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Es war ein kalter Januarabend in Newbridge, aber die 20.000 Zuschauer im Knights Stadium wurden wenigstens mit etwas Drama belohnt - wenn auch erst spät. Die Dublin Rovers gewannen beim sechsten Spieltag der 1. Liga Irland mit 1:0 gegen die Newbridge Knights. Ein Teenager, ein linkes Bein und ein Moment, der wohl noch lange im Gedächtnis bleiben wird, entschieden die Partie: Der 17-jährige Vlasta Necas schoss die Rovers in der 85. Minute zum Sieg. Bis dahin war es ein Spiel, das eher an einen Geduldstest erinnerte als an ein Feuerwerk. Die Knights versuchten, mit ausgewogener Taktik und viel Einsatz im Mittelfeld dagegenzuhalten, doch die Rovers machten das Spiel - und feuerten aus allen Rohren. Ganze 20 Torschüsse verzeichneten die Gäste, während die Knights mit drei zaghaften Versuchen auf das Tor des 17-jährigen Rovers-Keepers Roman Bürki kaum Gefahr ausstrahlten. Schon in der elften Minute prüfte Daniel Kinsella den Heimkeeper Louis Rushton - ein satter Schuss, den dieser spektakulär über die Latte lenkte. Rushton war an diesem Abend der meistbeschäftigte Mann auf dem Platz, und vielleicht auch der beliebteste: Ohne ihn wäre das Ergebnis deutlich gewesen. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", grinste der Torwart nach Abpfiff, "aber ich glaube, mein linker Handschuh wird heute nicht mehr trocken." Die Rovers mussten früh umstellen: Fernando Bujia verletzte sich in der 16. Minute, und Trainer Paul Abramowich brachte den jungen Matthew Connolly. Der fügte sich sofort ein und sorgte mit Übersicht und Tempo für frischen Schwung. Die Knights schienen beeindruckt - oder schlicht überfordert. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber der Ball wollte einfach nicht rein", seufzte Abramowich später. Tatsächlich: Thomas McGee, Pedro Makukula und Kinsella reihten sich ein in die Galerie der vergebenen Chancen. Mal rettete Rushton, mal stand ein Verteidiger im Weg, mal verfehlte der Ball das Ziel nur knapp. Newbridge-Coach - der namentlich nicht überliefert, aber emotional bestens präsent war - gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Bleibt kompakt!", rief er, als wäre das Geheimnis des Erfolgs in der Lautstärke verborgen. Und tatsächlich: Bis zur 85. Minute hielt seine Defensive stand. Dann aber passierte das, was in solchen Spielen fast immer passiert: Der Joker stach. Der 17-jährige Vlasta Necas, erst acht Minuten zuvor eingewechselt, traf nach Vorarbeit des ebenfalls jungen Michael Giles. Giles, gerade einmal 19, hatte sich links durchgetankt, flankte flach in die Mitte - und Necas brauchte nur den Fuß hinzuhalten. 1:0 für Dublin, und plötzlich war das ganze Geduldsspiel vergessen. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Necas später schüchtern, während er sich das Mikrofon aus dem Gesicht schob. "Michael hat das super gemacht. Ich wollte nur nichts kaputtmachen." Seine Teamkollegen feierten ihn, als hätte er das Pokalfinale entschieden. Die Knights versuchten, in den letzten Minuten noch einmal Druck zu machen. Oliver McGee versuchte es in der Nachspielzeit mit einem beherzten Schuss aus 20 Metern, doch Bürki faustete den Ball weg - der Teenager im Tor hatte seinen großen Moment. Es blieb beim 0:1, und so konnte Abramowich zufrieden bilanzieren: "Wir haben heute gezeigt, dass Geduld manchmal belohnt wird - auch wenn ich mir in der 80. Minute schon überlegt habe, den Ball selbst reinzuschießen." Statistisch war die Sache ohnehin klar: 52 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüsse und eine Zweikampfquote von über 58 Prozent - die Rovers ließen nichts anbrennen. Die Knights dagegen wirkten bemüht, aber harmlos. Ihre wenigen Vorstöße verpufften meist an der Strafraumkante, und die Gelben Karten für Luke O’Brien (67.) und Oliver McGee (86.) passten irgendwie ins Bild: zu spät, zu ungestüm, zu wenig Ertrag. Als die Fans nach Abpfiff in die kalte Nacht strömten, war die Stimmung geteilt. Die Gäste jubelten, die Heimfans trösteten sich mit Punsch und Galgenhumor. "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens gegen Kinder mit Zukunft", murmelte ein älterer Zuschauer auf der Tribüne und erntete zustimmendes Lachen. Und vielleicht hatte er recht: An diesem Abend war die Jugend der Dublin Rovers der entscheidende Unterschied. Necas, Giles, Bürki - drei Teenager, drei Namen, die man sich merken sollte. Am Ende stand ein knapper, aber verdienter Sieg für die Rovers, die mit diesem Erfolg weiter oben mitspielen. Die Knights hingegen werden sich fragen, wie man 90 Minuten lang so diszipliniert verteidigen kann, um dann doch in einem Moment der Nachlässigkeit alles zu verlieren. Aber das ist Fußball - manchmal grausam, manchmal schön, und meistens beides gleichzeitig. Oder, wie Torhüter Rushton es trocken formulierte: "Ich hab alles gehalten - außer den, der wirklich zählte." 17.03.643987 23:08 |
Sprücheklopfer
Jeremies hat in alter Manier um sich geschlagen.
Rainer Bonhof zu den Trainingseindrücken des während der WM 98 angeschlagenen Jens Jeremies