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Wenn der Fußballgott Humor hat, dann zeigte er ihn am Donnerstagabend im Kirchheimer Sportpark. 2.215 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles bot - frühe Schockstarre, zähe Aufbauarbeit und einen späten, befreienden Jubel, der beinahe die Bierstände leer fegte. Am Ende stand ein 1:1 zwischen dem VfR Kirchheim und dem TuS Neetze, ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie gerecht und gleichzeitig unbefriedigend erschien. Kaum hatten sich die Fans ihre Bratwurst geholt, da zappelte der Ball schon im Kirchheimer Netz. In der vierten Minute nutzte der 51-jährige (!) Swen Mayer - ja, tatsächlich 51, kein Tippfehler - einen Pass von Maurice Arndt und schob eiskalt zur Führung für Neetze ein. "Ich fühlte mich kurz wieder wie mit 25", lachte Mayer nach dem Spiel, "nur dass die Regeneration jetzt vermutlich bis Dienstag dauert." Kirchheim schüttelte sich, suchte die Ordnung, doch der frühe Rückstand saß tief. Zwar kamen Marcel Stern und Kurt Mertens zu guten Chancen, aber der Ball wollte einfach nicht über die Linie. Neetze verteidigte mit Erfahrung und Pragmatismus, wie es Mannschaften tun, die wissen, dass Schönheit keine Punkte bringt. In den Kabinengängen war dann auch schon zu hören, was Trainer Schuster (der VfR-Coach, bekannt für seine ruhige Art - meistens) in der Pause sagte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Würde. Aber eigentlich lieber gar nicht." Seine Spieler nahmen sich das offenbar zu Herzen. Nach dem Seitenwechsel übernahm Kirchheim zunehmend das Kommando. 51,8 Prozent Ballbesitz - in dieser Liga schon fast ein Monopol -, zwölf Torschüsse und eine gehörige Portion Wut im Bauch. Besonders Rechtsaußen Marcel Stern rannte, als müsse er persönlich das Universum wieder ins Gleichgewicht bringen. Zwei-, dreimal fehlte nur der berühmte halbe Schuh. Doch die Minuten verstrichen, und TuS Neetze blieb gefährlich. Tim Preuss prüfte den Kirchheimer Keeper Jannis Mayer mehrfach - dessen Reflexe waren so gut, dass der Stadionsprecher scherzhaft fragte, ob man ihn nach dem Spiel auf Doping testen müsse. Gelbe Karten flogen im zweiten Durchgang wie Konfetti: Ralph Esser auf Kirchheimer Seite sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen (Minute 54), danach wurden Neetzes Robert Feldmann, Manfred Pohl und Hermann Dietrich ebenfalls verwarnt. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich Feldmann später mit einem Grinsen. "Er war halt zufällig nicht da." Dann kam die 83. Minute. Der Moment, in dem Fußballer plötzlich Gedichte schreiben könnten. Nach einer Ecke von Johann Stahl landete der Ball über Umwege bei Robert Dietrich, der aus spitzem Winkel abzog - und traf. 1:1. Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Dietrich, "und gehofft, dass keiner im Weg steht. Hat geklappt." Die letzten Minuten waren ein wildes Hin und Her, wie ein Tennismatch ohne Netz. Beide Teams wollten mehr, beide konnten nicht mehr. Kirchheim drückte, Neetze konterte - und am Ende war der Punkt wohl das, was man in der Fußballsprache ein "gerechtes Unentschieden" nennt, auch wenn keiner so richtig zufrieden war. Statistisch gesehen war alles eng: 12:10 Torschüsse, 51 zu 48 Prozent Ballbesitz, Tacklingquote praktisch gleich. Kein Team war klar überlegen, aber beide hatten ihre Momente. "Wenn wir unsere Chancen nutzen, nehmen wir das Ding mit nach Hause", knurrte Neetze-Trainer Möller. Kirchheims Schuster konterte trocken: "Wenn wir unsere Chancen nutzen, reden wir hier über ein 3:1. Aber Fußball bleibt eben Fußball." Auf den Rängen herrschte nach Abpfiff Volksfeststimmung. Kinder sammelten Autogramme, ältere Fans diskutierten hitzig über taktische Feinheiten ("Die standen doch gar nicht so tief!"), und ein Ordner meinte, es sei "das fairste 1:1 der Saison" gewesen. Vielleicht war es das. Ein Abend, an dem der Fußball wieder zeigte, dass er keine perfekte Mathematik ist. Ein Tor zu früh, eins zu spät - und am Ende ein Ergebnis, das keiner wollte, aber jeder akzeptierte. Oder, wie es Swen Mayer, der Held der ersten Minuten, mit müden Augen formulierte: "Ein Punkt ist besser als gar keiner. Und mit 51 noch zu treffen, das nimmt mir keiner mehr." Kirchheim atmet auf, Neetze nickt zufrieden - und alle wissen: So ein 1:1 kann manchmal lauter klingen als ein 5:0. 20.02.644000 00:05 |
Sprücheklopfer
Wir müssen einen Torwart verpflichten, weil mit dem jetzigen nichts zu gewinnen ist.
Oliver Kahn zur Frage, auf welcher Position man sich in der kommenden Saison verstärken müsse