Sovetskij Sport
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Sparta Moskau zerlegt Anzhi - Vier Tore, keine Gnade

Ein lauer Abend im März, 12.500 Zuschauer im Stadion von Makhachkala - und viele davon dürften sich spätestens nach einer halben Stunde gefragt haben, ob sie nicht lieber zum Eishockey hätten gehen sollen. Anzhi Makhachkala verlor am 4. Spieltag der 1. Liga Russland mit 0:4 gegen übermächtige Gäste von Sparta Moskau. Ein Spiel, das nur in einer Richtung stattfand - und das war nicht die, in der Anzhi hätte spielen wollen.

Schon nach drei Minuten war klar, dass Sparta kein Interesse an höflichem Abtasten hatte. Alexander Brunner, der rechte Flügelflitzer mit der Schusstechnik eines Präzisionsgewehrs, traf nach einem energischen Sprint zum frühen 0:1. "Ich habe einfach draufgehalten, weil ich keine Lust hatte, mich warmzulaufen", grinste der 28-Jährige nach dem Spiel. Dass es sein erster Torschuss war, passte zur brutalen Effizienz der Moskauer.

Anzhi hingegen wirkte, als hätte die Mannschaft beim Aufwärmen vergessen, dass man im Fußball auch nach vorne spielen darf. Kein einziger Torschuss aufs Tor in 90 Minuten - Trainer Francesco Guidolin fasste es später trocken zusammen: "Wir wollten kompakt stehen. Leider standen wir nur."

Das 0:2 in der 22. Minute war dann schon fast ein Kunstwerk. Guy Fournier, der 32-jährige Mittelfeld-Regisseur Spartas, versenkte den Ball nach feiner Vorarbeit von Lawrenti Prochorow mit der Präzision eines Architekten. "Ich hätte eigentlich auf Morgan passen sollen", gab Fournier später zu, "aber dann dachte ich: Ach, der Ball sieht so traurig aus - ich schieß ihn lieber selbst rein."

Nach der Pause ging das Schauspiel weiter. Kaum waren die Spieler wieder auf dem Platz, da netzte Spartas Rechtsverteidiger Rui Sancho in der 47. Minute zum 0:3 ein - ein sehenswerter Distanzschuss, bei dem selbst die Fans der Heimmannschaft kurz klatschten. Vier Minuten später legte Bradley Kenny das 0:4 nach, nach schöner Vorarbeit von Luka Braun. Danach war die Partie endgültig entschieden, auch wenn Sparta weiter spielte, als hinge die Meisterschaft an der Tordifferenz.

24 Torschüsse für Sparta, null für Anzhi - das sagt alles. 57 Prozent Ballbesitz für die Gäste, aber gefühlt 99 Prozent Spielkontrolle. Anzhi kämpfte tapfer, manchmal etwas zu körperlich: Drei Gelbe Karten (Sa Pint 72., Blanchett 80., Opata 94.) waren das einzige Zeichen von Widerstand.

Ein kurzer Moment der Komik ereignete sich in der 60. Minute, als Sparta gleich doppelt wechselte - Torwart Warrington überließ seinem Kollegen Henri Sommer den Platz. Von der Bank rief Coach Richard Hulf seinem neuen Keeper zu: "Mach’s wie der Alte - also nichts zu tun haben." Sommer grinste und nickte. Tatsächlich musste er bis zum Abpfiff keinen Ball halten.

Nach dem Spiel wirkte Hulf fast verlegen über die Dominanz seiner Mannschaft: "Wir haben offensiv gespielt, aber ehrlich gesagt - ich dachte, Anzhi wäre gefährlicher. Vielleicht haben sie einfach einen schlechten Tag erwischt. Oder zwei."

Guidolin hingegen stand mit verschränkten Armen vor der Presse. "Wenn man keinen Schuss aufs Tor bringt, ist es schwer zu gewinnen", sagte er, als hätte er gerade ein uraltes Fußballgeheimnis gelüftet. Dann fügte er hinzu: "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz allein nicht reicht, wenn der Ball immer im eigenen Drittel ist."

Im Kabinengang hörte man einen jungen Anzhi-Spieler seufzen: "Wir wollten ihnen zeigen, dass wir kämpfen können." Ein älterer Mitspieler antwortete trocken: "Ja, das haben wir - leider nur um den Ball."

Sparta Moskau hingegen feierte ausgelassen, aber ohne Überheblichkeit. Fournier, der Torschütze zum 0:2, sagte noch mit einem Augenzwinkern: "Wir hätten vielleicht noch ein fünftes machen können, aber das wäre unhöflich gewesen."

Ein Spiel, das in der Tabelle drei Punkte bringt, im Gedächtnis aber vor allem als lehrreiches Beispiel bleibt: Wer den Gegner nur anschaut, statt ihn anzugreifen, sieht am Ende meist dessen Rücken.

Und so verließen die 12.500 Zuschauer das Stadion - manche kopfschüttelnd, manche lachend, alle wissend, dass man an diesem Abend Zeuge einer Lektion in Sachen Effizienz geworden war. Sparta Moskau spielte wie ein Uhrwerk, Anzhi Makhachkala wie ein Schüler, der seine Hausaufgaben vergessen hat.

Oder, um es mit den Worten eines Fans zu sagen, der beim Rausgehen murmelte: "Naja, wenigstens war das Wetter schön."

16.12.643993 06:13
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Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller
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