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Sturm gewinnt Spektakel gegen Salzburg - Carlsen entscheidet den Krimi spät

Es war ein Fußballabend, wie ihn Graz liebt: laut, wild, nervenaufreibend - und am Ende mit einem Happy End für den SK Sturm. Vor 35.784 Zuschauern im ausverkauften Stadion besiegten die Grazer den ASK Salzburg mit 4:3 (1:1) und lieferten dabei ein Offensivspektakel, das selbst den abgebrühtesten Trainer zum Kopfschütteln brachte. "Ich habe irgendwann aufgehört mitzuschreiben, wer gerade trifft", grinste Sturm-Coach Nermin Muratovic nach dem Abpfiff. "Hauptsache, wir haben eins mehr gemacht."

Dabei hatte die Partie kaum Zeit zum Durchschnaufen. Schon in der 18. Minute eröffnete Aaron Preston den Torreigen - eiskalt, flach ins Eck, nachdem der junge Dimas Chalana zuvor zweimal am Salzburg-Keeper Burhan Karaca gescheitert war. "Beim dritten Versuch hab ich’s lieber ihm überlassen", scherzte Preston später und deutete auf seinen Kollegen. Ein typischer Stürmerwitz in einer untypisch intensiven Anfangsphase.

Salzburg, vom sonst so gelassenen Andreas Schuntner gecoacht, ließ sich nicht lange bitten. Über den agilen Dennis Merz kam der Ball kurz vor der Pause zu Robert Reid, der in der 44. Minute trocken vollendete - 1:1, und plötzlich hatte man das Gefühl, das Spiel könnte kippen. "Wir hatten da das Momentum", meinte Reid später. "Aber Momentum bringt dir nichts, wenn du’s wieder herschenkst."

Denn Sturm kam aus der Kabine, als hätte Muratovic den Jungs Espresso intravenös verabreicht. In der 61. Minute belohnte sich Bo Carlsen nach Vorarbeit von Andreas Hildebrandt mit dem 2:1. Carlsen, der zur Pause für den jungen Chalana gekommen war, war überhaupt der Mann des Abends - nicht nur wegen seiner zwei Tore, sondern wegen seiner unerschütterlichen Präsenz. "Ich war sauer, dass ich nicht von Beginn an gespielt hab", gab der Däne freimütig zu. "Also musste ich’s halt auf dem Platz zeigen."

Doch Salzburg wehrte sich. Wieder war es das Duo Merz und Reid, das in der 68. Minute zuschlug - 2:2, die Gäste lebten. Aber kaum hatte man sich im Stadion auf einen längeren Schlagabtausch eingestellt, schlug der 19-jährige Torsten Münch zu. In der 72. Minute donnerte er den Ball nach einem energischen Antritt von Rechtsverteidiger Chaim Cohen ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Münch später, als hätte er gerade einen Abstauber aus einem Meter verwandelt. Zwei Minuten später glich Salzburg erneut aus - Hugo de Freitas traf nach erneuter Merz-Flanke (74.). Es war der Moment, in dem sich selbst die Ordner gegenseitig fragten, ob sie den Überblick behalten hätten.

Muratovic winkte nur ab, als man ihn nach seiner Gefühlslage fragte. "Ich hab in der 70. Minute aufgehört, Emotionen zuzulassen - das war gesünder." Doch seine Mannschaft hatte noch einen Schuss Leidenschaft übrig. Acht Minuten vor Schluss, die Partie längst ein offener Schlagabtausch, tauchte wieder Carlsen im Strafraum auf. Nach Flanke von Tiago Adao drückte er den Ball im Fallen über die Linie - 4:3 in der 88. Minute, und diesmal blieb es dabei. Graz tobte.

Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen: 15 Torschüsse für Sturm, 11 für Salzburg, 50 zu 49 Prozent Ballbesitz. Aber wer das Spiel gesehen hat, weiß, dass Zahlen hier nur Kulisse waren für ein Drama, das sich anfühlte wie ein Drehbuch von Tarantino - nur mit mehr Schweiß und weniger Blut. Zwei Gelbe Karten für Salzburg (Carey, Densham) wirkten da fast wie Fußnoten.

"Am Ende war’s unsere Gier", meinte Muratovic, die Stimme heiser vom Schreien. "Und vielleicht, dass wir offensiv einfach Spaß hatten." Sein Gegenüber Schuntner sah das anders: "Wir haben dreimal auswärts getroffen - normalerweise reicht das. Heute halt nicht. Vielleicht war der Rasen schuld", fügte er mit einem Lächeln hinzu, das irgendwo zwischen Galgenhumor und Verzweiflung pendelte.

Als die Flutlichter erloschen und die letzten Fans noch "Sturm!" brüllten, stand fest: Dieses Spiel wird man in Graz noch eine Weile erzählen. Nicht, weil es taktisch brillant war - das war es nämlich nicht -, sondern weil es alles hatte, was Fußball manchmal braucht: Tore, Chaos, Helden und eine Prise Wahnsinn. Oder, wie Bo Carlsen es beim Hinausgehen zusammenfasste: "Manchmal musst du einfach vier machen, um drei zu gewinnen."

Ein Satz, der an diesem Abend in Graz niemandem widersprochen hätte.

04.01.643991 20:37
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Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.
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