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Ein lauer Februarabend an der Südküste, 49.178 Zuschauer im St. Mary’s Stadium, und eigentlich schien alles nach Drehbuch zu laufen: Der FC Southampton hatte Swindon Town fest im Griff - bis er es plötzlich nicht mehr hatte. Am Ende stand ein 2:2, das sich für die Hausherren anfühlte wie eine Niederlage und für die Gäste wie ein kleiner Pokalsieg. Schon nach vier Minuten schien die Sache entschieden zu sein. Gabriel Beecroft, 21 Jahre jung, wirbelte über die linke Seite, nahm eine scharfe Hereingabe von Leo Broderick direkt und schob zum 1:0 ein. Trainer Michael Böning riss an der Seitenlinie die Arme hoch, als hätte er persönlich das Tor erzielt. "Wir wollten früh Druck machen - und das hat hervorragend funktioniert", grinste er später. Southampton spielte in jenen Anfangsminuten, als wäre der Ball magnetisch mit ihren Stiefeln verbunden: 53,9 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüsse insgesamt - und vor allem ein zweites Tor nach nur 13 Minuten. Der quirlige Mittelfeldmann Liam Allington, gerade einmal 20 Jahre alt, traf nach einer butterweichen Vorlage von Gabri Yanez aus zentraler Position zum 2:0. Swindon-Trainer Barney Cheep sah da schon ziemlich bedient aus und brüllte seine Viererkette so laut zusammen, dass man es bis in die Pressetribüne hörte. Doch Swindon wäre nicht Swindon, wenn sie nicht irgendwie den Chaos-Faktor im Gepäck hätten. In der 31. Minute, praktisch aus dem Nichts, fasste sich Mason Hathaway ein Herz. Nach einem Pass von Connor Bosworth zirkelte er den Ball unhaltbar ins rechte Eck - 2:1. Ein klassischer "Moment der Hoffnung", wie Cheep später lachend meinte: "Ich habe kurz überlegt, ob ich mich hinsetze, aber dann fiel mir ein, dass wir noch 60 Minuten Zeit haben, alles wieder zu ruinieren oder großartig zu machen." Kurz darauf sah Santiago de Silva Gelb, als er Beecroft sehr deutlich erklärte, dass man in der Verteidigung keine Kompromisse kennt. Der Schiedsrichter zeigte die Karte, und De Silva klatschte - vermutlich ironisch - Beifall. Bis zur Pause blieb Southampton tonangebend, doch das dritte Tor wollte nicht fallen. In der Kabine, so verriet Allington später, habe Böning ruhig, aber bestimmt gesagt: "Macht’s einfach zu Ende." Nur: Das taten sie nicht. Swindon kam mit frischem Mut aus der Pause - und mit einem neuen Mann, dem gerade 19-jährigen Joseph Hawn. Der Junge sah aus, als hätte er noch nie Angst vor irgendetwas gehabt, und spielte dann auch so. Nach einer Stunde brachte Cheep zusätzlich Louis Graysmark, um den rechten Flügel zu beleben. Und siehe da: In der 62. Minute fiel tatsächlich der Ausgleich. Charles Warriner, bis dahin blass, vollendete eine Flanke von Teemu Forssell mit einem wuchtigen Schuss zum 2:2. Das Publikum konnte es kaum glauben. Böning stapfte an der Seitenlinie entlang, murmelte etwas, das man in keiner Fernsehnachbearbeitung hören wollte, und warf seine Jacke auf den Boden. "Wir waren zu bequem", sagte er später. "Manchmal denken die Jungs, 2:0 reicht in England. Tut es aber selten." Die letzten 20 Minuten waren ein offener Schlagabtausch. Beecroft prüfte Swindons Torhüter Freddie Huxley in der 67. und 75. Minute gleich doppelt, während auf der Gegenseite Warriner und der umtriebige Cromwell immer wieder gefährlich vors Tor kamen. Southampton wechselte in der 85. Minute Beecroft aus - wohl um Zeit zu schinden oder ihn vor dem Nervenzusammenbruch zu bewahren - und brachte Sebastiano Carlucci. Auch Swindon tauschte noch einmal, Joel Simpson ersetzte den jungen John Carter. Als der Schlusspfiff ertönte, sank Böning auf die Bank und blickte leer ins Nichts. Seine Elf hatte zwei Punkte verschenkt. Barney Cheep dagegen grinste wie ein Fuchs im Hühnerstall. "Wir waren nie tot. Nicht mal bei 0:2", sagte er mit typisch britischem Understatement. Statistisch gesehen war Southampton besser - mehr Torschüsse, mehr Ballbesitz, höhere Zweikampfquote. Aber Statistik schießt eben keine Tore, und Swindon nahm dank Wille, Chaos und etwas Glück einen Punkt mit nach Hause. Vielleicht war es bezeichnend, dass kurz nach Abpfiff ein kleiner Junge auf der Tribüne rief: "Papa, wer hat gewonnen?" - und der Vater antwortete: "Kommt drauf an, wen du fragst." So oder so: Ein Spiel, das niemand so schnell vergisst. Southampton wird sich fragen, wie man ein 2:0 so herschenken kann. Swindon wird sagen: "Genau so wollten wir’s." Und irgendwo in den Katakomben summte Trainer Cheep angeblich: "Ein Punkt hier ist wie ein Sieg - nur ohne die Prämie." Das Fazit? Southampton mit viel Ball, Swindon mit viel Herz - und am Ende teilen sich beide das, was keiner so richtig wollte: einen Punkt. 03.07.643990 22:16 |
Sprücheklopfer
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