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Wenn es je ein Spiel gab, das den Begriff "Effizienz" neu definierte, dann war es der 3:1-Heimsieg des SV Brake über den Hamburger SC am 24. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div). 5000 Zuschauer sahen eine Partie, in der die Gäste aus der Hansestadt zwar 21 Mal aufs Tor schossen, aber am Ende doch so wirkten, als hätten sie auf einem unsichtbaren Gummiball gespielt - alles sprang wieder zurück. Brake dagegen traf dreimal bei nur neun Abschlüssen. "Das war kein Zufall, sondern Training", grinste Brakes Trainer nach der Partie. "Wir üben seit Wochen, wie man aus wenig viel macht - funktioniert offensichtlich besser als Matheunterricht." Bereits die Anfangsphase zeigte, dass der Hamburger Nachwuchs (kaum jemand älter als 19) keine Angst vor großen Namen, aber offenbar vor großen Toren hatte. Carl Miguel, der 17-jährige Linksaußen, prüfte Brakes Keeper Juan Pablo Vasco gleich in der 16. Minute - der fischte den Ball wie ein routinierter Angler aus der Luft. Kurz darauf rauschte Leandro Beto aus 20 Metern ab - drüber. Und Brake? Wartete. In der 36. Minute kam die Belohnung des geduldigen Spiels: Simon Van Puymbrouck, der Abwehrchef mit der Eleganz eines Architekten, schickte einen präzisen Diagonalpass auf den rechten Flügel. Dort lauerte Robin Kraft, 19 Jahre jung, und donnerte den Ball ins lange Eck. 1:0. Der Jubel im Stadion war laut, aber auch ein bisschen ungläubig - so viel Effizienz war man in Brake zuletzt beim Kassenwart gewohnt. Hamburg reagierte mit jugendlicher Wut. Noch vor der Pause gab es Gelb für Bernardo Triguero (15.), der offenbar dachte, Grätschen sei eine olympische Disziplin. Trainer Bernd Happel rief ihm zu: "Nicht alles, was rollt, muss man umsäbeln!" - vergeblich. Nach dem Seitenwechsel kam der SC mit frischem Mut - und drei neuen Gesichtern. Torwartwechsel inklusive: Jose Maria Tonel durfte duschen gehen, Stanko Anicic (ebenfalls 17) kam und sah den Ball bald im anderen Tor. Zunächst aber traf Hamburg: In der 47. Minute flankte Freddie Bernheim scharf von links, und Carl Miguel schob den Ball eiskalt ins Netz. 1:1, und das Spiel stand plötzlich auf der Kippe. Doch Brake hatte mehr als Glück und jugendlichen Elan - sie hatten Adrian Piechaczek. Der linke Verteidiger, sonst eher im Schatten, nutzte in der 53. Minute einen Abpraller nach Vorarbeit von Ezequiel Bermudez und drosch das Leder unter die Latte. 2:1, und das Stadion bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Piechaczek später trocken. "Wenn man zielt, geht er eh daneben." Hamburg drückte weiter, schoss aus allen Lagen - 21 Mal insgesamt. Doch Vasco im Brake-Tor wurde zum Albtraum der Nordlichter. "Der Typ hat Magnet-Handschuhe", murmelte HSC-Stürmer Serge Besson nach seinem sechsten vergebenen Versuch (86.). In der 64. Minute folgte der endgültige Stich ins Hamburger Herz: Adam Graysmark, quirliger Rechtsaußen, bediente Avi Katzaw im Strafraum, und der Israeli vollendete zum 3:1. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, nur mit mehr Schweiß und weniger Taktiktafel. Katzaw jubelte mit ausgestreckten Armen vor der Fankurve - und grinste anschließend: "Ich wollte eigentlich flanken, aber na gut, Tor ist Tor." Die letzten 25 Minuten waren ein einziger Hamburger Sturmlauf, begleitet von Brakes stoischer Ruhe. 52 Prozent Ballbesitz für die Gäste, bessere Zweikampfquote, mehr Schüsse - aber keine Punkte. "Das ist Fußball", seufzte Happel nach dem Abpfiff. "Wir haben das Spiel dominiert, aber Brake hat es gewonnen. Vielleicht sollte ich meinen Jungs beibringen, dass der Ball ins Tor, nicht daneben gehört." Die Brake-Fans dagegen sangen sich in eine laue Frühlingsnacht hinein. Der kleine Klub aus Niedersachsen bleibt damit im sicheren Mittelfeld, während die Hamburger Talente weiter Lehrgeld zahlen. "Wir sind heute erwachsen geworden", meinte Avi Katzaw in der Mixed Zone. "Naja, zumindest ein bisschen." Und während Happel ratlos den Rasen musterte, fasste ein älterer Fan auf der Haupttribüne das Spiel perfekt zusammen: "Wenn du 21 Mal schießt und nur einmal triffst, brauchst du keinen neuen Trainer - du brauchst ’ne Zielscheibe im Training." So blieb am Ende ein Abend, der zeigte, dass Fußball keine Wissenschaft, sondern manchmal einfach pure Laune ist - und die hatte diesmal der SV Brake. 14.03.644000 05:15 |
Sprücheklopfer
Wenn für Ze Roberto jemand 30 Millionen bietet, kann er sein Auto putzen und dann ab über die Alpen.
Rainer Calmund