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Es war ein Dienstagabend in Spandau, an dem der Fußball mal wieder das Theater ersetzte - mit allem, was dazugehört: Drama, Komödie, rote Karte und einem Publikum, das 2271 Köpfe zählte, aber doppelt so laut wirkte. Am Ende hieß es 2:2 zwischen dem Spandauer SV und Eintracht Northeim - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie nicht schmeckte, aber immerhin niemanden völlig unglücklich machte. Die Partie begann mit einem Paukenschlag. Gerade einmal sieben Minuten waren gespielt, da zappelte der Ball schon im Netz der Gastgeber. Northeims junger Mittelstürmer Janis Hofmann, gerade einmal 20 und mit der Unbekümmertheit eines Teenagers, schloss einen blitzsauberen Angriff über Bernd Bader eiskalt ab. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht, einfach draufgehalten", grinste Hofmann später - und man glaubte es ihm sofort. Doch Spandau brauchte nur eine Minute, um zurückzuschlagen. Jürgen Freund, der Mann mit dem Namen, der klingt wie aus einem Kinderbuch, traf nach Vorarbeit von Markus Geissler zum 1:1. Der Ausgleich war mehr als verdient, denn die Hausherren hatten das Spiel von Beginn an unter Kontrolle. 58 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse - das liest sich wie eine Bewerbung für drei Punkte. Doch Northeim hatte etwas, das Zahlen schwer erfassen: Effizienz. In Minute 36 war es wieder Bader, der aus der Distanz abzog und den Ball sehenswert in den Winkel setzte. "Der war nicht ganz unhaltbar", murmelte Spandaus Keeper Maurice Pohl, und sein Trainer daneben nickte stumm. Offiziell wollte er sich nicht äußern - inoffiziell war sein Kommentar deutlich: "Wenn wir so verteidigen, dann können wir gleich den Grill anwerfen und den Ball als Bratwurst benutzen." Mit dem 1:2 ging es in die Pause, und während Northeim in der Kabine wohl über ihre erstaunliche Trefferquote staunte, schwor Spandau sich auf ein Comeback ein. "Wir wussten, dass wir mehr draufhaben", sagte Geissler später - und er sollte Recht behalten. In der 75. Minute war es eben jener Geissler, der nach einer butterweichen Flanke von Linksverteidiger Christopher Hermann per Kopf einnickte. Ein Tor, das nach purem Willen roch - und nach Erleichterung. Danach kippte das Spiel endgültig. Northeim, ohnehin mit aggressiver Spielweise unterwegs, verlor die Kontrolle. Erst sah Innenverteidiger Timo Wagner in der 23. Minute Gelb, dann kassierte Heinz Voss in der 83. glatt Rot - wohl für ein Einsteigen, das selbst in einem Rugby-Match Stirnrunzeln ausgelöst hätte. "Ich bin ausgerutscht", versuchte Voss die Szene zu erklären. Schiedsrichter und Gegner blieben ungerührt. In Unterzahl rettete Northeim das 2:2 mit allem, was Beine hat. Torwart Andre Nickel wurde zum Publikumsliebling - oder besser gesagt zum Albtraum der Spandauer Offensive. In der 91. Minute parierte er noch einen Schuss von Marcus Götz, als hinge sein Hauskredit davon ab. Statistisch war das Ganze ein Klassenunterschied: 18:6 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, fast 60 Prozent Ballbesitz für Spandau. Aber Fußball liebt keine Gerechtigkeit, nur Geschichten. Und die schrieb an diesem Abend Eintracht Northeim - die Geschichte einer Truppe, die über ihre Verhältnisse kämpfte und mit zehn Mann den Punkt verteidigte, als ginge es um den letzten Platz auf der Arche Noah. Trainer Tim Picke von Northeim zeigte sich nach dem Abpfiff dennoch gelassen. "Klar, ein Sieg wäre schöner gewesen. Aber mit einem Punkt in Spandau kann man leben - zumindest bis morgen früh, wenn ich das Video sehe." Spandaus Spieler hingegen wirkten zwischen Frust und Fassungslosigkeit. Ralf Brauer, der sich über 90 Minuten die Seele aus dem Leib rannte, fasste es trocken zusammen: "Wenn du 18 Mal aufs Tor schießt und nur zweimal triffst, dann hast du wohl die falschen Schuhe an." Ein Grollen ging durchs Stadion, als der Schlusspfiff ertönte - nicht aus Wut, eher aus ungläubigem Staunen. Spandau hatte alles versucht, Northeim alles verhindert. Und so endete ein Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdiente, aber zwei Mannschaften, die sich nichts schenkten. Am Ausgang sagte ein älterer Fan noch: "Früher hätten wir so was noch 4:2 gewonnen." Sein Begleiter grinste: "Früher war auch der Rasen besser." Vielleicht stimmt beides. Sicher ist nur: In Spandau wird man diesen Dienstagabend so schnell nicht vergessen - und in Northeim auch nicht. 08.07.644000 00:52 |
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Kaiserslautern wird mit Sicherheit nicht ins blinde Messer laufen.
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