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Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben - oder in diesem Fall der SV Linx. Denn der SV Darmstadt kam am 11. Spieltag der Regionalliga A zwar spät, aber doch noch rechtzeitig, um eine durchaus schmeichelhafte 1:1-Punkteteilung zu retten. 3906 Zuschauer im abendlich kalten Stadion an der Böllenfalltorstraße sahen ein Spiel, das in den ersten Minuten wirkte, als wären die Lilien gedanklich noch beim Aufwärmen - und Linx schon mitten im Torjubel. Gerade einmal drei Minuten waren gespielt, als Linx-Verteidiger Hermann Grimm, seines Zeichens Innenverteidiger und offenbar auch Gelegenheitsstürmer, nach einer scharfen Hereingabe von Morgan Shepherd die Kugel über die Linie drückte. "Ich war selbst überrascht, dass ich da vorne stand", grinste Grimm nach dem Spiel, "aber wenn man schon mal da ist, muss man’s auch machen." Darmstadts Torwart Inigo Ronaldo sah die Szene aus der Nähe - und vermutlich zweimal, einmal live und einmal im Albtraum nach dem Spiel. Die Gäste aus Linx nutzten ihre frühe Führung, um in den folgenden Minuten richtig aufzudrehen: Urban, Miller, Fritsch - allesamt prüften sie den Darmstädter Keeper. Vier Torschüsse in den ersten zehn Minuten, das war kein Abtasten, das war ein Angriff auf offener Bühne. Trainer Michal Dickschat brüllte von draußen: "Jungs, weiter so, die wackeln!" Und sie wackelten tatsächlich. Erst ab der 20. Minute fanden die Gastgeber so etwas wie Struktur. Louis Moritz, der erfahrene Linksaußen, versuchte es mehrfach - in der 13., 31. und 36. Minute, doch Linx-Keeper Oscar Haase hatte offenbar eine Vorahnung für alles, was halbwegs in Richtung Tor kam. "Ich hatte das Gefühl, der Ball will heute einfach nicht rein", stöhnte Moritz später. Mit 55 Prozent Ballbesitz machte Darmstadt das Spiel, aber Linx hatte die klareren Momente. Noch zur Pause herrschte im Stadion eine Mischung aus Ratlosigkeit und Kälte. Der Bratwurststand war zu diesem Zeitpunkt der aktivste Akteur auf Darmstädter Seite. Nach der Halbzeit änderte sich zunächst wenig. Linx blieb bissig, Darmstadt bemüht - zwei Zustände, die selten zu einem Spektakel führen. Doch Trainer Georg Löffler hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn wir schon keinen Spaß haben, dann sollen wenigstens die Zuschauer was sehen", schmunzelte er nach dem Spiel. Und plötzlich wurde es lebendig: In der 60. Minute donnerte Moritz den Ball knapp über die Latte, sieben Minuten später zwang Kay Geier den Linxer Torwart zu einer Glanzparade. Dann, in der 70. Minute, kam endlich der Moment, auf den die Lilienfans gewartet hatten: Hans Stefan setzte sich im Mittelfeld durch, spielte einen butterweichen Pass auf - natürlich - Louis Moritz. Und der diesmal eiskalt: flach links unten, 1:1. Das Stadion explodierte, der Stadionsprecher überschlug sich, und Moritz riss die Arme hoch, als hätte er gerade ein Finale entschieden. "Nach so vielen Versuchen war’s fast schon eine Erlösung", grinste der 33-Jährige und ließ sich von den Fans feiern. Linx reagierte wütend, brachte frische Kräfte - der 17-jährige Christian Stein kam, später auch Robert Jahn. Doch die Gäste fanden kein Mittel mehr. Zwar kamen sie noch zu mehreren Abschlüssen, unter anderem durch den jungen Henrico (69., 78.) und Fritsch (79., 85.), aber Darmstadts Defensive hielt. In der Nachspielzeit hatte Darmstadt sogar die Chance auf den Lucky Punch: Noack (92.) und Moritz (93.) prüften Haase ein letztes Mal, doch der Linxer Keeper blieb der unauffällige Held des Abends. Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: 13 Torschüsse für Darmstadt, 14 für Linx - Ballbesitz leicht bei den Hausherren. Am Ende stand ein Ergebnis, das keiner Mannschaft so richtig schmeckte. "Ein Punkt ist besser als keiner", meinte Linx-Trainer Dickschat, "aber nach der ersten Halbzeit hätten wir mehr verdient gehabt." Darmstadts Coach Löffler sah’s pragmatisch: "Das war kein Fußballfest, aber wenigstens haben wir uns nicht selbst besiegt." Und so trotteten beide Teams vom Platz - Darmstadt mit einem erleichterten Seufzer, Linx mit einem Schulterzucken. Es war eines jener Spiele, die man eher in der Rubrik "Arbeitssieg ohne Sieg" ablegt. Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "War nicht schön, aber wenigstens warm geworden sind wir beim Schimpfen." Ein Satz, der an diesem Abend wohl als treffendstes Fazit gelten darf. 14.05.643987 19:20 |
Sprücheklopfer
Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
Felix Magath