Cardiff Sports
+++ Sportzeitung für Wales +++

Skrtel trifft spät - Holyhead Blues ringen Cardiff nieder

Wenn 36.854 Zuschauer an einem frostigen Januarabend in Holyhead das Stadion füllen, dann wollen sie Spektakel. Bekommen haben sie stattdessen: Geduld, Frust, ein paar graue Haare - und am Ende Erlösung. Die Holyhead Blues bezwangen am 10. Spieltag der 1. Liga Wales die Cardiff Bluebirds mit 1:0. Das Tor des Abends erzielte Igor Skrtel in der 88. Minute - und versetzte die Tribünen in ein kollektives Aufatmen, das man vermutlich noch bis zur Fähre nach Dublin hörte.

Dabei hatte sich das Spiel über weite Strecken wie eine ewige Wiederholung angefühlt: Angriff der Blues, Chance vergeben, Gegenstoß der Bluebirds, Ballverlust. Schon in der 10. Minute prüfte Skrtel den jungen Cardiff-Keeper Javier Meireles mit einem strammen Schuss - der erste von insgesamt 19 Versuchen der Hausherren. Der Ballbesitz sprach mit 57 Prozent ebenfalls eine deutliche Sprache. Nur die Tore, die blieben lange Mangelware.

"Ich dachte irgendwann, wir könnten bis Mitternacht spielen und keiner trifft", grinste Holyhead-Trainer Jürgen Steinmetz nach der Partie. "Aber dann hat Igor endlich mal auf mich gehört - und nicht nachgedacht, sondern einfach draufgehalten."

Tatsächlich war es ein Moment der Entschlossenheit, der das Spiel entschied: Ramon Vaz, der heimliche Regisseur im Mittelfeld, setzte sich mit einem kurzen Haken gegen zwei Gegenspieler in Szene und steckte den Ball zu Skrtel durch. Der 26-Jährige nahm Maß und drosch das Leder trocken ins rechte Eck. Meireles streckte sich vergeblich, und die Bank der Blues explodierte.

Zuvor hatte Cardiff kaum Offensivakzente gesetzt. Ganze zwei Torschüsse verzeichneten die Statistiker für die Bluebirds - ein Wert, der eher an ein Freundschaftsspiel im Schneeregen erinnert als an einen Erstligakracher. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Cardiff-Kapitän Sean Linney mit stoischer Ruhe. "Hat ja auch fast funktioniert. Nur eben nicht ganz bis zum Ende."

Fast, das traf es gut. Denn während Holyhead immer wieder an sich selbst und am gegnerischen Keeper verzweifelte, blieb Cardiff erschreckend passiv. Kein Pressing, keine Entlastung, kein Risiko - als hätten sie sich geschworen, den Ballbesitz des Gegners nicht zu gefährden.

Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die Blues eine ihrer Chancen nutzen würden. Noah Barbier, der linke Wirbelwind, nagelte den Ball in der 64. Minute noch an den Pfosten, Lewis Kinsella scheiterte kurz darauf aus spitzem Winkel. Als dann in der 83. Minute selbst Innenverteidiger Max Combe sich in den Angriff einschaltete und einen Kopfball knapp neben das Tor setzte, schwante den Fans: Wenn der jetzt auch noch trifft, wird’s ein Abend für die Geschichtsbücher.

Doch es war Skrtel, der fünf Minuten später die Geduld belohnte. "Ich hab einfach gespürt, dass heute nur einer trifft - und das wollte ich sein", sagte er nach dem Spiel mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und Selbstironie lag.

Die Emotionen ließen auch Steinmetz nicht kalt: "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte. Und ehrlich gesagt: Nach so einem Spiel schmeckt das Bier doppelt so gut."

Cardiff-Coach war nach dem Schlusspfiff kaum zu hören - vielleicht, weil er lieber nichts sagte, als sich zu wiederholen. Seine Elf hatte über 90 Minuten zwar diszipliniert verteidigt, aber im Angriff schlicht nichts anzubieten. "Wir müssen lernen, dass Fußball auch vorne stattfindet", murmelte er in die Mikrofone, bevor er Richtung Kabine verschwand.

Die Fans der Blues feierten dagegen, als hätten sie soeben den Pokal gewonnen. Vielleicht, weil sie wissen: Solche Siege - spät, mühsam, verdient - sind die, an die man sich erinnert. Und weil sie spüren, dass diese Mannschaft, so unspektakulär sie oft agiert, den Willen hat, Spiele zu ziehen.

Bleibt nur eine offene Frage: Warum braucht Holyhead immer 88 Minuten, um ein Tor zu schießen? Skrtel zuckte mit den Schultern: "Vielleicht mögen wir einfach Dramatik." Und während der Stadionsprecher das Ergebnis noch einmal durchgab, summte das Publikum zufrieden - nicht vor Kälte, sondern vor Glück.

Ein 1:0, das sich anfühlte wie ein Befreiungsschlag. Und ein Abend, an dem Geduld endlich belohnt wurde - spät, aber wunderschön blau.

03.05.643987 07:37
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