La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Sporting Audaz siegt dank Krutow-Doppelpack - Estudiantes verzweifelt an sich selbst

Es war ein lauer Aprilabend in Quito, aber die 20.000 Zuschauer im Estadio Audaz bekamen ein Spiel zu sehen, das alles andere als lauwarm war. Sporting Audaz besiegte Estudiantes Quito zum Auftakt der 1. Liga Ecuador mit 2:1 (1:1) - dank eines jungen Mannes, der offenbar beschlossen hatte, den Abend zu seinem ganz persönlichen Fest zu machen: Mitrofan Krutow, 20 Jahre, Linksaußen, zwei Tore, und neuer Liebling der heimischen Kurve.

Dabei hatte das Spiel für Audaz alles andere als vielversprechend begonnen. Schon in der sechsten Minute klingelte es im Kasten von Torwart Felipe Villar. Estudiantes’ Routinier Rafael Juarez nutzte eine Unachtsamkeit der Defensive eiskalt und traf nach Vorarbeit von Meik Fink - 0:1. "Ich habe nur den Raum gesehen und gedacht: Ach, warum eigentlich nicht?", grinste Juarez später, der ansonsten noch unzählige Male in die Fänge Villars oder über das Tor schoss.

Denn Schüsse hatten die Gäste reichlich: 18 Mal feuerten sie auf das Tor, fast doppelt so oft wie die Gastgeber (8). Doch wer nur schießt, aber nicht trifft, bekommt im Fußball selten Applaus. Trainer Feli Horn von Audaz hatte es schon vor dem Spiel geahnt. "Wir lassen sie ruhig kommen. Rafael kann ja gerne warm schießen - irgendwann ist der Ball müde", sagte Horn mit einem Zwinkern.

Und er sollte recht behalten. Kurz vor der Pause, in der 43. Minute, meldete sich Krutow zum ersten Mal zu Wort - oder besser gesagt: zu Fuß. Nach einem präzisen Zuspiel des erst 18-jährigen Innenverteidigers Jose Rueda traf der junge Russe flach ins Eck - 1:1, das Stadion explodierte vor Erleichterung. "Jose hat mir den Ball so hingelegt, dass ich nur noch Danke sagen musste", meinte Krutow hinterher, als wäre ein solcher Treffer das Normalste der Welt.

Nach dem Seitenwechsel dann die Schlüsselszene: Estudiantes’ Mittelfeldlenker Roland Sebo musste verletzt raus (47.), und während die Gäste noch ihre Formation suchten, schlug Krutow erneut zu. Wieder war es Rueda, der den Angriff einleitete, wieder stand Krutow goldrichtig (48.). Zwei Ballkontakte später stand es 2:1. "Ich hab gar nicht gemerkt, dass es fast dieselbe Kombination war", lachte Rueda, "aber wenn’s läuft, dann läuft’s."

Danach begann das große Anrennen der Estudiantes, angetrieben von Verzweiflung und einem Hauch Selbstironie. Juarez prüfte Villar in der 60., 83. und 84. Minute - immer mit demselben Ergebnis: Villar hielt. Der Torwart von Audaz, 23 Jahre jung, war nach dem Spiel völlig erschöpft, aber glücklich. "Ich hatte das Gefühl, die wollten mich testen, ob ich auch wirklich wach bin. Jetzt wissen sie’s", sagte er mit einem breiten Grinsen.

Statistisch gesehen war das Spiel ein Paradox: Estudiantes hatte 50,5 Prozent Ballbesitz, gewann mehr Zweikämpfe (54,5 %) und schoss fast aus jeder Lage. Aber Audaz spielte effektiver, zielstrebiger - und mit einer gehörigen Portion jugendlichem Leichtsinn, der diesmal zum Vorteil wurde. Während Gäste-Coach (dessen Name der Verband offenbar vergessen hatte zu notieren) an der Seitenlinie verzweifelt gestikulierte, blieb Horn stoisch. Nur einmal, als Krutow in der 77. Minute fast das dritte Tor nachlegte, rief er: "Mitrofan, heb dir was für nächste Woche auf!"

In den Schlussminuten wurde es dann noch einmal wild. Marco Tonel zwang in der 90. Minute Estudiantes-Keeper Carles Pauleta zu einer Glanzparade, bevor Meik Fink in der Nachspielzeit (92.) mit einem letzten Distanzschuss scheiterte. Danach pfiff der Schiedsrichter ab, und während Krutow auf den Schultern seiner Mitspieler durch das Stadion getragen wurde, schlich Juarez vom Feld, den Kopf gesenkt, aber mit einem Lächeln: "Heute war der Ball ein bisschen unfair. Der wollte einfach nicht rein."

Trainer Horn fasste das Ganze trocken zusammen: "Wir waren nicht besser, aber klüger. Und manchmal ist das schon genug."

So startet Sporting Audaz mit einem emotionalen Heimsieg in die neue Saison, während Estudiantes Quito sich fragen muss, wie man ein Spiel mit 18 Torschüssen verlieren kann. Vielleicht, so meinte ein Fan auf der Tribüne, "sollten sie das nächste Mal einfach aufs Tor schießen, nicht drum herum".

Am Ende blieb ein Abend voller Energie, jugendlicher Übermut - und die Erkenntnis, dass Fußball eben doch kein Mathematikunterricht ist. Manchmal reichen zwei gute Momente, um 20.000 Menschen glücklich zu machen.

22.03.643997 04:10
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ich wollte in taktischer Hinsicht ins Spiel von außen her eingreifen. Aber als der Schiedsrichterassistent die Einwechslung eines meiner wichtigsten Ergänzungsspieler übersehen hatte, wurde ich langsam ungehalten.
Christoph Daum
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager