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Wenn 42.999 Zuschauer an einem lauen Sommerabend in Tacuarembó auf den Rängen sitzen, dann erwarten sie Feuerwerk, Leidenschaft - und am besten drei Punkte. Letzteres bekamen sie tatsächlich: Atletico Tacuarembó rang CD Cerrense mit 1:0 nieder, wenngleich das Ergebnis knapper war, als es den heimischen Anhängern lieb sein konnte. Das Tor des Abends fiel früh - in der 25. Minute, als Callum Sutherland, der zentrale Mittelfeldmotor der Gastgeber, einmal mehr bewies, dass Schotten (oder zumindest Schotten mit uruguayischem Pass) ein Händchen für den richtigen Moment haben. Nach einem feinen Zuspiel von Antonio Espriu zog Sutherland aus rund 20 Metern ab, und der Ball senkte sich in einem eleganten Bogen hinter Cerrenses Keeper Joseba Mendes ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Sutherland nach Schlusspfiff, "aber ich nehme den Treffer natürlich gern." Trainer Matheo Ronaldo, sonst eher ein Mann der großen Gesten, beschränkte sich diesmal auf ein anerkennendes Nicken: "Callum hat das genau so gewollt. Wir trainieren solche Schüsse - also manchmal." Doch wer glaubte, das 1:0 sei der Auftakt zu einem gemütlichen Abend, sah sich getäuscht. Cerrense, von Coach Leahcim Gnipeur gewohnt analytisch eingestellt, übernahm nach dem Gegentor die Kontrolle. Mit 52 Prozent Ballbesitz und 14 Torschüssen gegenüber 11 der Gastgeber wirkten sie über weite Strecken wie das aktivere Team. Nur: Das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Ryan Skene etwa, der quirlig-linke Flügelmann, prüfte Torhüter Igor Kafka bereits in der neunten Minute und später gleich dreimal - stets mit dem gleichen Resultat: Kafkas Handschuhe blieben sauber. "Ich habe heute mehr Bälle gesehen als in meiner gesamten Kindheit auf dem Bolzplatz", scherzte der Schlussmann. Und man glaubte ihm jedes Wort, so oft wie Cerrense vor seinem Kasten auftauchte. Besonders in der Phase kurz vor der Halbzeit brannte es mehrfach im Strafraum der Gastgeber. Sean MacPhee und Christian Petrizzi versuchten es aus allen Lagen, doch entweder stand ein Bein im Weg oder der Ball flog ins Obergeschoss. Auf der Tribüne wurde schon gemunkelt, ob Gnipeur heimlich eine Wette auf "kein Tor in der zweiten Halbzeit" abgeschlossen habe. Atletico Tacuarembó verlegte sich nach dem Führungstreffer auf Konter - ganz im Sinne der taktischen Marschroute: "balanced alignment, counter attack", wie es in den Analysen so schön heißt. Übersetzt bedeutete das: Wir stehen hinten kompakt und hoffen vorne auf Sutherland oder einen Geistesblitz von Fraser. Der blitzte tatsächlich in der 40. Minute kurz auf, als der Linksaußen mit einem satten Schuss Mendes zu einer Glanzparade zwang. Nach der Pause blieb das Bild ähnlich. Cerrense drückte, Atletico verteidigte - und irgendwo dazwischen spazierte der Ball, als hätte er selbst keine Lust auf ein weiteres Tor. In der 65. Minute kam frischer Wind: Der 18-jährige Pol Marco ersetzte Joseph Fraser. Kaum auf dem Platz, marschierte der Youngster zweimal gefährlich in den Strafraum (66. und 69. Minute), scheiterte aber jeweils am guten Mendes. "Ich wollte zu viel", gab Marco später kleinlaut zu, "aber ich wollte auch unbedingt zeigen, dass ich’s kann." An der Seitenlinie hielt Ronaldo den Spielfluss mit ironischen Kommentaren am Leben. "Wenn wir so weitermachen, gewinnen wir 1:0", rief er lachend in Richtung seiner Bank - prophetische Worte, wie sich herausstellen sollte. Cerrense warf in der Schlussphase alles nach vorn, brachte mit Nael Marques und Gerd Vilhelmsen noch einmal Tempo ins Spiel, doch der Lucky Punch blieb aus. Selbst in der Nachspielzeit, als alle elf Gäste in der gegnerischen Hälfte standen, blieb der Ausgleich ein Phantom. "Wir haben das Spiel dominiert, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", knurrte Trainer Gnipeur nach dem Abpfiff. Statistisch betrachtet hätte ein Remis wohl dem Spielverlauf entsprochen: 14 zu 11 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, etwas bessere Zweikampfquote für Cerrense - und trotzdem null Punkte. Atletico dagegen kämpfte mit Herz und Zähnen, verteidigte rustikal ("starke Aggressivität", würde der Analyst sagen) und rettete den Vorsprung über die Zeit. Am Ende feierten die Fans ihr Team, als wäre es ein Titelgewinn. Sutherland wurde zum Helden des Abends, Kafka zum unüberwindbaren Bollwerk, und Trainer Ronaldo verschwand lächelnd im Kabinengang - wohl wissend, dass dieser Sieg mehr Moral als Glanz besaß. Oder wie er später trocken zusammenfasste: "Wir haben nicht schön gespielt, aber schön gewonnen. Und das ist mir lieber." Ein Satz, der die 1. Liga Uruguay an diesem 27. Spieltag treffend beschreibt: Ergebnissport vom Feinsten - mit einem Hauch britischem Einschlag mitten in Tacuarembó. 27.11.643987 17:00 |
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Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt