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Das Flutlicht im Linxer Stadion flackerte gerade erst auf, da hatte der SV Linx schon beschlossen, die neue Regionalliga-A-Saison nicht mit einem sanften Auftakt, sondern mit einem kleinen Feuerwerk zu beginnen. 4:0 hieß es am Ende gegen den VfB Göttingen - und das war, man darf es ruhig so sagen, noch schmeichelhaft für die Gäste. Schon in der 14. Minute klingelte es das erste Mal: Mark Fritsch schlenzte den Ball nach Vorarbeit von Robert Jahn ins lange Eck. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Fritsch später, "und ehrlich gesagt: Ich war selbst überrascht, dass der so schön reinging." Göttingens Keeper Timo Ebert schaute dem Ball hinterher, als sei er gerade Zeuge einer Himmelserscheinung geworden. Wenig später wurde es noch ungemütlicher für die Niedersachsen. Linus Schmitt, eigentlich Innenverteidiger, köpfte in der 37. Minute zum 2:0 ein - nach einer butterweichen Flanke des 17-jährigen Dieter Wagner. Der Youngster rannte danach jubelnd zu Trainer Michal Dickschat, der ihn lachend anbrüllte: "Ich hab doch gesagt, du sollst flanken, nicht zaubern!" Zur Halbzeit stand es 2:0, und Göttingen hatte bis dahin ganze null nennenswerte Torchancen. Das änderte sich auch in der zweiten Hälfte kaum. Die Gäste blieben zwar taktisch "offensiv" ausgerichtet, wie es auf dem Papier stand, aber in der Realität sah das eher nach höflichem Begleitschutz für die Linxer Angriffswellen aus. Der SV Linx hatte 24 Schüsse aufs Tor, Göttingen genau einen - einen harmlosen Versuch von Miodrag Haldan in der 84. Minute, den Linx-Keeper Oscar Haase mit einem gelangweilten Abklatscher entschärfte. "Ich hab mich ein bisschen gefreut, endlich mal was zu tun zu haben", witzelte Haase nach dem Spiel. In der 79. Minute machte dann der Routinier Bernt Kühne alles klar. Nach Pass von Hermann Grimm zog der 33-Jährige aus 20 Metern ab - trocken, unhaltbar, 3:0. Kühne winkte danach in Richtung Trainerbank: "Das war für meine Kinder. Die glauben sonst, ich spiel nur zum Spaß." Trotz komfortabler Führung wurde es kurz darauf noch einmal hitzig. Der 34-jährige Joshua Gebhardt fing sich erst Gelb (74.) und nur acht Minuten später Gelb-Rot, nach einem rustikalen Zweikampf, den man wohlwollend als "übermotiviert" bezeichnen konnte. "Er meinte, er hätte den Ball gespielt", kommentierte Trainer Dickschat mit einem Augenzwinkern. "Ich hab ihm gesagt: Dann war’s wohl ein sehr kleiner Ball." Doch auch in Unterzahl ließen die Gastgeber nichts anbrennen. Im Gegenteil: Der 17-jährige Joker Joshua Merz setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt. Nach feinem Pass von Rechtsverteidiger Andreas Menzel schlenzte Merz den Ball zum 4:0-Endstand ins Netz. Das Publikum - 4.934 Zuschauer - feierte den Teenager, als hätte er gerade den Aufstieg klargemacht. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin war", stammelte Merz hinterher völlig aufgedreht. "Dann hab ich nur alle schreien hören." Auf der anderen Seite stand ein sichtlich ratloser Marcus Schramm, Trainer des VfB Göttingen. "Wir wollten mutig auftreten", sagte er, "aber offenbar ist Mut ohne Ballbesitz auch keine Lösung." Seine Mannschaft kam auf 47 Prozent Ballbesitz, was nach viel klingt, aber wohl daran lag, dass Linx nach dem 3:0 zeitweise in den Verwaltungsmodus schaltete. Die Statistik sprach eine klare Sprache: Linx gewann fast 60 Prozent der Zweikämpfe, spielte zielstrebig, kombinierte sicher - und hatte mit Fritsch, Kühne und Merz drei Torschützen, die kaum unterschiedlicher hätten sein können: der erfahrene Strippenzieher, der Mittelfeldmotor und der jugendliche Draufgänger. Trainer Dickschat fasste den Abend trocken zusammen: "Es war ein guter Start. Aber beim nächsten Mal sollten wir versuchen, mit elf Mann durchzuspielen." Ein Satz, der beim Publikum für Gelächter sorgte - und bei Göttingen vermutlich für Kopfschütteln. Denn dass der SV Linx an diesem Abend in einer eigenen Liga spielte, war unübersehbar. Und während die Linxer Fans auf der Tribüne bereits vom Aufstieg träumten, sah man bei Göttingen den einen oder anderen Spieler resigniert in den Himmel blicken - vielleicht in der Hoffnung, dass sich das nächste Spiel auf wundersame Weise in ein Heimspiel verwandelt. Doch Wunder sind bekanntlich selten im Fußball. In Linx brauchte man an diesem Abend auch keins. 29.05.643990 22:03 |
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