Anpfiff
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Speldorf zerlegt Mündersbach - ein 6:0 wie aus dem Lehrbuch

Es gibt Spiele, da fragt man sich schon in der ersten Minute, ob man eigentlich noch bleiben muss. Der Regionalliga‑C‑Abend zwischen dem VfB Speldorf und Mündersbach war so ein Fall. Kaum hatten die 4.484 Zuschauer ihre Bratwurst bezahlt, zappelte der Ball schon im Netz: Rechtsverteidiger Jegor Petrow, sonst eher Hüter der Linie als Vollstrecker, donnerte das Leder aus 20 Metern links oben in den Winkel - 1:0 nach 58 Sekunden. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Petrow später, "aber dann dachte ich: Ach, warum nicht mal draufhalten?"

Damit war der Ton gesetzt für 90 Minuten, die einseitiger kaum hätten verlaufen können. Speldorf spielte, Mündersbach schaute zu. Trainer Jakob Meier hatte seine Elf perfekt eingestellt: 61 Prozent Ballbesitz, 21 Torschüsse, null Gegentore - Zahlen, die fast schon unhöflich wirken. "Wir wollten einfach Spaß haben", sagte der überragende Asier Espriu, der gleich drei Treffer erzielte (9., 19., 86.) und trotzdem wirkte, als hätte er noch Luft für ein weiteres Spiel.

Schon nach neun Minuten war klar, dass das hier kein Abend für zarte Mündersbacher Fußballseelen werden würde. Nach feiner Vorarbeit von Lasse Rose vollendete Espriu zum 2:0. Zehn Minuten später legte er nach - diesmal nach einer butterweichen Flanke von Erik Bergmann. Mündersbachs junger Keeper Ralph Herbst, zarte 18 Jahre alt, kämpfte tapfer, aber vergeblich. In der Pause soll Otto Rehhagel, der legendäre Gasttrainer, leise in seinen Notizblock gemurmelt haben: "So jung und schon solche Probleme."

Die Speldorfer Fans feierten ihre Mannschaft, während auf der Gästebank betretenes Schweigen herrschte. "Wir wollten offensiv spielen", erklärte Rehhagel später trocken, "das hat man ja gesehen - leider nur beim Gegner." Und tatsächlich: Seine Elf kam auf null Torschüsse. Null. Nada. "Wir hatten einfach zu viel Respekt", gestand Mittelfeldroutinier Jürgen Greiner, 37 Jahre alt, "und vielleicht auch zu viel Pasta vorm Spiel."

Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da klingelte es erneut: Veljko Ristic traf in der 46. Minute zum 4:0. Der erst 20‑jährige Serbe feierte ausgelassen vor der Kurve, als hätte er gerade das Tor des Jahres erzielt - was angesichts des Spielstands zwar übertrieben wirkte, aber bei einem Heimspiel mit solcher Euphorie sei es ihm gegönnt. "Ich wollte zeigen, dass ich’s kann", sagte er später mit einem Grinsen, "auch wenn der Ball vorher leicht abgefälscht war."

Es hätte schlimmer kommen können, aber Speldorf hatte noch Lust. In der 68. Minute - die Gäste wirkten längst stehend k.o. - traf Ristic erneut, diesmal nach feinem Zuspiel von Michel Benayoun. Das 5:0 wirkte fast wie eine Trainingseinheit, und die Speldorfer Bank klatschte routiniert. "Wir haben versucht, das Tempo rauszunehmen", meinte Trainer Meier nach Spielschluss, "aber die Jungs wollten einfach weiter Tore schießen. Was soll man da machen?"

Kurz vor Schluss durfte Espriu noch einmal ran: In der 86. Minute schob er nach schöner Vorarbeit von Albert Raymer zum 6:0 ein. Die Fans sangen, die Anzeigetafel glühte, und Mündersbach sehnte den Abpfiff herbei. Wenigstens blieb es bei Gelben Karten: Mathias Stahl (58.) und Curt Grossmann (90.) auf Mündersbacher Seite, dazu Petrow (75.) und Gonzalez (87.) bei Speldorf - ein kleiner Beweis, dass selbst bei einem Schützenfest nicht alles glatt läuft.

"Wir haben heute eine Lehrstunde bekommen", fasste Rehhagel das Geschehen zusammen, "und zwar in Sachen Ballkontrolle, Tempo und Demut." Man merkte ihm an, dass er das Spiel lieber schnell vergessen wollte. Sein Team wirkte konzeptionell offensiv, aber praktisch harmlos - ein paradoxes Kunststück, das in die Lehrbücher eingehen könnte.

Das Publikum verabschiedete die Speldorfer mit Standing Ovations, während der Stadionsprecher schon vom "perfekten Start in die Saison" sprach. Nach zwei Spieltagen steht der VfB nun mit breiter Brust an der Spitze der Regionalliga C. "Wir wissen, dass das nicht jede Woche so läuft", sagte Trainer Meier bescheiden, "aber heute darf man ruhig mal genießen."

Genossen hat es ganz Speldorf. Und wer weiß - vielleicht träumt man dort nach so einem 6:0 schon heimlich vom ganz großen Fußball. Mündersbach dagegen wird sich fragen, wie man mit null Schüssen aufs Tor überhaupt offensiv genannt werden kann. Aber vielleicht war das ja auch Teil des Plans - man wollte einfach Platz für Verbesserungen lassen.

23.11.643993 05:06
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Er hatte plötzlich Sehstörungen. Vielleicht hat er deshalb das Tor getroffen.
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