz, der auf T-Shirts gedruckt werden könnte. In der zweiten Halbzeit blieb das Bild gleich: Skovlunde stürmte, Kopenhagen wechselte. In der 50. Minute kam Sören Knudsen für Urban Davidsen, zwei Minuten später Einar Dam für Fritjof Dalgaard - doch der gewünschte Impuls blieb aus. Stattdessen machte Samuel MacArthur in der 70. Minute den Sack zu. Nach einem perfekt getimten Pass von Beto sprintete er in den Strafraum, legte sich den Ball auf den rechten Fuß und traf - eiskalt, abgeklärt, herrlich. 3:1, und das Spiel war entschieden. Die letzten 20 Minuten waren dann eine Mischung aus Schaulaufen und Schadensbegrenzung. Skovlunde kombinierte locker, die Fans skandierten "Mere! Mere!" - mehr wollten sie sehen, doch Trainer Edkar Fargo war froh, dass es nicht noch schlimmer kam. "Wir haben zu spät ins Spiel gefunden", sagte er, "und als wir drin waren, war es schon vorbei." Einer der humorvollen Momente des Abends ereignete sich in der 82. Minute, als Skovlundes Verteidiger Gustav Dahlin nach einem Befreiungsschlag stolperte und den Ball versehentlich zurück ins eigene Feld drosch. "Ich wollte nur Spannung reinbringen", witzelte er später, und das Publikum nahm es ihm nicht übel. Statistisch war das Spiel eine klare Angelegenheit: Skovlunde nicht nur mit mehr Ballbesitz, sondern auch mit der besseren Zweikampfquote (54,3 %). Besonders auffällig: das offensive Selbstverständnis der Gastgeber. Während Kopenhagen in der Taktikaufnahme durchgehend "balanced" spielte, blieb Skovlunde offensiv eingestellt - ohne Pressing, aber mit Mut und Spielfreude. Trainer von Skovlunde, immer noch in Feierlaune, fasste es nach Abpfiff so zusammen: "Wir wollten zeigen, dass Fußball auch in der 2. Liga Spaß machen kann. Heute hat’s funktioniert - und Samuel hat uns daran erinnert, warum wir ihn noch im Kader haben." Das Publikum verließ glücklich das Stadion, während über den Lautsprechern irgendein alter Popklassiker lief - man hätte schwören können, selbst die Flutlichtmasten hätten im Takt gewippt. Und wer weiß - vielleicht ist dieser Abend in Skovlunde der Beginn einer Geschichte, die noch größer wird. Aber fürs Erste reicht’s: drei Punkte, drei Tore, zwei Vorlagen von Andersen und ein MacArthur, der wieder an alte Zeiten erinnert. Fußball kann manchmal so einfach sein. 05.03.643987 19:24 |
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