Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Spektakel mit sieben Toren: Chersonissos entführt den Sieg von Salamina

Ein lauer Abend in Salamina, 19.034 Zuschauer, Flutlicht, Olivengeruch in der Luft - und ein Fußballspiel, das so wenig mit Taktik zu tun hatte wie ein Tavernenabend mit Diätplänen. Aias Salamina und Chersonissos lieferten sich am 7. Spieltag der griechischen Superliga ein 3:4, das man so schnell nicht vergisst. Vier Tore in der ersten Halbzeit, drei in der zweiten - und ein Platzverweis, der das Spiel endgültig kippen ließ.

Schon nach acht Minuten bebte das Stadion. Pedro Ferreira, der rechte Mittelfeldmotor mit der Präzision eines Uhrwerks, traf nach feinem Zuspiel von Alexios Choutos zur frühen Führung für Aias. Der Jubel hallte noch durch die Ränge, da antwortete Chersonissos eiskalt. Venediktos Fotopoulos, 23 Jahre jung und mit der Unbekümmertheit eines Straßenkickers, schob in der 17. Minute nach Vorlage von Nico Hartmann zum 1:1 ein. Trainer Harry Kane, der englische Gentleman an der Seitenlinie, ballte die Faust - "Ich hab’s ihnen gesagt: Einfach rein damit, nicht drüber nachdenken", grinste er später.

Das Spiel ging Schlag auf Schlag weiter. In der 39. Minute zauberte Fabio Marchetti den Ball von rechts in den Strafraum, wo Vassilios Christopoulos zum 2:1 einschob. Doch wer dachte, das sei der Moment zur Kontrolle, irrte gewaltig. Keine 60 Sekunden später egalisierte Jake Lancaster mit links - ein trockener Abschluss nach Vorlage von Gerhard Block, 2:2. Halbzeit. Durchatmen? Fehlanzeige.

Nach dem Seitenwechsel kam Chersonissos mit noch mehr Zug. Peer Ebbesen musste im Tor verletzt raus, Ashton Heighway übernahm - vermutlich mit dem Gedanken: "Ich hoffe, vorne schießen sie mehr Tore als ich hinten reinlasse." Und tatsächlich: In der 54. Minute war es wieder Fotopoulos, der nach Vorarbeit von Niels Westphal das 2:3 erzielte. Das Spiel kippte, Aias wackelte. Nur kurz, denn Markos Kirastas, der flinke Linksfuß, traf nach einer schönen Kombination mit Archondis Halkias zum 3:3 (60.).

Es war nun ein offener Schlagabtausch, oder wie ein Zuschauer neben mir sagte: "Das ist kein Fußball, das ist Chaos mit Regeln." Drei Minuten später stellte Hugo Mattson, der 34-jährige Dauerläufer mit der Frisur eines Rockstars, den alten Abstand wieder her. 63. Minute, 3:4 - und das sollte es bleiben.

Danach wurde es ruppig. Sotirios Kalitzakis, bis dahin ein Fels in der Abwehr von Salamina, holte sich innerhalb von zwei Minuten Gelb und dann Gelb-Rot (66./67.). Ob er den Schiedsrichter verwechselt oder einfach die Geduld verloren hatte, bleibt sein Geheimnis. "Ich wollte nur zeigen, dass ich Einsatz zeige", murmelte er nach dem Spiel - der Trainer hätte darauf wohl verzichten können. Kurz darauf folgte noch eine Gelbe für Aristidis Karamanlis. Spätestens jetzt war klar: Salamina kämpfte mit offenem Visier und halber Mannschaft.

Statistisch gesehen hatte Chersonissos die Nase vorn: 51 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse (gegenüber 8 von Aias) und eine Zweikampfquote, die mit 53 Prozent deutlich machte, wer das robustere Team war. Vor allem das Offensivduo Fotopoulos/Mattson machte den Unterschied. "Wir haben einfach weiter auf Sieg gespielt", sagte Kane, "offensiv, mit Spaß - so soll Fußball sein."

Trainer von Aias Salamina, der wortkarge Mann ohne Namen (man munkelt, er wolle anonym bleiben, um nicht mit den Fans diskutieren zu müssen), stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen da. "Vier Gegentore zu Hause - das ist kein Pech, das ist Physik", knurrte er. Immerhin: Seine Mannschaft zeigte Moral, kämpfte sich zweimal zurück, bevor die Unterzahl den Rest besorgte.

Ein besonderes Bild bot sich in der 85. Minute, als Fotopoulos noch einmal frei durch war, aber den Ball über das Tor jagte. Von der Tribüne kam Applaus - sogar von den heimischen Fans, die den jungen Stürmer offenbar ins Herz geschlossen hatten. "Der spielt wie einer, der vergessen hat, dass er Profi ist - einfach drauflos", sagte ein älterer Herr mit Schal, der seit 1974 jedes Heimspiel besucht.

Als Schiedsrichter Panagiotis Theodorakis schließlich abpfiff, war das Stadion zwar enttäuscht, aber nicht verbittert. 3:4 - sieben Tore, Drama, Emotionen, Platzverweis. Fußball, wie er sein soll: unberechenbar, laut, ein bisschen verrückt.

Zum Schluss noch eine Szene aus der Mixed Zone: Hugo Mattson, noch verschwitzt und mit einem breiten Grinsen, sagte: "Ich bin 34, aber heute fühlte ich mich wie 24. Vielleicht liegt’s am griechischen Wein gestern Abend." Ob das ernst gemeint war oder nur eine Pointe - niemand wollte es so genau wissen.

Aias Salamina bleibt trotz der Niederlage ein Team mit Herz, aber Chersonissos reist mit drei Punkten und einem Lächeln nach Hause. Und irgendwo auf der Fähre zurück nach Kreta wird Harry Kane wohl gedacht haben: "Offensiv ist eben manchmal die beste Verteidigung."

Und wer dieses Spiel verpasst hat, sollte sich ärgern - oder zumindest das nächste Mal früh genug im Stadion sein. Denn wenn Chersonissos wieder so spielt, kann selbst ein 0:0 in ein Feuerwerk aus sieben Toren explodieren.

29.03.643987 13:52
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