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Wenn 53.201 Zuschauer an einem frostigen Januarabend ins Stadion strömen, erwarten sie normalerweise ein enges Ringen, ein bisschen Drama, vielleicht ein spätes Tor. Doch was Sparta Nijkerk am 5. Spieltag der 1. Liga Niederlande gegen SBV Rotterdam bot, war eher ein Lehrfilm über Effizienz, Spielfreude und das kleine Quäntchen Schadenfreude. Das 3:0 (2:0) war in seiner Deutlichkeit ebenso verdient wie schmerzhaft für die Gäste, die spätestens nach der Roten Karte gegen Joris Derick in der 73. Minute nur noch um Schadensbegrenzung bemüht waren. Schon nach acht Minuten begann das Unheil für Rotterdam: Der 21-jährige Egidius Van Vleck, sonst eher als quirliger Flankengeber bekannt, zog nach Vorarbeit des erfahrenen Innenverteidigers Özer Kurtulus einfach mal ab - und traf. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Van Vleck später, "aber dann hat er sich’s offenbar anders überlegt." Es war der Auftakt zu einem einseitigen Spektakel. Sparta spielte befreit auf, mit einer offensiven Ausrichtung über die Flügel, wie Trainer Markus Kuzmich es liebt. "Wir wollten Druck machen, nicht warten", erklärte Kuzmich nach dem Spiel mit einem Grinsen, das zwischen Genugtuung und Übermut pendelte. Druck machten sie - und wie. Ganze 21 Torschüsse verzeichnete Nijkerk, während Rotterdam mit drei kümmerlichen Versuchen kaum den Strafraum fand. Das zweite Tor fiel in der 21. Minute, als Innenverteidiger Owen Miller nach einem Eckball von Benjamin Stanton goldrichtig stand. 2:0 - zu diesem Zeitpunkt hatte SBV-Trainer Kersten Rittner schon mehrfach ungläubig den Kopf geschüttelt. "Wir spielten offensiv, aber offenbar nur auf dem Papier", seufzte er später. Ein Satz, der wohl Eingang in künftige Motivationsbücher finden wird - allerdings unter "abschreckende Beispiele". Die erste Halbzeit endete mit Applaus und warmem Glühwein für die Heimfans. Rotterdam hingegen verschwand in die Kabine wie eine Theatertruppe, die das falsche Stück geprobt hatte. Nach Wiederanpfiff änderte sich wenig: Sparta blieb druckvoll, Van Vleck, Sauso und Voores wirbelten, als stünde ein Pokalfinale bevor. In der 50. Minute versuchte Rittner, mit einem Dreifachwechsel das Ruder herumzureißen - Kruse, Hogmo und Derick mussten runter, neue Gesichter kamen aufs Feld. Es half nichts. Derick, der nach seiner Rückkehr in der 73. Minute die Nerven verlor, sah glatt Rot für ein rustikales Einsteigen, das selbst in den 1980ern als "ein bisschen drüber" gegolten hätte. "Ich wollte den Ball spielen", beteuerte er später. Kuzmich konterte trocken: "Ja, vielleicht den Medizinball." Spätestens jetzt war das Spiel entschieden. Nijkerk schaltete zwar einen Gang zurück, blieb aber gefährlich. In der 80. Minute durfte sich dann auch der junge Faas Bleecker feiern lassen, der kurz zuvor eingewechselt worden war. Nach feiner Vorarbeit des 21-jährigen Joseba Godo drückte der Innenverteidiger den Ball zum 3:0 über die Linie - ein Tor, das das Publikum mit stehenden Ovationen bedachte. "Ich hab’ einfach durchgezogen. Wenn du jung bist, denkst du noch nicht so viel nach", sagte Bleecker später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Ungläubigkeit lag. Rotterdam hingegen war zu diesem Zeitpunkt längst im kollektiven Überlebensmodus. Nur drei Torschüsse, 41 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das war zu wenig, um einem Gegner wie Sparta Paroli zu bieten. Besonders bitter: Gegen Ende schien SBV völlig den Glauben verloren zu haben. Der letzte zaghafte Versuch in der 93. Minute - ein Schüsschen von Logan Edgecomb - landete direkt in den Armen von Keeper Sander Vanderzee, der sich anschließend demonstrativ die Handschuhe abklopfte, als wolle er sagen: "War’s das?" Kurz vor Schluss gab’s dann doch noch eine Verwarnung - allerdings für Sparta. Danijel Turina sah Gelb, weil er einen Freistoß etwas zu engagiert verhindern wollte. "Ich wollte nur den Ball küssen", witzelte er nach Abpfiff. Kuzmich fasste es nüchtern zusammen: "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause dominieren können. Das haben die Jungs heute gemacht." Rittner hingegen murmelte nur: "Manchmal ist Fußball einfach ungerecht - aber meistens nicht in unsere Richtung." Sparta Nijkerk springt mit diesem Sieg weiter nach oben, während SBV Rotterdam sich fragen muss, wie man mit so viel "offensiver Ausrichtung" so selten den Ball sieht. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan mit Schal und Bier in der Hand: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald ein größeres Stadion." Möglich. Aber Platz für ein bisschen rotterdamer Selbstironie ist dort sicher auch noch. 06.03.643987 09:20 |
Sprücheklopfer
Dat is doch 'ne Familien-Glucke.
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