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Es war einer jener Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußball wirklich gerecht ist - oder einfach nur ein launischer alter Gott. 27.000 Zuschauer im Yeading Park sahen am Donnerstagabend ein Spiel, das lange nach einem torlosen Remis aussah. Doch dann, in der 87. Minute, trat ein 18-jähriger Youngster namens George Burton auf die Bühne und bescherte den Hull Tigers einen glücklichen, aber nicht unverdienten 1:0-Auswärtssieg über Yeading United. Bis zu diesem Moment war es ein Spiel der verpassten Gelegenheiten. Yeading begann furios - schon in der zweiten Minute prüfte William Edgecomb den gegnerischen Keeper Joel Eliot, der allerdings so cool blieb, als hätte er ein Eisbad im Tor stehen. Kurz darauf versuchte es Santiago Tonel mit einem satten Schuss, der aber eher das Fangnetz als das Tor traf. Trainer des Heimteams - dessen Name in der Statistik seltsam fehlt, aber auf der Bank lautstark präsent war - raufte sich früh die Haare: "Wir hätten sie in der ersten Viertelstunde knacken müssen. Stattdessen haben wir sie wachgeküsst." Die Tigers, anfangs defensiv sortiert, kamen ab der 20. Minute besser ins Spiel. Billy Chamberlain prüfte Yeading-Keeper Owen Grantham mit einem Distanzschuss (14.), und spätestens nach dem Seitenwechsel übernahmen die Gäste zunehmend die Initiative. Coach Mathias Oergel hatte offenbar die richtigen Worte gefunden: "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen endlich schießen, als wäre das Tor nicht radioaktiv", grinste er später. Und tatsächlich - Hull schoss. Zwölfmal insgesamt, kaum weniger als die Hausherren (11 Torschüsse). Die Partie blieb lange taktisch diszipliniert, beide Teams agierten "ausgewogen", wie die Analysten sagen würden, was auf dem Platz häufig nach "keiner traut sich so richtig" aussieht. Yeading hatte leicht mehr Ballbesitz (knapp 52 Prozent), aber Hull biss sich in die Zweikämpfe - im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man auf die Gelbe Karte von Isaac Crichton in der 70. Minute blickt. Kurz zuvor hatte Yeading-Verteidiger Friedrich Bergmann ebenfalls Gelb gesehen, nachdem er im Eifer des Gefechts eher den Knöchel als den Ball traf. "Ich hab’ nur den Wind gespürt", sagte er später und grinste schief. Dann kam die 87. Minute. Billy Chamberlain, der rechte Flügel mit der Präzision eines Uhrmachers, zog nach innen und legte klug quer auf den eingewechselten George Burton. Der Youngster nahm Maß - linker Fuß, flach, präzise. 0:1. Der Jubel der mitgereisten Hull-Fans klang, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht. Burton selbst wirkte fassungslos: "Ich dachte, der Ball geht drüber. Als er drin war, wusste ich kurz nicht, wohin mit meinen Armen." Yeading versuchte in der Nachspielzeit noch einmal alles. Marcel Falub prüfte in der 91. Minute den Hull-Keeper, doch auch dieser letzte Versuch verpuffte wirkungslos. Nach dem Schlusspfiff sanken einige Yeading-Spieler zu Boden - weniger aus Erschöpfung, mehr aus Frust. "Wir waren die bessere Mannschaft, bis wir das einzige Tor kassiert haben", knurrte ein Yeading-Spieler im Vorbeigehen - eine Aussage, die man so oder ähnlich jede Woche irgendwo hört, die aber selten richtiger klang. Denn Yeading hatte tatsächlich mehr aus dem Spiel, mehr vom Ball, mehr Ideen - nur eben kein Tor. Hull-Coach Oergel hingegen wurde von seinen Spielern fast erdrückt, als sie ihn nach dem Abpfiff umarmten. "Sie lernen, dass Geduld Teil des Spiels ist", meinte er mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Erleichterung pendelte. Für Yeading bleibt die bittere Erkenntnis: Wer seine Chancen nicht nutzt, wird irgendwann bestraft. Und manchmal eben von einem 18-Jährigen, der gerade erst sein zweites Profispiel gemacht hat. Im Statistikbuch liest sich das nüchtern: 0:1 (0:0). Doch wer dabei war, weiß - dieses Spiel war alles andere als nüchtern. Es war ein Beweis dafür, dass Fußball manchmal erst in den letzten drei Minuten entscheidet, wer träumt und wer flucht. Und während die Flutlichter erloschen, hörte man irgendwo auf der Tribüne einen alten Fan murmeln: "Das war’s wohl… aber wenigstens hat’s gebrannt." Ein Satz, der den Abend besser beschreibt als jede Analyse. 02.04.643997 21:17 |
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Die biologische Uhr tickt und geht auch an mir nicht vorbei.
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