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Das Flutlicht an der St. Mary’s Road glühte noch, als Margate-Trainer Ata Lameck kurz nach Abpfiff in Richtung Pressevertreter grinste: "Wenn Ballbesitz Tore wären, hätten wir heute 5:3 gewonnen." Damit traf er den Nagel auf den Kopf - oder besser: den Pfosten, denn davon hatte sein Team gleich zwei getroffen. Am Ende jubelte aber der FC Southampton über ein 3:2, das mehr Kampf als Glanz enthielt, aber eben drei Punkte brachte. Vor 58.611 Zuschauern begann das Spiel furios. Schon in der achten Minute ließ Margates linker Verteidiger Teemu Vuorinen die Heimfans verstummen. Nach feiner Vorarbeit von Billy Henderson drosch er den Ball aus 20 Metern in den Winkel - ein Tor, das man sonst nur in Videospielen sieht. Southampton-Coach Michael Böning ballte an der Seitenlinie die Faust - aber in Richtung seiner Abwehr, nicht aus Freude. "So fangen wir keine Heimspiele an", murmelte er später mit trockenem Understatement. Doch die Saints reagierten. In der 19. Minute zog Linksverteidiger Matthew Finnan nach einem cleveren Pass von Youngster Gabriel Nilsson einfach mal ab - und traf. Es war die Art von Schuss, bei der man im Stadion einen Sekundenbruchteil zu spät jubelt, weil niemand damit rechnet, dass der Ball wirklich reingeht. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Finnan später lachend zu. Southampton witterte nun Morgenluft. Kurz vor der Pause, in der 44. Minute, stahl sich Innenverteidiger Carles Ordono nach vorne, bekam von Meir Pizanti den Ball und köpfte zum 2:1 ein. Margate hatte mehr vom Spiel, mehr Ballbesitz (53 Prozent), mehr Torschüsse (12 zu 5) - aber weniger Tore. Es war die Art von Halbzeit, nach der Statistikliebhaber weinen und Ergebnisfußballer schmunzeln. Direkt nach Wiederanpfiff, kaum hatten die Fans ihre Pies aus der Hand gelegt, schlug Margate zurück. Der unermüdliche Harold Coeyman erzielte in der 47. Minute den Ausgleich - vorbereitet von Owen Beaulieu, der zuvor schon zwei Mal an Keeper Brandon Lithgow gescheitert war. "Ich wollte einfach mal treffen, bevor mich der Trainer wieder rausnimmt", witzelte Coeyman. Doch es war erneut Southampton, das das letzte Wort hatte. In der 62. Minute stand Gabriel Nilsson goldrichtig. Nach einer Balleroberung von Jacques Hauser zog der 22-Jährige trocken ab - 3:2! Böning sprang an der Seitenlinie so hoch, dass selbst seine Assistenten kurz irritiert blickten. "Ich hab ihm gesagt: Wenn du das Ding machst, bekommst du morgen trainingsfrei", verriet der Coach später mit einem Augenzwinkern. Margate drückte in der Schlussphase mächtig. Trainer Lameck brachte gleich drei frische Offensivkräfte - Dimas Chalana, Hansen Scranton und Gardar Kristinsson -, und plötzlich rollte Angriff auf Angriff auf das Saints-Tor. Doch Lithgow hielt, was zu halten war, und Leo Broderick, der sich in der 88. Minute noch eine Gelbe Karte wegen Zeitschindens abholte, wurde zum heimlichen Helden. "Ich hab nur den Ball gesucht", verteidigte er sich später mit einem unschuldigen Grinsen. Southampton rettete das Ergebnis über die Zeit, während Margate sich vorwerfen musste, die eigene Effizienz im Bus gelassen zu haben. 12 Torschüsse, zwei Tore - das ist die bittere Bilanz eines Teams, das spielerisch mehr zu bieten hatte, aber in den entscheidenden Momenten zu brav blieb. Ihre "starke Aggressivität", wie es der Taktikbogen so schön nennt, endete meist an der Strafraumkante. Trainer Lameck nahm es mit Galgenhumor: "Wir haben offensiv gespielt, defensiv gedacht und am Ende beides verloren." Sein Gegenüber Böning hingegen wirkte erleichtert: "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte." Als die Flutlichter erloschen, verließen die Fans mit einem Gefühl zwischen Stolz und Nervenzusammenbruch das Stadion. Southampton bleibt damit im oberen Tabellendrittel, während Margate trotz couragierter Leistung weiter auf den ersten Auswärtssieg wartet. Und irgendwo in der Kabine dürfte Böning seinen Verteidigern erklärt haben, dass man auch ohne Herzinfarkt gewinnen kann - aber offenbar wollte ihm das an diesem Abend keiner so recht glauben. 07.05.643997 17:10 |
Sprücheklopfer
Die meisten Spiele, die 1:0 ausgingen, wurden gewonnen.
Günter Netzer