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51825 Zuschauer im St. Mary’s Stadium bekamen an diesem frostigen Februarabend genau das, was ein englischer Fußballabend zu bieten hat: Tempo, Drama und ein paar Szenen, bei denen selbst der Schiedsrichter kurz überlegte, ob er nicht lieber den Ball nimmt und mitspielt. Am Ende trennten sich der FC Southampton und die Liverpool Reds 1:1 - ein Ergebnis, das keiner so recht wollte und doch irgendwie zu diesem Spiel passte. "Ein gerechtes Unentschieden? Vielleicht. Aber gerecht ist im Fußball ja selten etwas", knurrte Southampton-Trainer Michael Böning nach dem Abpfiff und stopfte die Hände tief in die Taschen seines Mantels. Seine Mannschaft hatte mutig begonnen, offensiv ausgerichtet, mit Pressing von der ersten Minute an - und das gegen eine Liverpool-Elf, die sich zunächst auf ihre berüchtigte Geduld und Ballzirkulation verließ. Die ersten Minuten gehörten allerdings den Gästen. Schon in der vierten Minute prüfte Ewan Burton den Southampton-Keeper Alberto Mancuso mit einem trockenen Schuss aus 16 Metern. Mancuso, noch ohne Kaffee im Blut, faustete zur Ecke. Wenig später versuchte es Roberto Marquez - ebenfalls vergeblich. Es war ein Muster, das sich durchziehen sollte: Liverpool mit mehr Ballbesitz (54 Prozent), Southampton mit mehr Herz. In der 38. Minute dann das, was man an der Südküste liebt: ein Tor aus dem Nichts. Gabri Yanez, der rechte Wirbelwind der Saints, tanzte an der Außenlinie zwei Gegenspieler aus, passte flach in die Mitte, wo Nicolaas Derrick mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der beim Einlaufen schon wusste, dass er heute trifft, den Ball humorlos ins rechte Eck knallte. 1:0 für Southampton - und das Stadion bebte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Derrick später, "aber Gabri hat da irgendeinen Trick gemacht, den ich nicht mal im Training gesehen habe." Liverpool reagierte, wie große Teams reagieren: mit Ruhe, Ballbesitz - und einer Prise Arroganz. Trainer Kurt Kaiser stand stoisch an der Seitenlinie, als wollte er sagen: "Wir machen das schon." Und tatsächlich: Nach der Pause kam der Favorit wacher zurück. Giulio Lorusso, der bullige Mittelstürmer der Reds, wurde zur Pause eingewechselt und brachte sofort Unruhe. Auch wenn er selbst kein Tor erzielte, war es seine Ablage in der 74. Minute, die Matthias Van Hoost zum Ausgleich nutzte. Ein flacher Schuss, präzise wie eine Steuererklärung, unhaltbar für den inzwischen eingewechselten Keeper Gabriel Clancy. "Das war so gewollt", grinste Van Hoost später - und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Na ja, eigentlich wollte ich flanken." In der Schlussphase schien alles möglich. Southampton drückte wieder, Gabriel Beecroft vergab in der 80. Minute die Riesenchance zum 2:1, als er allein vor dem Tor lieber den Pfosten anvisierte als das Netz. Liverpool konterte, Filipe Arias prüfte Clancy in der 86. Minute, bevor Alessandro Marcedusa in der Nachspielzeit noch einmal den Außenpfosten küsste. Das Publikum stand längst, die Hände klatschnass - vom Regen oder vom Nervenkitzel, man weiß es nicht. Statistisch war’s ein Spiegelbild: 11 Torschüsse pro Team, fast identische Zweikampfwerte (50 zu 49 Prozent). Nur in Sachen Karten lag Southampton vorn - Leo Broderick sah in der 52. Minute Gelb, weil er offenbar dachte, dass ein leichter Tritt ins Schienbein auch als höfliche Begrüßung durchgeht. Taktisch blieb es spannend. Während Southampton offensiv blieb, aber in der zweiten Hälfte etwas Luft holte, schaltete Liverpool nach dem Rückstand sichtbar um: von "balanciert" auf "offensiv", wie es im Trainerdeutsch heißt - in Wahrheit bedeutete das, dass plötzlich alle nach vorne liefen, inklusive des Linksverteidigers, der sonst nur zum Pausenapplaus über die Mittellinie kommt. Nach dem Abpfiff stand Böning noch lange auf dem Rasen, redete mit Derrick und Yanez. "Wir wollten sie über die Mitte knacken", erklärte er später. "Hat ja auch geklappt - fast." Sein Kollege Kaiser nickte in der Pressekonferenz und meinte trocken: "Wir haben ein Tor gemacht, sie auch. Unentschieden. Fußball ist manchmal so einfach, dass es wehtut." So endete ein Abend, der kein Siegerlied kannte, aber viele Geschichten schrieb: von einem beherzten Southampton, das gegen einen Favoriten zeigte, dass Leidenschaft eben manchmal reicht, um einen Punkt zu behalten. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen rief: "Wenn wir jede Woche so spielen, brauchen wir keinen Sieg - nur gute Nerven!" Ein Satz, der wohl noch ein paar Tage in Southampton nachhallen wird. 10.06.643990 13:38 |
Sprücheklopfer
Meine Frau und ich, wir sind jetzt seit zwei Jahren verheiratet und bei uns läuft alles gut.
Mehmet Scholl ausweichend auf die Frage, wann ihm Rehagel denn mitgeteilt habe, dass er wieder nur Ersatzspieler sein werde