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Es war einer dieser Abende, an denen der Wind über das Stadion an der Dufte fegte, als wolle er selbst mitspielen. 4.631 Zuschauer stapften am 18. Spieltag der Regionalliga D durch Pfützen, um ihre Jungs vom SuS Stadtlohn zu sehen - und sie wurden für ihre Hartnäckigkeit belohnt. Mit 2:0 schickte die Mannschaft von Coach Klaus Krenzek Viktoria Köln nach Hause, und das auf eine Weise, die selbst den neutralen Beobachter schmunzeln ließ. Schon nach wenigen Minuten war klar: Stadtlohn hatte Lust auf Fußball, Köln eher auf Feldforschung. 56 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse - die Gastgeber zeigten von Beginn an, dass "defensiv" bei ihnen eher eine taktische Formsache als eine Lebenseinstellung ist. Luca Herzog prüfte den Kölner Keeper Daniel Link gleich dreimal in der ersten halben Stunde (7., 24., 31.), und irgendwo dazwischen fragte ein Fan auf der Tribüne: "Hat der eigentlich ein Abo auf Torchancen?" Das erste Highlight kam in der 19. Minute: Theodor Lecjaks, der 34-jährige Dauerläufer auf rechts, legte quer in den Strafraum. Fabian Meier, 25, nahm die Kugel mit der Brust, schaute, sah, dass niemand schaute - und drosch das Ding trocken in die linke Ecke. 1:0 Stadtlohn, die Menge jubelte, und Trainer Krenzek grinste hinter seiner Kapuze: "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach mal draufhalten. Dass er direkt auf mich hört, kommt selten vor." Viktoria Köln hingegen wirkte, als hätte jemand den Spielplan falsch gedruckt. Drei Torschüsse in 90 Minuten - so wenig, dass man fast Mitleid bekam. Der erfahrene Jonas Bergmann versuchte, mit rustikaler Zweikampfführung Akzente zu setzen (Gelb in der 54.), und wenig später folgte Eldar Sytschow seinem Beispiel (61.). "Wir wollten Präsenz zeigen", erklärte Kölns Kapitän nach dem Spiel, "aber anscheinend war das Regelwerk anderer Meinung." Die zweite Halbzeit begann so, wie die erste geendet hatte: Stadtlohn marschierte, Köln schaute zu. Herzog ballerte weiter (64., 75., 76.), Meier tanzte auf links, und selbst Rechtsverteidiger Nelio Miro fühlte sich plötzlich berufen, Offensivgeist zu zeigen. In der 82. Minute wurde er belohnt: Meier flankte butterweich von links, Miro nahm Maß - und zimmerte das Leder per Dropkick unter die Latte. 2:0, Stadion in Ekstase. Miro grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte wohl eigene Pläne." Kölns Trainer - der sich nach dem Spiel nur kurz äußern wollte - fasste es trocken zusammen: "Wir haben uns vorgenommen, kompakt zu stehen. Das hat zumindest in der Kabine funktioniert." Seine Mannschaft blieb auch nach dem zweiten Gegentor brav in der eigenen Hälfte. Der eingewechselte Finn Krebs kam in der 87. Minute für den verletzten Walther Mertens, aber da war die Messe längst gelesen. Statistisch betrachtet war’s eine klare Sache: Stadtlohn gewann mehr Zweikämpfe (56 zu 44 Prozent), hatte fast 57 Prozent Ballbesitz und spielte, als hätten sie sich vorgenommen, die Kölner Defensive in eine Kunstinstallation zu verwandeln. "Das war das beste Spiel seit Wochen", schwärmte Krenzek. "Die Jungs haben den Ball laufen lassen, und selbst wenn’s mal nass wurde, blieb der Kopf trocken." Im Publikum summte man nach Abpfiff zufrieden - nicht wegen des Wetters, sondern weil Stadtlohn so etwas wie Spielfreude ausstrahlte. Selbst der Ordner an Tor 3 klatschte Beifall, was selten vorkommt. Und Viktoria Köln? Die werden sich in der Rückfahrt nach Hause gefragt haben, ob sie wirklich in Stadtlohn oder versehentlich in einer Lehrstunde über Einsatzbereitschaft gelandet waren. "Wir müssen wieder mehr Mut zeigen", sagte Innenverteidiger Bergmann, "und vielleicht auch mal Richtung Tor schießen." Für Stadtlohn war’s ein Abend, an dem alles passte: ein Meier, der trifft, ein Miro, der zaubert, und ein Herzog, der unermüdlich anrannte. Und irgendwo zwischen Wind, Regen und Flutlicht schien es, als hätte dieser kleine Klub aus dem Münsterland kurz vergessen, dass er "nur" Regionalliga spielt. Krenzek zwinkerte zum Schluss in die Kameras: "Wenn wir weiter so spielen, muss ich mir bald Sorgen um meine Ruhe machen." Ein bisschen Ironie, ein bisschen Stolz - und ein verdienter Sieg. Stadtlohn feiert, Köln grübelt. Der Februarregen mag kalt gewesen sein, aber in Stadtlohn war’s am Freitagabend verdammt warm ums Herz. 24.12.643990 09:38 |
Sprücheklopfer
Es war von vornherein klar, dass Leverkusen die stärkere Mannschaft ist. Wir haben derzeit niemanden, der gegen Neuville hätte spielen können - außer mir vielleicht.
Felix Magath