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Mit 44.729 Zuschauern im Estadio Parque Artigas war die Bühne angerichtet für einen dieser Abende, an denen Fußballromantik und Nervenkitzel Hand in Hand gehen. Und tatsächlich: Sud America gewann am 19. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit 1:0 gegen CD Cerrense - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine Partie beschreibt, die alles andere als nüchtern verlief. Dabei war es nicht die große Gala der Offensiven, sondern ein Kampf um jeden Meter Rasen. Sud America spielte von Beginn an mit der typischen Mischung aus kontrollierter Wucht und fast trotzigem Selbstvertrauen. Trainer Wilhelm Reich hatte seine Elf taktisch ausgewogen eingestellt - "balanciert", wie er nach dem Spiel trocken meinte, "aber mit Herz und ein bisschen Wahnsinn". Bereits in der zweiten Minute prüfte der junge Jose Collantes den gegnerischen Keeper mit einem Distanzschuss, der mehr Staub als Gefahr aufwirbelte. Wenig später folgte Miguel Zapatero, gerade einmal 19 Jahre alt, mit dem nächsten Versuch. Es war ein Vorgeschmack. In der 17. Minute sollte der Teenager endgültig seinen großen Moment erleben: Nach einem präzisen Pass von Oliver Malfoy (ja, der Name ist echt!) schloss Zapatero eiskalt ab. 1:0 - und das Stadion bebte. "Ich habe einfach instinktiv geschossen", grinste Zapatero nach dem Spiel. "Ehrlich gesagt, ich wollte eigentlich flanken." Sein Trainer lachte daneben: "Wenn alle meine Spieler so flanken würden, wären wir Tabellenführer." CD Cerrense, unter der Leitung des charismatischen Leahcim Gnipeur, brauchte fast eine halbe Stunde, um sich von dem Schock zu erholen. Duarte Galindo und Jose Enrique Vazquez versuchten es nacheinander, aber Torwart Marcos Diez zeigte, warum er als einer der stillsten, aber zuverlässigsten Keeper des Landes gilt. Einmal, in der 33. Minute, rief er nach einer Parade seinem Abwehrchef Felipe Teixeira zu: "Wenn du mich noch einmal so allein lässt, wechsle ich selbst dich aus!" - halb im Scherz, halb im Ernst. Sud America kontrollierte das Spiel mit knapp 58 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüssen - eine deutliche Dominanz gegenüber den fünf zaghaften Versuchen der Gäste. Trotzdem blieb die Partie lange offen. Cerrense verteidigte tief, fast trotzig, und lauerte auf Konter, die jedoch meist im Mittelfeld endeten. Kurz vor der Pause musste Reich gleich dreimal wechseln: ein taktisches Manöver, das so manchen Fan an der Tribüne ratlos zurückließ. Nevio Yaguez kam für Isidoro Rocha, Collantes ersetzte Nene, und Zapatero durfte nach seinem Treffer schon in der Kabine verschwinden - für ihn kam Marcio Almeida. "Ich wollte frische Beine", erklärte Reich. "Und vielleicht ein bisschen Unberechenbarkeit. Ich habe sie bekommen - zumindest die frischen Beine." Die zweite Halbzeit begann mit einem kurzen Aufbäumen der Gäste. Javier Veloso und Vazquez prüften Diez, doch der hielt weiter alles fest, was in seine Richtung flog. Cerrense brachte mit Joao Gomes und Xabier Sainz neue Kräfte, doch es blieb beim Versuch. In der 68. Minute holte sich Sud Americas Jacinto Peretz Gelb ab - für einen rustikalen Einsatz, den man nur als "übermotiviert" bezeichnen kann. Zwei Minuten später zog Cerrenses Innenverteidiger Alejandro Xuarez nach, und die Partie wurde ruppiger. "Das war kein Schachspiel", meinte Gnipeur später, "eher eine Mischung aus Rugby und Improvisationstheater." Die Schlussphase gehörte wieder Sud America. Marco Albentosa, der erfahrene Linksaußen, hatte gleich mehrere gute Gelegenheiten - in der 51., 53., 55., 67. und 86. Minute. Doch jedes Mal fehlten wenige Zentimeter oder der letzte Funken Glück. "Ich glaube, das Tor war heute kleiner als sonst", murmelte er nach dem Abpfiff, als er sich die Schuhe auszog. Ein weiterer Farbtupfer: Der eingewechselte Rocha sah in der 87. Minute noch Gelb, offenbar für ein Foul, das selbst der Ball nicht verstanden hatte. Das Publikum nahm’s mit Humor - und feierte trotzdem frenetisch, als der Schlusspfiff ertönte. 1:0 also, ein knappes Ergebnis, aber ein verdienter Sieg. Sud America war bissiger, lauffreudiger und einfach ein Stück entschlossener. "Wir wollten zeigen, dass Kampfgeist auch schön sein kann", sagte Trainer Reich zum Abschluss, "auch wenn das manchmal niemand glaubt." Cerrense hingegen reist mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf ab. Ihr Coach Gnipeur versprach: "Wir kommen zurück. Und dann treffen wir nicht nur das Tor - sondern auch den Nerv." Ein Abend voller Geschichten also - mit einem jungen Helden namens Zapatero, einem philosophischen Trainer Reich und einem Stadion, das noch lange nach Abpfiff vibrierte. Fußball, wie er sein soll: unperfekt, dramatisch und herrlich menschlich. 27.08.643987 03:50 |
Sprücheklopfer
Die einvernehmliche Trennung ist erfolgt, nachdem ich gesagt habe, wir machen nicht weiter.
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