// Startseite
| Noticiero VeneVision |
| +++ Sportzeitung für Venezuela +++ |
|
|
|
Wer am 8. Spieltag der 1. Liga Venezuela im Estadio Olímpico von Caracas auf ein torloses Ballgeschiebe hoffte, wurde bitter enttäuscht. Sporting Petare besiegte Minerden Bolivar mit 2:1 - und das Ergebnis klingt knapper, als das Spiel tatsächlich war. 46.275 Zuschauer sahen eine Begegnung, in der Petare über weite Strecken so dominant auftrat, dass selbst der Ballbesitz von 49,7 Prozent wie ein Rechenfehler wirkt. Von Beginn an legten die Gastgeber los, als hätten sie den Kaffee direkt intravenös bekommen. Bolivar hatte kaum den Ball, da war er schon wieder weg. Besonders auffällig: der rechte Flügel mit Argirios Kampantais und Sergi Capucho, die ihre Gegenspieler reihenweise schwindlig spielten. Schon in der 19. Minute prüfte Capucho den Keeper Gabri Alcantara mit einem satten Schuss, der mehr nach Kanonenschlag als nach Leder klang. "Wir wussten, dass wir über die Außen kommen müssen", erklärte Trainer Marcel Skupzig nach dem Spiel mit einem Grinsen, das zwischen Stolz und Erleichterung pendelte. "Und wenn Oliver so trifft, wie heute, dann kann man auch mal ein bisschen früher durchschnaufen." Tatsächlich war es Oliver Abercrombie, der in der 35. Minute das verdiente 1:0 markierte. Nach feiner Vorarbeit von Kampantais zog der Linksfuß aus rund 18 Metern ab und ließ Alcantara keine Chance. Man hätte meinen können, er ziele auf ein Scheunentor - nur stand da eben das Bolivar-Tor. Die Gäste aus Bolivar hatten bis dahin vor allem mit der Farbe Gelb zu tun. Innerhalb von zwei Minuten sahen Urban Hanson (14.) und Javier Etxebarria (15.) den Karton. "Wir wollten nur zeigen, dass wir da sind", verteidigte Hanson seine rustikale Grätsche später halbherzig. Trainer Dominik Dietze kommentierte trocken: "Manchmal ist unser Mittelfeld zu ehrlich - heute war’s das Gegenteil." Zur Pause stand es 1:0, und die Statistik sprach Bände: 12 Torschüsse für Petare, nur einer für Bolivar. Skupzig nutzte die Halbzeit, um gleich drei frische Verteidiger zu bringen - wohl um seinen Jungs zu zeigen, dass auch hinten noch gearbeitet wird. Die Neuen, darunter der junge Joseph Ogilvie, fügten sich nahtlos ein. Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte: Petare spielte, Bolivar schaute. Charlie Smith bekam in der 58. Minute Gelb, was ihn - so schien es - nur noch motivierter machte, den Ball zu erobern. "Ich hab mich geärgert, dass ich so dämlich reingehe", gestand er später, "aber dann wollte ich’s wieder gutmachen - mit fairen Fouls, wenn Sie verstehen." Und wieder war es der Mann des Abends, Oliver Abercrombie, der in der 78. Minute das Stadion zum Beben brachte. Nach einem butterweichen Zuspiel von Jakub Vladyka, der frisch von der Bank kam, hämmerte Abercrombie den Ball rechts oben in den Winkel. 2:0 - das Spiel schien entschieden. "Ich hab den gar nicht richtig gesehen, ich hab einfach draufgehalten", gestand Abercrombie später in der Mixed Zone, während er sich grinsend den Schweiß aus den Haaren wischte. "Und dann war er halt drin. Schön, wenn’s so einfach aussieht." Bolivar, bis dahin brav, wurde nun wütend - und gefährlich. In der Schlussphase stellte sich das Team offensiver auf, erhöhte die Aggressivität, rannte, kämpfte, fluchte. Doch es dauerte bis zur 90. Minute, ehe Josip Kalinic nach Vorarbeit von Nael Meireles zum 2:1 traf. Ein Treffer, der nur noch für kosmetische Korrektur sorgte. "Wir haben zu spät angefangen, an uns zu glauben", sagte Dietze. "Aber wenigstens haben wir noch getroffen, das ist ja auch was." Skupzig konterte süffisant: "Wenn sie früher geglaubt hätten, hätten sie vielleicht auch mehr geschossen - aber wir hatten ja was dagegen." Am Ende standen 20 Torschüsse für Petare, nur 3 für Bolivar - ein klares Urteil in Zahlenform. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen, während Abercrombie, der Held des Abends, noch Autogramme schrieb. "So ein Spiel", seufzte ein älterer Fan auf der Tribüne, "macht das Leben ein bisschen besser - zumindest bis Montag." Und so verlässt Sporting Petare den achten Spieltag mit einem Sieg, einem Helden und der Gewissheit, dass Fußball manchmal doch gerecht ist. Bolivar hingegen fährt heim mit einer Statistik, die man besser nicht ausdruckt - und der Hoffnung, dass der nächste Gegner weniger Oliver Abercrombie im Kader hat. 10.04.643987 04:47 |
Sprücheklopfer
Wie war noch die zweite Frage? Das ist nicht so einfach, ich bin schließlich Fußballer.
Mehmet Scholl bei einer Pressekonferenz, nachdem ihm zwei Fragen auf einmal gestellt wurden