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Ein kalter Januarabend in Zilina, 25.397 Fans im Stadion, aber nur die Gäste aus Senec durften sich am Ende wirklich warmjubeln. Spartak Senec entführt beim 6. Spieltag der 1. Liga Slowakei mit einem 1:0‑Sieg drei Punkte, während die Hausherren von Sosoni Zilina trotz mehr Ballbesitz, mehr Schüssen und mehr Verzweiflung einmal mehr an sich selbst scheiterten. Das Spiel begann mit viel Zuversicht auf Seiten der Zilina‑Anhänger. "Heute zeigen wir ihnen, wie man Fußball spielt!", rief ein fanatischer Zuschauer schon beim Einlaufen. Und tatsächlich legten die Hausherren los wie ein Schnellzug ohne Bremse: In den ersten zehn Minuten prüften Harsanyi und Breska den Senecer Keeper Dario Cortale gleich mehrfach. Doch der 31‑jährige Schlussmann hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend unbezwingbar zu sein - und blieb es auch. Dann, in der 21. Minute, fiel das, was man in Senec wohl ein Gedicht nennt und in Zilina eher ein Albtraum: Der 19‑jährige Radoslav Krajcik, kaum alt genug, um im Bus vorne zu sitzen, schlenzte nach feiner Vorarbeit seines gleichaltrigen Mitspielers Filip Svento den Ball in die lange Ecke. 0:1 - eiskalt, präzise, jugendlich frech. "Ich habe gar nicht lange nachgedacht", grinste Krajcik nach dem Spiel. "Filip hat mir den Ball so schön hingelegt, da musste ich ihn einfach küssen - äh, schießen natürlich." Zilina schoss, rannte, kämpfte - und scheiterte. 58 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse, aber kein Treffer. Vor allem der 18‑jährige Ivan Dubovsky bekam mehrfach die Chance zum Ausgleich. Mal zischte der Ball knapp am Pfosten vorbei, mal stand erneut Cortale im Weg. "Wenn der Ball ein bisschen netter zu mir gewesen wäre, hätten wir gewonnen", murmelte Dubovsky nach dem Abpfiff und blickte, als wolle er den Rasen für seine Undankbarkeit tadeln. In der zweiten Hälfte setzte sich das Drama fort. Trainer Sosonis (dessen Name wohlweislich nicht im offiziellen Spielbericht auftaucht) gestikulierte an der Seitenlinie so wild, dass man fürchtete, er würde gleich selbst eingewechselt. Doch was er sah, war pure Verzweiflung in Gelb‑Grün. Immer wieder kombinierten sich Dusan Krajcik und Robert Wolf durch die Mitte, doch spätestens am Strafraum ging der Faden verloren. Spartak Senec hingegen verteidigte mit Leidenschaft. Selbst als Valentin Van Geem in der 76. Minute glatt Rot sah - eine rustikale Grätsche, die man freundlicherweise als "übermotiviert" bezeichnen könnte - hielten die Gäste ihr Bollwerk zusammen. "Ich wollte nur den Ball treffen, aber der Ball wollte nicht", entschuldigte sich Van Geem halb zerknirscht, halb stolz. Trainer Kevo Kevoo nahm’s mit Humor: "Wir wollten das Spiel spannend machen. Valentin hat geliefert." Nach dem Platzverweis verlegte sich Senec komplett aufs Kontern. Der eingewechselte Silvestre Moutinho hätte in der 88. Minute beinahe alles klar gemacht, doch sein Schuss verfehlte das Tor um eine Bierdeckellänge. Auf der anderen Seite versuchte es Zilina weiterhin mit allem, was die Beine hergaben. Filip Hlinka hämmerte in der 78. Minute drauf, Ivan Dubovsky in der 80. - beide Male klatschte der Ball an die Fäuste von Cortale, der an diesem Abend offenbar magnetische Handschuhe trug. "Wir hatten mehr vom Spiel, sie das Tor - das ist Fußball in seiner grausamsten Form", seufzte Zilinas Routinier Dusan Krajcik nach dem Abpfiff. Und tatsächlich: Statistisch gesehen war Zilina das bessere Team. 58,8 Prozent Ballbesitz, leicht bessere Zweikampfquote, 14 Schüsse auf das Tor - doch das Ergebnis lautete nüchtern 0:1. Senec feierte den Auswärtssieg wie einen Pokaltriumph. Die jungen Wilden Krajcik und Svento wurden von ihren älteren Kollegen fast erdrückt vor Freude. "Wenn man mit 19 das Siegtor schießt, kann man ruhig mal 20 Umarmungen ertragen", lachte Svento. Trainer Kevoo lobte anschließend seinen Nachwuchs: "Wir haben Mut belohnt - und ein bisschen Glück dazugekauft, aber das bleibt unter uns." Für Zilina bleibt die Erkenntnis: Wer 90 Minuten den Ball hat, aber kein Tor schießt, bekommt dafür keine Punkte. Vielleicht sollte man im nächsten Training den Ball einfach mal ins Tor tragen - rein experimentell. Und so blieb ein kalter Abend in Zilina zurück, an dem 25.397 Zuschauer viel Einsatz, viel Frust und ein einziges Tor sahen - leider das falsche. Spartak Senec nimmt drei Punkte mit nach Hause, Zilina ein paar Fragen an die Fußballgötter. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen lakonisch sagte: "Wir hatten alles - außer Glück, Tore und heißen Tee." 17.03.643987 23:12 |
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Peter Neururer