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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum Fußball manchmal so grausam sein kann. 1708 Zuschauer im Holtenauer Stadion sahen am Freitagabend 90 Minuten lang ein Spiel, das TuS Holtenau weitgehend kontrollierte - und doch ging der Gast aus Northeim mit einem späten 1:0-Sieg vom Platz. Der Torschütze: Florian Schulze, 27, Mittelfeldmotor und unermüdlicher Antreiber. Der Zeitpunkt: die 90. Minute. Der Effekt: ein kollektives Seufzen im Norden Kiels, das man wohl bis zur Förde hörte. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Holtenau, taktisch gewohnt ausgewogen unter Trainerlegende (nennen wir ihn Trainer Müller, der Mann schweigt lieber über sein Vornamen-Schicksal), ließ den Ball laufen, kontrollierte das Mittelfeld und hatte über 55 Prozent Ballbesitz. "Wir wollten geduldig bleiben", sagte Kapitän Daniel Abel später. Geduldig waren sie. Vielleicht zu geduldig. Denn während Holtenau den Ball zirkulieren ließ, spielte Eintracht Northeim - in jugendlicher Frische und mit offensiver Wucht - so, als hätte jemand die Playstation auf "Dauerangriff" gestellt. Schon früh zeigte sich, dass Northeim nicht zum Spazieren an die Küste gereist war. In der 10. Minute prüfte der 17-jährige Ben Voigt den Holtenauer Keeper Roger Chevallier mit einem satten Linksschuss. Chevallier parierte, grinste und rief dem Youngster zu: "Nicht schlecht, aber noch nicht heute!" - wie sich später herausstellen sollte, irrte er sich nur um 80 Minuten. Holtenau kam durch Horst Keil (17.) und Swen Lustig (37.) zu zwei ordentlichen Chancen, doch die Eintracht hatte insgesamt mehr Zug zum Tor. 13 Torschüsse gegenüber nur drei der Gastgeber sprechen eine klare Sprache. Dennoch blieb es zur Pause beim torlosen 0:0 - weil Chevallier im Tor der Gastgeber wie ein Fels stand und Northeim zwar forsch anrannte, aber im Abschluss das jugendliche Zittern zeigte. Nach dem Seitenwechsel wurde es körperlicher. Drei Gelbe Karten sammelte Northeim, und Trainer Tim Picke kommentierte trocken: "Das war Leidenschaft, kein Foulspiel. Zumindest meistens." Der junge Abwehrchef Maximilian Krüger (18) sah in der 38. Gelb, Ben Voigt (50.) gleich hinterher. Und als Rechtsverteidiger Marcel Noack in der 63. Minute verletzt vom Platz musste, brummte Picke: "Das kommt davon, wenn man in Holtenau auf Beton spielt." Taktisch blieb Northeim offensiv, während Holtenau zunehmend auf Sicherheit bedacht war - ein bisschen zu sehr, denn mit zunehmender Spielzeit zog sich die TuS zurück. "Wir wollten den Punkt sichern", gestand Abel. Doch Fußball bestraft Mutlosigkeit mit einer Präzision, die selbst ein Uhrmacher bewundern würde. In der Schlussphase überschlugen sich die Ereignisse. Helmut Wurst (ja, der heißt wirklich so) hatte in der 82. und 88. Minute zwei Großchancen, ehe Louis Wilhelm (35, die graue Eminenz des Northeimer Angriffs) in der 85. fast den Deckel draufmachte. Dann kam die 90. Minute - und mit ihr der Moment, der das Spiel entschied. Florian Schulze, bis dahin auffällig durch seine unermüdliche Laufarbeit, stand nach einer unübersichtlichen Strafraumszene plötzlich goldrichtig. Der Ball prallte von einem Abwehrbein ab, Schulze nahm Maß - und traf flach ins linke Eck. 0:1. Jubel, Fäuste, Chaos. Der Rest war Schweigen. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Schulze später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und Übermut pendelte. "Und dann lag ich plötzlich unter fünf Mitspielern. Schade, dass es kein Hallenspiel war, sonst hätte ich wenigstens nicht so viel Gras im Mund." Für Holtenau fühlte sich das Ganze an wie ein schlechter Witz. "Wenn du 90 Minuten alles im Griff hast und dann so einen fängst, willst du dich am liebsten vergraben", murmelte Torwart Chevallier. Trainer Müller versuchte es mit Galgenhumor: "Wir waren uns einig, dass wir heute nicht verlieren - schade, dass Florian nicht gefragt wurde." Statistisch betrachtet war Holtenau besser, aber Northeim effektiver. Mehr Ballbesitz, mehr Pässe, mehr Kontrolle - und trotzdem null Punkte. Das nennt man wohl Lehrgeld. Eintracht-Coach Picke nahm den Sieg gelassen: "Wir haben viele junge Spieler, die noch gar nicht wissen, dass man auswärts eigentlich Angst haben sollte. Zum Glück." Als die Flutlichtmasten erloschen, blieb das Gefühl, ein Spiel gesehen zu haben, das alles andere als gerecht, aber umso spannender war. Holtenau trauert einem Punkt nach, Northeim feiert drei - und Florian Schulze wird diesen Freitagabend wohl nicht so schnell vergessen. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein alter Fan beim Hinausgehen: "Das war kein schönes Spiel - aber wenigstens war’s endlich mal ein richtiges." 07.11.643990 21:55 |
Sprücheklopfer
Ich hab die Liebkosungen gar nicht mitbekommen.
Oliver Kahn nach seiner kurzzeitigen Bewusstlosigkeit über die medizinische Erstversorgung per Mund-zu-Mund-Beatmung durch Samuel Kuffour