Anpfiff
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SV Linx überrascht Oberhausen - und lässt die Regionalliga erzittern

Ein kalter Freitagabend in Oberhausen, Flutlicht, 4.786 Zuschauer mit leicht eingefrorenen Nasen - und ein Spiel, das so gar nicht nach den Erwartungen verlief. Der gastgebende SC Oberhausen wollte am 29. Spieltag der Regionalliga A eigentlich an die oberen Plätze heranschnuppern, doch der SV Linx hatte andere Pläne. Mit einem eiskalten 2:0-Auswärtssieg ließen die Gäste aus dem Ortenaukreis die Heimfans ratlos zurück - und einige Oberhausener Spieler gleich mit.

Dabei hatte alles gar nicht so schlecht begonnen. Oberhausen hatte mehr Ballbesitz (53 Prozent), sah also optisch nach der dominanten Mannschaft aus. Doch wer Ballbesitz als Erfolgskriterium nimmt, hat Fußball nie verstanden: Linx hatte 14 Torschüsse, Oberhausen ganze drei. Der Unterschied zwischen schönem Spiel und effektivem Spiel wurde an diesem Abend wie mit einem Flutlichtstrahler beleuchtet.

Gianni Enelli, der Coach der Heimelf, sah schon früh, dass seine Mannschaft zwar das Leder streichelte, aber selten biss. "Wir haben versucht, das Spiel zu kontrollieren", sagte er nach der Partie mit einem Blick, der mehr sagte als jede Statistik. "Aber Kontrolle ist eben nicht gleich Gefahr."

Die erste Halbzeit plätscherte dahin wie ein Freundschaftsspiel in der Sommervorbereitung. Linx ließ den Ball clever laufen, Oberhausen versuchte es mit Geduld - und die Fans mit Humor. "Wechseln wir mal den Ball, vielleicht rollt der besser ins Tor!", rief einer aus dem Block 7, was immerhin einige Lacher brachte.

Doch gleich nach Wiederanpfiff, in der 48. Minute, änderte sich die Stimmung schlagartig. Johannes Urban, der flinke Linksaußen der Linxer, zog nach einem feinen Zuspiel von Otto Fritsch aus spitzem Winkel ab - und traf präzise ins lange Eck. Oberhausens Keeper Marcos Melendo flog vergeblich, und plötzlich war das Stadion still. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Urban später. "Otto meinte, ich soll flanken - aber ich hab ihn nicht richtig verstanden. Zum Glück."

Kaum hatte Oberhausen den Schock halb verdaut, wurde es noch schlimmer. In der 57. Minute war es der 17-jährige Christian Stein, der nach Vorarbeit von - natürlich - Johannes Urban zum 2:0 einschoss. Ein Teenager, der die routinierte Hintermannschaft der Oberhausener alt aussehen ließ. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", sagte Stein später bescheiden. "Vielleicht war das mein Vorteil - ich hatte ja keine Zeit, nervös zu werden."

Danach war Linx Herr im fremden Haus. Der Ball lief, die Abwehr stand, und Oberhausen mühte sich redlich, ohne wirklich gefährlich zu werden. Raphael Reimann versuchte es in der 65. Minute mit einem satten Schuss, Martin Buchholz in der 72. - doch Linx-Keeper Oscar Haase hatte einen dieser Tage, an denen alles an ihm abprallte, was rund war.

Die Gelben Karten - drei für Oberhausen, zwei für Linx - waren fast die einzigen Farbtupfer im zunehmend zerfahrenen Spiel. Besonders Louis McGowan und Kacper Kazmierczak auf Oberhausener Seite sammelten ihre Verwarnungen mit einer Mischung aus Frust und Verzweiflung. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", erklärte McGowan später trocken. "Vielleicht etwas zu deutlich."

Michal Dickschat, der Linxer Trainer, stand nach dem Schlusspfiff mit einem Lächeln am Spielfeldrand, das irgendwo zwischen Genugtuung und purer Freude lag. "Wir wussten, dass Oberhausen viel Ballbesitz will", sagte er. "Also haben wir ihnen den Ball gegeben - und die Tore behalten."

Die letzten Minuten gehörten den Gästen, die das Spiel souverän herunterspielten - inklusive einiger zynischer Pässe in die eigene Abwehr, um den Gegner mürbe zu machen. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Linxer ausgelassen, während die Oberhausener Spieler in die Nacht starrten.

"So Spiele tun weh", meinte Enelli leise. "Aber vielleicht ist das der Tritt, den wir gebraucht haben."

Was bleibt, ist ein Abend, an dem Linx zeigte, dass Effizienz eben doch die schönste Form von Schönheit ist. Zwei Tore, 14 Torschüsse, eine disziplinierte Mannschaftsleistung - und ein 17-jähriger Mittelfeldspieler, der Geschichte schrieb.

Oberhausen dagegen wird sich fragen müssen, warum 53 Prozent Ballbesitz und gute Vorsätze keine Punkte bringen. Vielleicht, weil Fußball eben kein Statistikwettbewerb ist, sondern eine Kunst - und Linx an diesem Abend der bessere Künstler war.

Oder, wie ein Linx-Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Manchmal gewinnt eben nicht der, der schön malt, sondern der, der trifft."

20.12.643987 16:12
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Es gibt jetzt gerade überall auf anderen Pressekonferenzen Trainer, die denselben Käse erzählen wie ich.
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