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20.000 Zuschauer im Stadion von St. Truiden erlebten an diesem frostigen 4. Spieltag der belgischen Erstliga-Saison 2026 ein spätes, aber umso heftigeres Feuerwerk ihres Heimteams. Nach einer torlosen ersten Halbzeit fegte St. Truiden in den zweiten 45 Minuten wie ein entfesselter Karnevalszug über RCS Vise hinweg. Am Ende stand ein glattes 3:0 - und der Gegner wusste nicht recht, ob er lieber den Bus oder gleich die weiße Fahne holen sollte. Dabei hatte es lange gar nicht nach einem klaren Triumph ausgesehen. St. Truiden spielte zwar von Beginn an das gepflegtere Kurzpassspiel (fast 60 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse), doch Vise verteidigte zäh, mit gelegentlichem Stoßgebet und viel Bein. Schon in der 24. Minute gab’s dafür die erste Gelbe Karte - Samuel Debeule trat beherzt zu und sah prompt Gelb. Trainer Fonsi Glover kommentierte die Szene später mit einem gequälten Lächeln: "Wir wollten aggressiv spielen, aber nicht agrarisch." St. Truiden kombinierte sich immer wieder durch die Reihen des Gegners, doch im Abschluss fehlte zunächst die nötige Konsequenz. Reece Brodie prüfte den Keeper schon in der 10. Minute, Nevio Frechaut versuchte es gleich dreimal in Halbzeit eins - alle Versuche blieben ohne zählbaren Erfolg. Trainer Glover rieb sich währenddessen am Spielfeldrand den Bart und wechselte schon in der 5. Minute: Der 19-jährige Victor Melis musste für Robin Van Geem Platz machen. Ein früher Fingerzeig, dass bei den Gästen einiges nicht stimmte. Nach der Pause dieselbe Melodie - aber endlich mit Refrain. In der 61. Minute brach der Bann: Traianos Galakos, der schon in der ersten Minute den ersten Torschuss abgegeben hatte, versenkte den Ball nach feinem Querpass des quirligen Arto Nyman in die Maschen. 1:0, das Stadion tobte, und Vise fiel in sich zusammen wie ein zu lange aufgeblasener Luftballon. Nur sechs Minuten später wiederholte sich die Szene fast spiegelbildlich. Wieder war Nyman der Vorbereiter, diesmal vollendete Arno Hillegeer eiskalt aus halbrechter Position - 2:0 (67.). Der 23-Jährige hob danach beide Arme und grinste: "Ich hab’ den Ball gesehen und gedacht, der will einfach ins Tor. Da hab ich ihn gelassen." Vise versuchte zu reagieren, brachte mit Sean LaClaire und Ivan Medved frische Kräfte (52. und 54. Minute), aber kaum hatte man sich sortiert, lag man endgültig am Boden. In der 75. Minute setzte Hillegeer nach einem Pass von Loic Bolsius den Schlusspunkt. 3:0 - und das Publikum sang bereits Loblieder auf den Doppeltorschützen. Die Gäste dagegen wirkten zunehmend ratlos. Als Luke Warriner, einer der wenigen Offensivlichter, in der 61. Minute verletzt raus musste, sank auch der letzte Rest Hoffnung. "Wir haben es versucht, aber manchmal ist der Ball einfach ein launisches Biest", murmelte Trainer Glover in der Pressekonferenz. St. Truiden blieb auch nach dem dritten Treffer am Drücker. Galakos prüfte in der 87. Minute noch einmal den Torhüter, Frechaut traf in der 84. fast das Lattenkreuz - es war ein Abend, an dem die Hausherren hätten doppelt so hoch gewinnen können. Nur eine kleine Schrecksekunde trübte den perfekten Abend: Linksverteidiger Stijn Henderickx sah kurz vor Schluss Gelb (82.), zuckte aber nur mit den Schultern. "Ich wollte doch nur den Ball streicheln", witzelte er später. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 19:6 Schüsse aufs Tor, 59 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe. St. Truiden kontrollierte das Geschehen mit der Gelassenheit eines Teams, das seinen Plan kennt - und diesen nicht aus der Hand gibt. Selbst die taktischen Daten verraten: Kein wildes Pressing, keine Hektik, einfach kontrollierte Offensive mit ruhiger Hand. "In der Halbzeit hab ich den Jungs gesagt: Jetzt oder nie", erzählte Kapitän Galakos mit einem breiten Grinsen. "Offenbar war’s jetzt." Und so endete ein kühler Januarabend mit warmen Herzen in St. Truiden. Drei Tore, drei Vorlagen aus dem Mittelfeld, und ein Publikum, das noch Minuten nach Abpfiff jubelte. Vise dagegen trat die Heimreise an - mit drei Gegentoren, aber immerhin der Gewissheit, dass der Busfahrer der Beste des Abends war. Ein augenzwinkerndes Schlusswort gefällig? Wenn Fußball ein Fest ist, dann war St. Truiden an diesem Abend der Gastgeber, der zu viel Essen, zu laute Musik und jede Menge gute Laune mitbrachte - und RCS Vise der Gast, der höflich lächelte und frühzeitig ging. 22.02.643987 20:16 |
Sprücheklopfer
Kritik macht mich nur noch stärker. Wenn mich in Dortmund von 55 000 Zuschauer 50 000 hassen, mir am liebsten ein Bein abhacken würden, mich mit 'Arschloch' begrüßen, dann fühle ich mich wie Arnold Schwarzenegger gegen den Rest der Welt. Das ist geil für mich.
Mario Basler