L’Equipe
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Stade Bordelais tanzt, Wasquehal stolpert - ein 6:0 mit Ansage

Es war ein Abend, an dem Bordeaux nicht nur Wein, sondern auch Tore ausschenkte. Stade Bordelais zerlegte den FC Wasquehal am 4. Spieltag der französischen Ligue 1 mit 6:0 - und das so mühelos, dass die 40 000 Zuschauer im Stade Sainte-Catherine zeitweise zwischen "Olé"-Rufen und Mitleid schwankten.

Trainer Micheal Jackson (ja, wirklich so heißt er) grinste nach dem Schlusspfiff: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen einfach Spaß haben - aber vielleicht hätten sie es ein bisschen weniger wörtlich nehmen sollen." Spaß hatten sie reichlich. Vor allem Manuel Castellani, der mit zwei Treffern (25. und 76.) und einem ordentlichen Schuss italienischer Theatralik die rechte Seite in eine Showbühne verwandelte.

Der Auftakt war ein Vorspiel in Geduld. Nach ein paar wuchtigen Abschlüssen von Gudmund Nelsen (6., 20., 21.) und Castellani (13.) schien FC Wasquehal kurzzeitig den Ball zu finden - genauer: Carl Lupus fand ihn in der 12. Minute, schoss aber mehr Richtung Parkplatz als Tor. Danach übernahm Bordeaux endgültig das Kommando.

Das 1:0 fiel in der 25. Minute: Anghel Csik, der emsige Rechtsaußen, flankte präzise, Castellani hielt den Schlappen hin - Treffer. "Ich hab nur gehofft, dass er mich sieht", lachte Csik nachher. "Er sah mich, ich sah ihn, und der Ball sah das Netz."

Zwölf Minuten später schob Nelsen zum 2:0 ein, wieder nach Vorlage Csik. Der Isländer riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Nordatlantik überquert. Und kaum hatte Wasquehal den Anstoß ausgeführt, zappelte der Ball schon wieder im Netz: Michael Coppola krönte eine feine Kombination in der 40. Minute mit dem 3:0. Der Halbzeitpfiff kam für die Gäste einer Begnadigung gleich.

Trainer Dimi Nuxvomica (der Name klang schon nach bitterer Medizin) versuchte es in der Pause mit zwei Wechseln - doch Goran Nad und Lubomir Wagner konnten auch nicht verhindern, dass Stade Bordelais weiter ungebremst durchmarschierte. "Wir haben uns vorgenommen, kompakter zu stehen", erklärte Nuxvomica später. "Das hat auch fünf Minuten funktioniert."

Während Bordeaux nach der Pause den Ball mit 62 Prozent Ballbesitz wie ein teures Familienerbstück hütete, fiel Wasquehal durch konsequente Passivität auf. Zwei kümmerliche Torschüsse standen am Ende zu Buche. Torwart Louis Gagnon bekam dagegen das, was man gemeinhin als "beschäftigten Abend" bezeichnet - und das, obwohl er nichts dafür konnte.

In der 60. Minute verabschiedete sich Nelsen, Florentin Dumitru kam - und traf prompt. Sein 4:0 in der 75. Minute war so trocken wie der Wein, den die Fans danach in Strömen orderten. Eine Minute später erhöhte Castellani auf 5:0, diesmal nach Vorlage von Kurt Fritzsche. Letzterer sah sich kurz darauf Gelb, wohl aus purer Langeweile, weil er sonst nichts zu tun hatte.

Das 6:0 in der 87. Minute besorgte erneut Coppola. George Doucet steckte durch, Coppola drehte sich einmal um die eigene Achse und vollstreckte mit der lässigen Eleganz eines Mannes, der wusste: Heute geht alles rein.

Wasquehal schaffte es in den Schlussminuten immerhin, nicht völlig auseinanderzufallen - ein kleiner Sieg im großen Desaster. Rechtsverteidiger Nuno Veloso hatte schon in der 50. Minute Gelb gesehen, Gaspar Sebes von Bordeaux zog in der 90. nach. Es waren die einzigen Farbtupfer in einem Spiel, das ansonsten nur eine Farbe kannte: Bordelais-Rot.

"Wir wollten offensiv spielen, und das haben wir getan", meinte Micheal Jackson in der Pressekonferenz. "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal aber aufhören, wenn’s 4:0 steht - aus Respekt." Dimi Nuxvomica hielt dagegen: "Respekt hatten wir genug. Vielleicht zu viel."

Die Statistik sprach Bände: 20 Torschüsse zu 2, 57,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 62 Prozent Ballbesitz. Wer das liest, braucht kein Ergebnis mehr - aber das 6:0 setzte das Ausrufezeichen unter eine Partie, die eher wie ein Trainingsspiel wirkte.

Als die Fans nach Abpfiff "Smooth Win" sangen (ein augenzwinkernder Gruß an ihren Coach), tanzte Micheal Jackson tatsächlich kurz an der Seitenlinie. Und wenn man ehrlich ist: Nach so einem Auftritt durfte er das.

Fazit: Stade Bordelais spielte wie im Rausch, Wasquehal wie im Winterschlaf. Ein Abend zum Vergessen für die Gäste - und einer zum Einrahmen für ein Heimteam, das derzeit einfach auf einem anderen Planeten kickt.

23.02.643987 04:20
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