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Southampton stolpert - Ashford Town jubelt mit jugendlicher Frechheit

Wer an diesem lauen Juniabend im St. Mary’s Stadium auf ein gemütliches Heimspiel des FC Southampton gehofft hatte, wurde nach exakt neun Minuten bestätigt - und danach eines Besseren belehrt. 51.993 Zuschauer sahen zunächst ein Feuerwerk der Hausherren, das am Ende aber nur Funken sprühte: Southampton unterlag Ashford Town mit 1:2, und die Gäste aus der Kleinstadt feierten, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen.

Dabei fing alles nach Drehbuch an. In der 9. Minute schlenzte Adam Hennessy, der bullige Mittelstürmer der Saints, nach feiner Vorarbeit von Gabriel Beecroft den Ball ins rechte Eck - 1:0. Trainer Michael Böning riss die Arme hoch, die Fans sangen sich warm, und manch einer dachte wohl schon an einen entspannten Abend. Doch Ashford Town hatte offenbar keine Lust auf die Rolle des Statisten.

Nur neun Minuten später nutzte Logan Ashton, Ashfords erfahrener Linksaußen, eine Unachtsamkeit in Southamptons Hintermannschaft. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Jacob Patton stand Ashton frei vor Keeper Lithgow - und der Ball zappelte im Netz. 1:1. "Ich dachte erst, er will flanken", scherzte Ashton später. "Aber dann hab ich mir gedacht: Wenn schon, denn schon."

Southampton wirkte kurz konsterniert, und ehe man sich auf dem Rasen wieder sortiert hatte, schlug der Teenager zu: Ryan Thuringer, 17 Jahre jung, kaum Bartwuchs, aber ein Abschluss wie ein alter Hase. In der 30. Minute traf er nach Zuspiel von James Henderson zur 2:1-Führung für die Gäste. Der Jubel war ohrenbetäubend - zumindest auf der kleinen Ashford-Bank. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Thuringer nach dem Spiel, "und gehofft, dass keiner merkt, dass das mein schwächerer Fuß war."

Von da an spielte Southampton, als hinge das Schicksal des Vereins an jedem Angriff. Ganze 16 Torschüsse feuerten die Männer von Böning ab, während Ashford mit vier gezielten Nadelstichen auskam - aber eben zwei Treffer mehr erzielte. Der Ballbesitz sprach mit 53 Prozent für die Saints, die Zweikampfquote ebenso. Nur auf der Anzeigetafel blieb man im Rückstand.

Kurz vor der Pause wurde es dramatisch: Gerritt Van Cortlandt, bis dahin einer der Aktivposten auf der rechten Seite, verletzte sich in einem Zweikampf und musste ausgewechselt werden. Jan Ovesen kam, rannte, dribbelte - und verzog. Es war sinnbildlich für Southamptons Abend: viel Einsatz, wenig Ertrag.

Nach der Pause reagierte Böning taktisch: Kai Peter ersetzte den müde wirkenden Carles Ordono in der Innenverteidigung, das Pressing wurde wieder angezogen, die Formation blieb offensiv. Doch Ashford verteidigte mit Herzblut - und, zugegeben, gelegentlich mit Glück. Der junge Keeper Damian Martinez, erst 21, zeigte mehrere starke Paraden. "Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Hände habe", witzelte er in der Mixed Zone.

Ab der 70. Minute spielte sich das Geschehen fast ausschließlich in Ashfords Hälfte ab. Gabriel Beecroft prüfte Martinez in der 69. und 90. Minute, Liam Allington zog aus der Distanz ab, Gabriel Nilsson scheiterte gleich doppelt (79. und 89.). Selbst Rechtsverteidiger Leo Broderick versuchte es in der 85. Minute - erfolglos, versteht sich.

Trainer Böning rang nach der Partie um Fassung: "Wir haben alles versucht - außer vielleicht, den Ball ins Tor zu schießen." Sein Kollege David Reichart hatte dagegen Mühe, ein Lächeln zu verbergen: "Das war Leidenschaft pur. Wenn man mit einem 17-Jährigen im Sturm nach Southampton fährt und gewinnt, darf man ruhig ein bisschen stolz sein."

Lewis Cromwell, Ashfords erfahrener Rechtsverteidiger, sah in der 20. Minute Gelb, aber das passte irgendwie ins Bild: robust, kämpferisch, unerschrocken. "Ich wollte nur den Ball - leider stand der Gegner im Weg", sagte er trocken.

So blieb es beim 1:2, und während die Heimfans enttäuscht die Ränge verließen, sangen die 500 mitgereisten Ashford-Anhänger noch lange in der Ecke des Stadions. Die Statistik wird ihnen egal gewesen sein - 16 zu 4 Torschüsse hin oder her.

Vielleicht ist das die schönste Geschichte dieses fünften Spieltags der englischen Liga: Ein Team, das kaum jemand auf dem Zettel hatte, zeigt Herz, Mut und eine Prise jugendliche Unbekümmertheit - und bringt einen Großen ins Stolpern.

Oder, wie es Thuringer später zusammenfasste: "Ich hab keine Ahnung, wie wir das geschafft haben. Aber ich weiß, dass ich morgen schulfrei hab."

Und Southampton? Die Saints werden sich schütteln, das Taktikboard neu beschriften - und hoffen, dass der nächste Gegner weniger jugendlichen Übermut mitbringt.

04.12.644002 14:15
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