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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott gerade auf der Couch eingeschlafen ist. 27.000 Zuschauer im Hallwanger Stadion froren sich durch 80 Minuten zähen Zweitliga-Fußball, ehe Filippo Platania in der 81. Minute den Wecker läutete - und den FC Höchst zum 1:0-Auswärtssieg schoss. Dabei hatte alles so begonnen, wie es in der 2. Liga Österreich eben manchmal beginnt: lautstark, kämpferisch und mit viel gutem Willen, aber wenig Zielwasser. Schon nach einer Minute prüfte Höchsts junger Rechtsverteidiger Jakob Feldmann mit einem beherzten Distanzschuss den Hallwanger Keeper Sebastien Schulte - der aber genauso sicher parierte, wie er später Interviews vermeiden würde. "Ich hab’ ihn gesehen, aber auch gleich wieder vergessen", grinste Schulte nach dem Spiel. Höchst übernahm früh die Kontrolle, 52 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse - und das, obwohl Trainer Ronnie Ekström seine Mannschaft in der Halbzeit gar nicht umstellte. "Warum auch? Wir waren dran. Ich hab ihnen nur gesagt, sie sollen das Tor vielleicht mal treffen", erklärte er mit einem Augenzwinkern. Hallwang dagegen kämpfte mit der eigenen Nervosität. Heimtrainer Mario Kasztner gestikulierte wild an der Seitenlinie, versuchte, sein Team nach vorne zu treiben. Günter Schulz hatte in der 27. und 28. Minute zwei gute Chancen, beide Male rauschte der Ball knapp am Pfosten vorbei. "Ich dachte echt, beim zweiten Mal war er drin", fluchte Schulz in der Mixed Zone. "Aber anscheinend hatte der Ball andere Pläne." Bis zur Pause blieb es beim 0:0, doch schon da zeichnete sich ab, dass Höchst das aktivere Team war. Robert Bossong und Hanns Schreiber wirbelten auf den Flügeln, während Platania im Zentrum die Fäden zog - und sich schon da den entscheidenden Moment aufhob. Nach Wiederanpfiff blieb das Bild gleich: Höchst drückte, Hallwang verteidigte. Nur gelegentlich wagten sich die Gastgeber in die gegnerische Hälfte, meist über Dieter Arndt oder den jungen Jan Berre, der in der 82. Minute nach einem Zusammenprall verletzt raus musste. Für ihn kam Paulo Bermudez, der sich sofort lautstark einmischte - verbal wie spielerisch. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn schon verlieren, dann wenigstens mit Würde", erzählte er später mit einem Lächeln. Doch der Fußballgott - inzwischen offenbar wieder wach - hatte andere Pläne. In der 81. Minute kombinierte sich Höchst über rechts nach vorne: Feldmann setzte sich durch, flankte flach in den Rückraum, und Platania nahm Maß. Ein Schuss, ein Strich, ein Tor. 1:0 für die Gäste, die Bank sprang auf, Ekström drehte sich angeblich zur Ersatzbank und rief: "Na endlich!" Hallwang warf danach alles nach vorne, doch außer einem verzweifelten Fernschuss von Innenverteidiger Kai Kühne in der Nachspielzeit sprang nichts mehr heraus. "Das war dann wohl unser Schuss ins Glück - nur leider ins falsche Glück", kommentierte Trainer Kasztner bitter. Statistisch war Höchst klar überlegen: 18:9 Torschüsse, leicht mehr Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die den Unterschied machte. Hallwang blieb bemüht, aber harmlos. Zwei Gelbe Karten - eine für den jungen Berndt Max und eine für Routinier Philippe Kirsch - zeigten, dass zumindest der Einsatz stimmte. Auf der anderen Seite sah auch Höchsts Nachwuchs links hinten Gelb: der 17-jährige Sergio Caneira, der bei seinem Foul in der 92. Minute wohl den sichersten Weg wählte, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen. "Ich hab den Ball getroffen - glaube ich zumindest", meinte er mit jugendlicher Unschuld. Nach Abpfiff durften die rund 200 mitgereisten Höchst-Fans jubeln, während Hallwangs Spieler mit gesenkten Köpfen Richtung Kabine schlichen. Filippo Platania, Held des Abends, sagte trocken: "Ich hab’s einfach probiert. Wenn du’s nicht probierst, triffst du auch nicht. So einfach ist Fußball manchmal - leider nicht für alle." Ronnie Ekström fasste den Auswärtssieg mit nordischer Gelassenheit zusammen: "Wir haben ein Tor gemacht. Das reicht meistens. Und wenn nicht, dann müssen wir halt zwei machen." Hallwang hingegen wird sich fragen müssen, warum aus viel Ballbesitz und einigen guten Ansätzen so wenig Ertrag blieb. Mario Kasztner suchte nach Worten, fand aber nur ein Schulterzucken: "Das war kein schlechtes Spiel, aber leider auch kein gutes. Vielleicht eins von diesen Spielen, die man nur vergisst, wenn man Glück hat." Ein Abend also, der in Erinnerung bleibt - zumindest für Höchst. Für Hallwang dagegen war es ein lehrreicher, frostiger, frustrierender 23. Spieltag. Und irgendwo auf der Tribüne summte jemand: "Ein Tor hätte doch gereicht." Aber das blieb, wie so vieles an diesem Abend, nur ein schöner Gedanke. 12.10.643987 08:05 |
Sprücheklopfer
Wenn er das Tor getroffen hätte, wäre der Ball drin gewesen, aber er hat vorbei geschossen.
Otto Rehhagel