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Am Freitagabend erlebten die 5974 Zuschauer im Stadion von Linx ein Regionalliga-Spiel, das alles hatte, was das Herz eines neutralen Fußballfans höherschlagen lässt: Tempo, Emotionen, zwei engagierte Trainer an der Seitenlinie - und am Ende ein 2:2, das beide Mannschaften irgendwie unzufrieden zurückließ. "Das fühlt sich an wie ein halber Sieg - aber leider nicht für uns", knurrte Linx-Trainer Michal Dickschat nach dem Abpfiff. Sonthofen begann forsch und zeigte, dass man trotz langer Busfahrt aus dem Allgäu keine Zeit verlieren wollte. Schon in der 2. Minute prüfte Christiano Frechaut den Linxer Keeper Oscar Haase - eine Szene, die ein Vorgeschmack auf das werden sollte, was folgen würde: Sonthofen machte Druck, Linx suchte die Ordnung. In der 12. Minute war es dann so weit: Der 17-jährige Rechtsverteidiger Davib Graysmark (!) rauschte nach einem feinen Zuspiel von Bernardo Galindez in den Strafraum und schob eiskalt zum 0:1 ein. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Jungspund später, "und gehofft, dass der Ball nicht im Fangzaun landet." Der Rückstand wirkte wie ein Weckruf für Linx. Nach einigen zaghaften Angriffen kam in der 24. Minute das, was die Heimfans brauchten: Eduardo Henrico traf nach einem präzisen Pass von Detlev Miller zum 1:1-Ausgleich. Henrico, gerade einmal 20 Jahre alt, jubelte mit ausgestreckten Armen Richtung Fankurve, während Trainer Dickschat an der Seitenlinie wild gestikulierte - ob aus Begeisterung oder weil er die Abwehr sortieren wollte, blieb unklar. Von da an übernahm Linx das Kommando. Fabian Kopp, der im Mittelfeld die Fäden zog, belohnte sich in der 35. Minute selbst: Nach einer schönen Kombination über Mark Fritsch drosch er den Ball aus gut 20 Metern ins Netz - 2:1, und das Stadion stand Kopf. "Ich wollte eigentlich flanken", scherzte Kopp nach dem Spiel, "aber der Ball hatte wohl eigene Pläne." Sonthofen zeigte sich beeindruckt, aber nicht geschlagen. Kurz vor der Pause häuften sich die Fouls - Kay Böhm und Jorge Hierro sahen Gelb, und man hatte das Gefühl, dass die Gäste die Linie des Schiedsrichters testen wollten. "Das war kein böses Spiel", meinte Dickschat diplomatisch, "aber die Jungs haben schon ordentlich Holz reingehauen." Nach dem Seitenwechsel versuchte Linx, das Ergebnis zu verwalten. Doch Sonthofen hatte andere Ideen. Immer wieder suchten Frechaut und Böhm die Lücken, während Linx zunehmend auf Konter lauerte. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 15 Torschüsse für Sonthofen, nur 9 für Linx, und 56 Prozent Ballbesitz für die Gäste. In der 76. Minute fiel dann der verdiente Ausgleich: Frechaut, der schon zuvor unermüdlich rannte und schoss, vollendete nach Vorarbeit von Rafael Meyer zum 2:2. Haase war chancenlos. Sonthofens Trainer - dessen Name im offiziellen Spielbericht seltsamerweise fehlte, aber an der Seitenlinie lautstark präsent war - riss die Arme hoch und brüllte: "Das ist der Spirit, Jungs!" Die Schlussphase gehörte wieder Linx. Es war ein offener Schlagabtausch: Henrico scheiterte in der 82. Minute am Gästetorwart, Frechaut konterte fast im Gegenzug mit seinem sechsten Schuss aufs Tor - diesmal hielt Haase überragend. "Ich dachte, ich hätte ihn schon drin gesehen", gab Frechaut später zu, "aber der Keeper hat’s mir verdorben." Als der Schiedsrichter schließlich abpfiff, lag in der Frühlingsnacht über Linx eine Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung. Ein Punkt gegen Sonthofen ist sicher kein Beinbruch, aber nach einer 2:1-Führung zur Pause fühlte es sich für die Gastgeber wie ein verpasster Sieg an. "Wir haben zu früh das Spielen eingestellt", analysierte Dickschat nüchtern. "Sonthofen war gierig, das muss man anerkennen." Auf der anderen Seite grinste Frechaut, der mit einem Tor und gefühlt einem Dutzend Torschüsse zum Mann des Abends avancierte: "Ein bisschen Glück, ein bisschen Wille - das war heute unser Rezept." Am Ende bleibt ein 2:2, das den neutralen Zuschauer begeistert, die Trainer graue Haare kostet und die Regionalliga A um ein weiteres Kapitel voller Emotionen bereichert. Linx und Sonthofen trennten sich unentschieden - aber langweilig war’s keine Sekunde. Und irgendwo in der Kabine von Linx soll man noch lange nach dem Abpfiff gehört haben, wie ein Spieler sagte: "Wenn wir so weiter spielen, brauchen wir bald keinen Fitnesstrainer mehr - nur noch einen Nervenarzt." 15.02.643997 16:47 |
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