De Standaard
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Spektakel in Hamoir: Club Lüttich siegt 4:3 nach Tor-Feuerwerk

Ein lauer Frühlingsabend, 27.000 Zuschauer im Stadion von Hamoir - und ein Spiel, das alle physikalischen Gesetze des gepflegten Defensivspiels ignorierte. RRC Hamoir und Club Lüttich lieferten sich am 8. Spieltag der 1. Liga Belgien ein wildes 3:4 (1:2), das eher an einen offenen Schlagabtausch auf einem Jahrmarkt erinnerte als an taktisch disziplinierten Spitzenfußball.

Schon in der 9. Minute ging Hamoir in Führung: Alberto Linares, der Mann mit der eleganten Ballbehandlung und dem Temperament eines Espresso, zog aus der zweiten Reihe ab - und traf. Der Jubel hallte noch durch die Täler, als Lüttichs Agemar Brito den Heimfans die Euphorie wieder wegnahm. In der 12. Minute glich der bullige Mittelstürmer aus, und zwei Minuten später legte er gleich noch einen drauf - diesmal nach Vorarbeit des 19-jährigen Kobe Peesmeesters, der offenbar beschlossen hatte, den rechten Flügel als persönliche Rennstrecke zu nutzen.

"Ich hab kurz nicht mal gemerkt, dass wir schon vorne lagen", scherzte Lüttich-Trainer Dan Schmitz später. "Bei dem Tempo konnte man ja kaum Luft holen."

Mit 1:2 ging’s in die Pause - und in den Katakomben dürfte es bei Hamoir laut geworden sein. Jedenfalls kamen die Hausherren mit Wut im Bauch zurück. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff setzte William Vischspoel einen herrlichen Schlenzer ins Netz - 2:2! Der Ausgleich war verdient, denn Hamoir hatte nun mehr Ballbesitz (am Ende 48 Prozent) und suchte mit elf Torschüssen immer wieder das Risiko.

Doch kaum hatten sich die Fans sortiert, kam Lüttich zurück in seiner unnachahmlichen Art: der junge Sebastien Keersmaekers, gerade mal 20, stocherte in der 54. Minute den Ball über die Linie. 2:3 - und wieder lag der Gast vorn.

Nur zwei Minuten später antwortete Hamoir: Pierre Van Hoyweghen, der rechte Flügelflitzer, traf nach Vorlage von Linares zum 3:3. Ein Spiel wie Pingpong, nur dass der Ball manchmal glühte.

Aber der letzte Lacher gehörte den Gästen. In der 59. Minute zirkelte Robin Deconinck, ebenfalls 20, den Ball nach feinem Zuspiel von Peesmeesters ins Eck. 3:4 - der Treffer, der am Ende den Unterschied machte.

"Ich hab einfach draufgehalten", grinste Deconinck nach dem Spiel. "Und gehofft, dass keiner merkt, dass ich eigentlich flanken wollte."

Danach war die Luft zwar nicht raus, aber das Pulver verschossen. Beide Teams suchten weiter den Weg nach vorn, doch die Präzision ließ nach. Lüttich hatte am Ende 16 Schüsse aufs Tor, Hamoir 11 - und das sagt viel über die Richtung dieses Spiels.

Hamoirs Trainer - der namentlich nicht überliefert, aber sicher hörbar unzufrieden war - soll in der Kabine gesagt haben: "Wir haben heute nicht verloren, wir haben nur siebenmal zu oft gezwinkert." Ein Satz, der wohl in die Vereinschronik eingeht.

Auch Schiedsrichter und Publikum hatten ihren Teil am Spektakel. In der 67. Minute sah Olivier Hanssens Gelb - wegen eines rustikalen "Ich-wollte-nur-den-Ball"-Zweikampfs. Das Publikum reagierte mit einem kollektiven "Ooooh!", wie man es sonst nur bei Feuerwerken hört.

In den Schlussminuten warf Hamoir noch einmal alles nach vorne. Adrien Loens prüfte den Keeper in der 82. Minute, während auf der Gegenseite Arne De Vooght und Peesmeesters ihre Chancen liegen ließen. Selbst der eingewechselte Torwart Florent Van Achte musste am Ende noch einen Freistoß entschärfen - ein kurioser Wechsel, der Schmitz’ Hang zum Risiko illustrierte.

"Ich hab ihn gebracht, weil er besser Witze erzählt", erklärte der Lüttich-Coach nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern.

Als der Schlusspfiff ertönte, standen 27.000 Menschen auf - nicht, weil sie unzufrieden waren, sondern weil sie schlicht nicht glauben konnten, was sie da gesehen hatten. Ein 3:4, das mehr Unterhaltung bot als so mancher Kinofilm, und zwei Mannschaften, die offenbar vergessen hatten, dass man Fußball auch verteidigen kann.

Zum Schluss blieb die Erkenntnis: Wer schöne Tore liebt, kam auf seine Kosten. Wer Ordnung liebt, eher nicht. Und irgendwo, auf der Trainerbank von Hamoir, klang noch ein resigniertes Seufzen: "Manchmal gewinnt eben der, der öfter auf die Anzeigetafel schaut."

Ein verrückter Abend in Hamoir - und ein Spiel, das keiner so schnell vergessen wird.

11.06.643997 08:48
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Toni Polster
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