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Es war einer dieser Abende im Richmond Park, an denen sich 34.597 Zuschauer fragten, ob sie Zeugen eines Fußballspiels oder eines Geduldstrainings werden würden. 79 Minuten lang mühten sich St. Patricks Athletic und die Wexford Lions zu einem 0:0, das jedem Sonntagsspaziergang Konkurrenz gemacht hätte - bis Ilias Tziolis kam und das Spiel mit einem satten Schuss aus 18 Metern entschied. Endstand: 1:0 für die Hausherren. Ein knappes Ergebnis, aber ein gerechtes. "Ich habe einfach draufgehalten. Ich dachte, der Ball sei schon draußen - und plötzlich lag er im Netz", grinste Tziolis nach dem Schlusspfiff, während neben ihm Coach Thomas Rumpelt erleichtert durchatmete. "Wir hätten das schon früher klar machen müssen", knurrte er dann, "aber wenigstens wissen wir jetzt, dass Ilias auch mal schießen darf." Dabei begann die Partie aus Sicht der Gastgeber durchaus vielversprechend. Bereits in der 7. Minute prüfte Evan Cascarino den Wexford-Keeper Liam O’Shea mit einem Schuss aus spitzem Winkel. Drei Minuten später zog Leon Delap zweimal gefährlich ab, und auch Luca Rosati hatte kurz vor der Pause die Führung auf dem Fuß. Doch O’Shea, offenbar von einer Mischung aus Reflexen und purem Trotz getragen, hielt seinen Kasten sauber. Die Lions dagegen taten das, was sie offenbar am liebsten tun: den Ball behalten. Mit 55 Prozent Ballbesitz wirkten sie auf dem Papier überlegen, doch ihre zwei Torschüsse blieben so harmlos wie ein Löwe nach dem Mittagsschlaf. Joshua McGeady versuchte es früh (5.), Callum Carsley später (33.), aber beide Male war St. Patricks’ Torhüter Danko Sulejmani zur Stelle - oder der Ball landete irgendwo in der dritten Reihe. "Wir hatten das Spiel im Griff, aber das Tor wollte einfach nicht fallen", meinte Wexfords Kapitän Carsley anschließend, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Ein Journalist fragte ihn, ob zwei Torschüsse nicht etwas mager seien. Carsley grinste trocken: "Qualität statt Quantität, oder?" Nach der Pause wurde das Spiel ruppiger. Erst sah Ilias Tziolis früh Gelb (13.), dann holte sich auch Wexfords Linksverteidiger Alexander Kenny einen Eintrag ins Notizbuch des Schiedsrichters (36.). In Minute 66 folgte Javi Zubiaurre, womit wenigstens eines klar war: Die Zweikämpfe waren ehrlicher als die Chancenverwertung. Trainer Rumpelt reagierte in der 56. Minute gleich dreifach: Yeates kam für Schultz, Satchmore ersetzte Chattan, und der junge Erim Kahveci durfte anstelle von Cascarino ran. "Ich wollte frischen Wind bringen", erklärte Rumpelt später. "Zuerst gab’s nur ein laues Lüftchen, aber dann kam die Brise." Diese Brise trug den Namen Luca Rosati. In der 79. Minute setzte sich der flinke Linksaußen auf seiner Seite durch, legte clever in die Mitte - und Tziolis traf. Das Stadion explodierte. Der Grieche rannte jubelnd zur Eckfahne, Rosati fiel ihm um den Hals, und Coach Rumpelt trat fast seine Wasserflasche um. Wexford warf danach alles nach vorn, inklusive Torhüter O’Shea bei einem späten Freistoß, doch die Lions blieben zahnlos. Stattdessen hätte Leon Delap kurz vor Schluss noch erhöhen können, doch sein Schuss in der 86. Minute flog haarscharf am Pfosten vorbei. Statistisch gesehen war es ein merkwürdiges Spiel: 15 Torschüsse für St. Patricks, nur zwei für Wexford; 45 Prozent Ballbesitz für die Sieger, aber 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Fußballlogik? Fehlanzeige. Dafür pure Effizienz. "Manchmal reicht ein Moment", sagte Tziolis philosophisch, als er mit der Flasche Wasser in der Hand in die Katakomben verschwand. "Und manchmal dauert dieser Moment eben 79 Minuten." Coach Rumpelt fasste es später noch pragmatischer zusammen: "Drei Punkte, keine Verletzten, ein Tor - das ist fast schon Luxus." Für Wexford bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. Ihr Trainer, der nach Spielende wortkarg blieb, murmelte nur: "Wir hätten auch bis Mitternacht spielen können, ohne zu treffen." Ein Abend, der den Fans von St. Patricks noch lange ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte - und den Lions eine schlaflose Nacht beschert. Fußball ist eben manchmal ein Geduldsspiel. Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "79 Minuten Langeweile, dann 30 Sekunden Ekstase - dafür kommen wir doch her, oder?" Und man kann ihm schwer widersprechen. 20.04.644003 19:55 |
Sprücheklopfer
Vielleicht ist ja jemand aus der Uwe-Seeler-Traditionself dabei.
Stefan Effenberg auf die Frage nach Verstärkungen beim FC Bayern