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Es gibt Fußballabende, an denen selbst der neutralste Zuschauer das Gefühl hat, in einem Drehbuch von Quentin Tarantino gelandet zu sein - nur mit weniger Blut, aber ähnlich viel Chaos. Das 3:3 zwischen CD Cerrense und Capurro Fenix war genau so ein Abend. 32.055 Zuschauer im Estadio de Cerrense sahen ein Spiel, das alles bot: sechs Tore, eine Gelb-Rote Karte, einen verletzten Mittelfeldspieler und zwei Trainer, die abwechselnd jubelten und verzweifelten. Schon in der 22. Minute ging Capurro Fenix in Führung. Peter Bach, der gerade einmal 20 Jahre alt ist, nutzte eine feine Vorlage von Sergi de la Sota und schob eiskalt ein. "Ich hatte kurz Angst, dass der Ball zu weit springt", grinste Bach nach dem Spiel, "aber dann dachte ich: Ach, probier’s einfach." Das tat er - und wie. Cerrense-Coach Leahcim Gnipeur wirkte danach kurz, als wolle er sein Notizbuch essen. Doch seine Mannschaft reagierte prompt. In der 33. Minute traf Ryan Skene, der bullige Linksaußen, nach Vorarbeit von Linksverteidiger Hans Jakobsen. Es war ein Schuss, den man eher im Boxtraining erwartet hätte: kurz ausholen, alles reinlegen, Tor. "Ryan hat manchmal die Präzision eines Vorschlaghammers", kommentierte Gnipeur mit einem Schmunzeln. Noch vor der Pause drehte Cerrense die Partie. Nael Marques, schon da auffällig quirlig, wurde in der 44. Minute von Duarte Galindo perfekt in Szene gesetzt und netzte zum 2:1 ein. Die Tribünen bebten, und ein älterer Herr im Cerrense-Trikot rief laut: "Jetzt haben sie’s kapiert!" - nun ja, kurzzeitig. Denn Fenix kam mit Wucht aus der Kabine. Trainer Andreas Kessler hatte wohl an der Taktikschraube gedreht - oder einfach an der Lautstärke seiner Ansprache. In der 63. Minute war es dann Sergi de la Sota, der nach Flanke von Paulo Ordonez das 2:2 erzielte. "Wir wollten zeigen, dass wir Flügelspiel ernst meinen", erklärte Kessler später ironisch, "auch wenn unsere Flanken manchmal eher wie Liebesbriefe an den Torwart aussehen." Doch Cerrense hatte noch eine Antwort parat. Wieder war es Nael Marques, diesmal nach Zuspiel von Riley Anderson, der in der 72. Minute das 3:2 erzielte. Der Jubel war groß, die Euphorie grenzenlos - ganze drei Minuten lang. Denn nur zehn Minuten später fiel erneut der Ausgleich: Albert Esteve traf nach Vorlage von Joseba Capucho zum 3:3-Endstand. Das Spiel hatte zu diesem Zeitpunkt längst alle Regeln der Statik und Nervenstärke gebrochen. Cerrense spielte ab der 75. Minute in Unterzahl, nachdem Christian Petrizzi nach zwei Gelben Karten vorzeitig duschen gehen durfte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", sagte Petrizzi entschuldigend in der Kabine - ein Satz, der vermutlich in die Vereinsannalen eingeht. Auch eine Verletzung trübte den Abend: Der junge Domingo Andrade musste in der 68. Minute ausgewechselt werden, nachdem er bei einem Zweikampf unglücklich umgeknickt war. "Er ist stabil, aber wir nehmen ihn sicherheitshalber raus", erklärte Gnipeur, der in dieser Phase wohl lieber einen Arztkoffer als ein Taktikbrett gehabt hätte. Statistisch gesehen war das Remis durchaus gerecht: Cerrense mit 14 Torschüssen und 46 Prozent Ballbesitz, Fenix mit 11 Abschlüssen und 54 Prozent. Beide Teams suchten kompromisslos den Weg nach vorn, wobei Fenix etwas mehr Struktur zeigte, Cerrense dafür die Emotion. Nach dem Schlusspfiff standen beide Trainer nebeneinander an der Seitenlinie, sahen sich an und lachten. "Wenn’s ein Boxkampf wäre, hätten wir beide verloren und gewonnen", sagte Kessler. Gnipeur nickte: "Oder wir hätten beide die Punktrichter bestochen - aber keiner merkt’s." Die Zuschauer gingen jedenfalls zufrieden nach Hause. Ein Spiel, das man nicht vergisst - nicht wegen der Perfektion, sondern wegen der Unberechenbarkeit. Und während die Flutlichter langsam erloschen, hörte man irgendwo auf der Tribüne noch einen Fan murmeln: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald Herzmedikamente im Fanshop." Ein sarkastisches, wildes, ehrliches 3:3 - Fußball in seiner schönsten, chaotischsten Form. 10.04.643987 06:35 |
Sprücheklopfer
Die Russen laufen schneller rückwärts als meine Spieler vorwärts!
Berti Vogts