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Ein kühler Januarabend in Patras, 8.839 Zuschauer im Stadion, Flutlicht, Spannung und am Ende ein einziger Moment jugendlicher Unbekümmertheit: Pyrsos gewinnt bei Panachaiki mit 1:0 - und das dank eines 17-jährigen Jungen, der offenbar noch nie etwas von Nervenflattern gehört hat. 88. Minute. Während sich die Fans schon auf ein schiedlich-friedliches 0:0 eingestellt hatten, eroberte der eingewechselte Aristidis Kalitzakis auf der linken Seite den Ball, sprintete bis zur Grundlinie und legte flach zurück. Dort stand Damianos Nafpliotis, 17 Jahre jung, kaum älter als der Balljunge an der Seitenlinie - und drosch das Leder kompromisslos ins lange Eck. Der Jubel der mitgereisten Pyrsos-Fans war ohrenbetäubend, der Rest des Stadions verstummte. "Ich hab einfach geschossen, nicht gedacht", grinste der Matchwinner nach der Partie schüchtern. Dabei hatte Panachaiki über weite Strecken das Spiel kontrolliert. 51 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse - exakt so viele wie der Gegner, aber eben ohne Happy End. Schon in der fünften Minute prüfte Aigefs Apostolakis den Pyrsos-Keeper Leandros Kamaras mit einem Schuss aus spitzem Winkel. Kurz darauf durfte der 19-jährige Dionysios Papadopoulos gleich mehrfach seine Schusslaune demonstrieren (10., 21., 25. Minute), doch der Ball wollte einfach nicht rein. "Wir hätten noch eine Stunde spielen können, und das Tor wäre uns wahrscheinlich davongelaufen", seufzte Panachaikis Trainer nach dem Abpfiff - mit einem sarkastischen Lächeln, das irgendwo zwischen Galgenhumor und Verzweiflung pendelte. Pyrsos dagegen spielte von Anfang an nüchtern, fast stoisch. Ihre Taktik? "Balanciert", würde der Statistikbogen sagen - und ja, das traf es ganz gut. Keine wilden Vorstöße, kein übermäßiges Pressing, einfach solide griechische Zweitliga-Zuverlässigkeit. Ihr Mittelfeldmotor Aigefs Kalogeropoulos war bis zu seiner Verletzung in der 78. Minute Dreh- und Angelpunkt. Nach einem Zweikampf blieb er liegen, fasste sich ans Knie und musste raus. Für ihn kam jener Kalitzakis, der später die entscheidende Vorlage gab. Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst ein Drehbuchautor für zu kitschig hielte. Zuvor hatte sich das Spiel in einer Reihe vergebener Chancen verloren. Pyrsos’ Dimosthenis Diakos versuchte es in der 31. Minute mit einem beherzten Versuch aus 20 Metern - Gelb gab’s für ihn später auch noch, allerdings wegen Meckerns (57.). Panachaikis Adam Primes zog sich in der 75. Minute ebenfalls den Unmut des Schiedsrichters zu, nachdem er einen Gegenspieler etwas zu temperamentvoll vom Ball trennen wollte. Das Publikum, ohnehin nicht gerade für Geduld berühmt, reagierte zunehmend nervös. "Bewegt euch!", hallte es von den Rängen, als Panachaiki wieder einmal quer statt nach vorn spielte. Ironischerweise war es genau diese Ungeduld, die Pyrsos in der Schlussphase Räume öffnete. "Wir wussten, dass sie irgendwann aufmachen müssen", erklärte Pyrsos-Trainer nach dem Spiel mit einem fast schuldbewussten Schulterzucken. "Dann kam der Junge - und machte einfach alles richtig." Statistisch war die Partie fast ein Spiegelbild: 9:9 Torschüsse, 51 zu 49 Prozent Ballbesitz, eine Tacklingquote knapp unter 50 Prozent beiderseits. Doch während Panachaiki den Ball wie eine heiße Kartoffel durchs Mittelfeld schob, packte Pyrsos in der entscheidenden Szene einfach zu. Fußball, dieser grausame, wunderschöne Sport. Nach dem Abpfiff blieb Panachaikis Kapitän Aggelos Xanthis lange auf dem Rasen sitzen, die Hände im Gesicht. "So ein Tor in der 88. Minute - das tut weh", murmelte er, als er schließlich in Richtung Kabine trottete. Im Hintergrund jubelten die Gäste, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Ein kleiner Trost für die Gastgeber: Die Leistung stimmte, die Moral ebenso. Nur das Ergebnis nicht. "Wir haben alles gegeben, nur das Tor vergessen", fasste Trainer trocken zusammen. Und Pyrsos? Die feierten ihren Teenager-Helden, der in der 88. Minute zum Symbol jugendlicher Unverschämtheit wurde. "Ich weiß gar nicht, ob ich jetzt schlafen kann", sagte Nafpliotis später, als die Kameras längst abgeschaltet waren. Schlafen? Nach so einem Abend? Wohl kaum. Fußball kann manchmal grausam gerecht sein - und manchmal einfach nur schön unfair. 06.03.643987 09:44 |
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