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Wenn ein Fußballspiel einseitig war, dann dieses: Der VfB Speldorf eröffnete am Samstagabend die neue Saison der Regionalliga C mit einem 3:0-Heimsieg gegen Hessen Kassel - und das Ergebnis schmeichelt den Gästen fast noch. 4365 Zuschauer sahen eine Partie, die eher an ein Trainingsspiel erinnerte: Speldorf schoss 20 Mal aufs Tor, Kassel kein einziges Mal. Und trotzdem meinte Kassels Trainer Alex Mehl nach der Partie mit stoischer Ruhe: "Wir wollten kompakt stehen. Das haben wir immerhin geschafft - zumindest bis zum ersten Gegentor." Dieses erste Gegentor fiel in der 33. Minute, als der 20-jährige Javier Gonzalez nach einem abgewehrten Eckball aus der zweiten Reihe Maß nahm und den Ball trocken ins linke Eck setzte. Es war der Lohn für eine halbe Stunde Dauerdruck, in der Kassel sich kaum über die Mittellinie wagte. VfB-Coach Jakob Meier grinste später: "Ich hab in der Coaching-Zone fast Frostbeulen bekommen, so wenig Bewegung war da drüben." Die Speldorfer dominierten mit rund 70 Prozent Ballbesitz und spielten Fußball wie aus dem Lehrbuch - kurz, präzise, geduldig. Nur einmal wurde es hektisch: In der 15. Minute sah der junge Vincent Preher Gelb, weil er seinen Gegenspieler mit einem beherzten Trikotzupfer stoppte. "Ich wollte nur helfen", entschuldigte sich der 19-Jährige später mit einem schelmischen Lächeln. In der 55. Minute übertrieb er das Helfen dann - Gelb-Rot, Feierabend. Doch selbst in Unterzahl blieb Speldorf das klar bessere Team. Direkt nach Wiederanpfiff setzte Lasse Rose auf links zu einem Bilderbuchlauf an, flankte mit Gefühl, und der 19-jährige Veljko Ristic drückte den Ball volley über die Linie (48.). "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft", gab der Torschütze später zu. Das Publikum tobte, während Kassels Abwehrchef Arne Wirth verzweifelt die Arme hob - als wollte er fragen, ob jemand seinen Mitspielern erklären könne, dass Fußball auch mit Ball funktioniert. Von Hessen Kassel kam indes weiterhin nichts, was auch nur entfernt nach Torgefahr aussah. Der erst 19-jährige Keeper Johannes Becker verhinderte Schlimmeres und wurde trotz der drei Gegentore zum besten Mann seiner Elf. "Ich hab selten so viele Schüsse gesehen - leider alle auf mich", sagte Becker mit Galgenhumor. In der 73. Minute schließlich der Schlusspunkt: Rechtsverteidiger Nick Fink stürmte nach vorn, bekam den Ball von Erik Bergmann mustergültig in den Lauf und schlenzte ihn mit erstaunlicher Eleganz ins lange Eck. Ein Tor, das mancher Stürmer so nicht hinbekommt. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Fink später, "aber na gut, nehmen wir’s so." Die letzten Minuten waren reine Kür. Speldorf kombinierte weiter, als habe man nie von Spielverwaltung gehört, während Kassel tapfer verteidigte - oder zumindest so tat. In der 86. Minute sah Arne Wirth noch Gelb für ein etwas zu ehrliches Foul, Oscar Diaz revanchierte sich in der 90. Minute mit einer eigenen Verwarnung - vermutlich, um die Statistik auszugleichen. Am Ende stand ein 3:0, das in seiner Deutlichkeit keinen Zweifel ließ. Trainer Meier fasste es trocken zusammen: "Wir haben heute gezeigt, dass wir Fußball spielen können. Und dass man auch mit zehn Mann Spaß haben kann." Kollege Mehl nickte nur und murmelte: "Spaß hatten allerdings nur die anderen." Fazit des Abends: Speldorf souverän, Kassel ratlos. Wenn es in dieser Regionalliga so weitergeht, dürfte der VfB vorne mitspielen - und Hessen Kassel sollte dringend daran arbeiten, dass der eigene Torwart nicht zum einsamsten Mann auf dem Platz wird. Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Das war kein Spiel - das war ein Lehrfilm." Und selten hat ein Lehrfilm so viel Unterhaltung geboten. 10.06.643990 11:02 |
Sprücheklopfer
Wir haben mit einem Arbeitssieg das Spiel gewonnen.
Andreas Brehme