Noticiero VeneVision
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Später Treffer beschert UD Táchira den späten Triumph über Guayana

Wenn 51.756 Zuschauer im Estadio Pueblo Nuevo aufstehen, dann bebt San Cristóbal. Und am Sonntagabend taten sie das - spät, aber mit voller Inbrunst. In der 89. Minute schoss Caio Doreste UD Táchira zum 1:0 gegen CD Guayana und verwandelte eine Partie, die lange nach einer Nullnummer aussah, in ein kleines Drama mit goldgelbem Happy End.

Von Beginn an war klar: Táchira wollte das Spiel machen, Guayana wollte schauen, was passiert. Trainer Peter Silie hatte sein Team offensiv ausgerichtet, Flügelspiel, viele Hereingaben, viel Risiko. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir zu Hause nicht auf Abwarten spielen", sagte Silie nach der Partie - und grinste, als hätte er den Drehbuchschluss selbst geschrieben.

Doch zunächst lief es eher nach der zähen Sorte. Schon nach fünf Minuten prüfte Linksverteidiger Menachem Naphtali mit einem satten Schuss Guayanas Keeper Zsolt Fazekas, der allerdings souverän klärte. Danach folgte eine halbe Stunde, die eher an Schach als an Fußball erinnerte: viel Ballbesitz (am Ende 52 Prozent für Táchira), viele kurze Pässe, aber wenig Durchschlagskraft.

Guayana, von Ralf Minge gewohnt diszipliniert eingestellt, lauerte auf Konter. In der 16. Minute zwang Billy Thuringer Táchiras jungen Keeper Marcio Hernan zu einer Glanzparade. "Ich hab’ den Ball gar nicht richtig gesehen - nur gehört", lachte Hernan später. "Zum Glück war mein Ohr wach."

Bis zur Pause blieb es beim 0:0, und die Fans begannen, auf den Rängen ihre eigene Partie zu spielen: Pfeifen, Wellen, ein bisschen Galgenhumor. "Das war die lauteste Nullnummer, die ich je gehört habe", murmelte ein Kollege auf der Pressetribüne - und er hatte recht.

Nach dem Seitenwechsel nahm das Spiel Fahrt auf. Táchira schaltete noch einmal einen Gang hoch, flankte, lief, rannte - aber Guayana hielt dagegen. Pedro Pelayo scheiterte in der 57. Minute nur knapp, ehe Táchiras Youngster Bailey Hennessy auf der Gegenseite zweimal gefährlich auftauchte. "Der Junge hat Hummeln im Schuh", kommentierte Silie trocken.

Dann die entscheidenden Minuten: Guayanas Rechtsverteidiger Pietro Albanese sah in der 72. Minute Gelb, nachdem er Doreste rustikal aus dem Spiel gekegelt hatte. "Ich wollte nur den Ball treffen", rechtfertigte sich Albanese später - was ungefähr so glaubwürdig klang, wie ein Taxifahrer, der behauptet, er fahre nie zu schnell.

In der 75. Minute wechselte Silie doppelt, brachte Christiano Cuadrado und den erfahrenen Ruben Derlei, um Stabilität und Frische zu kombinieren. Minge reagierte prompt mit zwei Wechseln im Mittelfeld - aber die Dynamik war nun auf Seiten der Gastgeber.

Und dann kam die 89. Minute. Bailey Hennessy, Táchiras 19-jähriger Mittelstürmer, setzte sich auf links durch, tanzte einen Verteidiger aus - und legte quer auf Doreste. Der brauchte nur noch die Fußspitze hinzuhalten. 1:0. Stadion-Explosion. Silie rannte die Seitenlinie entlang, als hätte er gerade die Champions League gewonnen.

"Ich hab’ nur gedacht: Bitte, bitte geh rein", erzählte Doreste später. "Und als er drin war, hab ich alles vergessen - sogar, wo das Tor stand."

Guayana versuchte noch einmal alles, schaffte aber kaum noch, den Ball gefährlich vor das Tor zu bringen. Nach drei Minuten Nachspielzeit pfiff der Schiedsrichter ab, und die Gelb-Schwarzen lagen sich in den Armen.

Die Statistik untermalt das Ergebnis: 13 Torschüsse zu 7, leichtes Ballbesitzplus, bessere Zweikampfquote (53,8 Prozent). Kein Feuerwerk - aber ein solides, spätes Statement. "Wir haben gezeigt, dass wir Geduld haben", sagte Trainer Silie zufrieden. Minge hingegen haderte: "Wenn du 88 Minuten alles im Griff hast und dann so einen kassierst, willst du einfach nur eine kalte Dusche."

Die Fans bekamen jedenfalls, was sie wollten: ein Happy End mit Adrenalin. Und wenn man ehrlich ist - genau dafür kommt man ins Stadion. Nicht, um 90 Minuten taktisches Schach zu sehen, sondern um in Minute 89 das Herz zu verlieren.

Vielleicht war das 1:0 also gar kein Zufall. Vielleicht war es einfach das, was Fußball so herrlich unberechenbar macht: ein Moment, ein Pass, ein Fuß - und 51.756 Menschen, die plötzlich wieder glauben, dass alles möglich ist.

Und irgendwo auf der Bank grinste Peter Silie. "Na bitte", sagte er. "Wer braucht schon frühere Tore?"

06.03.643987 11:55
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Wenn der Ball am Torwart vorbeigeht, ist es meist ein Tor.
Mario Basler
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