Außenseiter
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Später Ausgleich raubt Erfurt den Sieg - 1:1 gegen Uerdingen

Ein nasskalter Januarabend in Erfurt, Flutlicht, 4365 Zuschauer, die sich mit Glühwein und Schal bewaffnet ins Steigerwaldstadion wagten - und am Ende ein Spiel, das so typisch Oberliga war, dass man fast Tränen der Rührung verdrücken musste. RW Erfurt und der KFC Uerdingen trennten sich am 5. Spieltag der Oberliga H mit einem 1:1, was beiden Seiten ungefähr so viel half wie ein Regenschirm im Orkan.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Trainer Mario Pingel ließ seine Erfurter von der ersten Minute an offensiv anlaufen - so offensiv, dass der Ballbesitz von 43 Prozent fast schmeichelhaft wirkte. "Wir wollten vorne draufgehen, auch wenn’s hinten mal brennt", erklärte Pingel später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Trotz und Stolz schwankte.

Die erste Halbzeit war geprägt von viel Einsatz, wenig Präzision und einem gewissen Hang zur Theatralik. Walther Rodriguez prüfte früh den Uerdinger Keeper Jamie Whitman, doch der reagierte wie ein geölter Blitz. Auf der anderen Seite sorgte ein quirliger Philip Jürgens für Alarm, fand aber in Erfurts Torwart Jan Muster seinen Meister.

Dann, just in der 45. Minute, als sich die meisten schon auf ihren Pausenkaffee freuten, kam die Erlösung: Ein langer Ball von Innenverteidiger Christophe Marchand segelte durch die kalte Nacht, Andreas Kunze - gerade mal 19 und offenbar ohne Angst vor irgendwas - nahm ihn technisch fein an und hämmerte das Leder ins Netz. 1:0 Erfurt, Halbzeit, Jubel, Bierdusche für den Betreuer.

"Ich hab einfach draufgehalten. Wenn ich nachdenke, geht’s meistens schief", gab Kunze später schmunzelnd zu. Ganz Erfurt lag ihm kurzzeitig zu Füßen, und selbst der Stadionsprecher klang, als würde er Weihnachten und Geburtstag zugleich feiern.

Nach der Pause übernahm allerdings Uerdingen das Kommando. Die Gäste hatten mehr Ballbesitz (knapp 57 Prozent), mehr Torschüsse (11 zu 7) und - man glaubt es kaum - mehr Geduld. Trainer Christian Krämer (der diesmal erstaunlich ruhig blieb) schickte seine Flügelspieler immer wieder ins Duell mit Erfurts Abwehr. Besonders Berndt Wild auf der rechten Seite machte seinem Namen alle Ehre. Drei Chancen binnen weniger Minuten, einmal Latte, einmal Pfosten, einmal Muster.

In der 73. Minute war es dann soweit: Walter Hildebrandt flankte butterweich von links, Wild stieg am höchsten und köpfte den Ball unhaltbar ins lange Eck. 1:1 - verdient, wenn auch für die Erfurter schmerzhaft. "Ich hab einfach gehofft, dass er nicht drüber geht", sagte Wild hinterher, während seine Mitspieler ihm die Haare zerzausten.

Die Schlussphase bot dann alles, was das Oberliga-Herz begehrt: Kampf, Krämpfe, Gelbe Karten (Karl Singer erwischte es in der 82. Minute, völlig verdient, möchte man sagen) und eine Verletzung. Der junge Ronald Winter musste nach 80 Minuten raus, Jannis Adler kam, und Trainer Pingel brüllte ihm nur hinterher: "Mach’s dicht, Junge!" - was Adler offenbar wörtlich nahm, denn nach vorn ging bei Erfurt wenig.

Trotzdem hatte Edward Donovan in der Nachspielzeit noch die große Chance zum Sieg. Sein Schuss in der 92. Minute zischte nur Zentimeter am Pfosten vorbei. "Ich hab ihn perfekt getroffen - leider das falsche Zielobjekt", grinste der Mittelfeldmann hinterher selbstironisch.

Am Ende blieb es beim gerechten 1:1. Uerdingen nahm den Punkt zufrieden mit, Erfurt haderte mit dem verpassten Dreier. "So ein Spiel musst du eigentlich gewinnen, wenn du oben mitspielen willst", knurrte Pingel in der Pressekonferenz und fügte hinzu: "Aber wenigstens hat keiner gefroren - wir haben sie ja warmgehalten."

Statistisch betrachtet war’s ausgeglichen mit leichten Vorteilen für die Gäste: mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote, mehr Abschlüsse. Aber Fußball ist bekanntlich kein Zahlenspiel. Es ist ein Drama in 90 Akten, manchmal mit unfreiwilliger Komik.

Und so gingen die Zuschauer nach Hause, schimpfend, lachend, frierend - aber irgendwie zufrieden. Denn wer an einem kalten Montagabend ein 1:1 sieht, ein Torjubel erlebt und den Geruch von Bratwurst in der Nase hat, der weiß: Es gibt Schlimmeres.

Oder, wie es ein Erfurter Fan beim Hinausgehen formulierte: "War kein Sieg, aber wenigstens hat Kunze getroffen. Und der Junge hat’s verdient."

Ein Satz, der vielleicht das ganze Spiel besser zusammenfasst, als jede Statistik es könnte.

06.03.643987 15:23
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