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Der Fußball kann manchmal grausam sein, und in Linx hätte man das am Samstagabend wohl gern anders erlebt. 4071 Zuschauer sahen eine Partie, die in den Statistiken eindeutig war - aber eben nicht auf der Anzeigetafel. Am Ende stand da ein nüchternes 0:1 (0:1) aus Sicht des SV Linx gegen den TuS Plettenberg. Und dieses eine Tor, erzielt von Olaf Ritter in der 31. Minute, war so etwas wie ein Lehrstück in Effizienz. Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Gastgeber. Gerade angepfiffen, schon prüfte der 18-jährige Detlev Miller den Plettenberger Keeper Georg Mai - dritte Minute, strammer Schuss, aber zu zentral. "Da dachte ich, heute läuft’s", erzählte Miller nach dem Spiel und grinste gequält. Leider irrte er. Linx ballerte aus allen Lagen, insgesamt 21 Abschlüsse, davon einige sehenswert. Wolfgang Seitz versuchte es gleich dreimal innerhalb von zehn Minuten, Carsten Vollmer zirkelte, Mark Fritsch hämmerte - doch keiner traf. Plettenberg dagegen spielte unaufgeregt, beinahe stoisch. Trainer Jan Geiger hatte sein Team auf "kontrollierte Offensive" eingestellt, wie er später erklärte. "Wir wussten, dass Linx kommt wie die Feuerwehr. Unser Plan war: Wir löschen mit kühlen Köpfen." Und das taten sie. In der 31. Minute dann der Moment, der das Spiel entschied: Rhys Valentine, der 34-jährige Routinier im Mittelfeld, schickte einen butterweichen Pass auf Olaf Ritter. Der sprintete rechts durch, ließ seinen Gegenspieler Shepherd stehen und traf trocken ins linke Eck. Ein Schuss, ein Tor, ein Jubel, der sich fast ungläubig anhörte. Ritter, sonst eher der Mann fürs Laufduell, grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber dann dachte ich - ach komm, probier’s." Manchmal belohnt der Fußball eben genau diesen Moment der Dreistigkeit. Bis zur Pause blieb Linx das aktivere Team, aber Plettenberg verteidigte konsequent. Innenverteidiger Ingvar Bjorklund räumte ab, als ginge es um eine Bonusprämie für jeden geklärten Ball. Und Torhüter Mai hatte einen dieser Tage, an denen alles klebt - an den Handschuhen, am Glück, am Ergebnis. Nach dem Seitenwechsel stellte Linx-Trainer Michal Dickschat um, brachte den jungen Eduardo Henrico für Verteidiger Bernt Prinz - offensives Signal, klare Sache. Kurz darauf durfte auch der 17-jährige Christian Stein zeigen, dass Jugend forscht. Doch Plettenberg blieb cool. "Wir haben das gemacht, was wir am besten können: verteidigen und hoffen", lachte Geiger später. Linx hatte fast exakt 50 Prozent Ballbesitz - eine Zahl, die viel über das Gleichgewicht, aber nichts über den Ertrag sagt. In Wahrheit diktierte Linx das Spiel, Plettenberg das Ergebnis. "Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen", meinte Dickschat nach dem Abpfiff. "Wir haben alles versucht, sogar mit Pressing in der Schlussphase. Aber wenn du das Tor nicht triffst, hilft dir keine Statistik der Welt." Und so kam es, dass selbst ein wütender Schlussspurt - Seitz und Kühne in der 88. Minute mit Doppelchance - nichts einbrachte. Stattdessen sah Shepherd noch Gelb, weil er im Frust einen Konter rustikal stoppte. Symbolisch für den Abend: viel Einsatz, wenig Ertrag. Plettenberg dagegen brachte das 1:0 mit der Präzision eines Uhrwerks über die Zeit. Okan Arslan und Arne Kunkel setzten in der Schlussphase sogar noch Nadelstiche, doch das zweite Tor blieb aus. "Wir wollten einfach nur, dass der Schiri abpfeift", gestand Geiger lachend. Ritter ergänzte: "Nach 85 Minuten hab ich auf die Uhr geschaut und mir gedacht: Wenn das noch zehn Minuten dauert, brauchen wir Sauerstoffzelte." Als der Abpfiff kam, feierte der TuS, als hätte er gerade die Champions League gewonnen - und Linx stand da, als hätte jemand den Ball verboten. 21:8 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, aber null Tore. Manchmal ist Fußball eben kein Spiel der Gerechtigkeit, sondern der Konsequenz. "Wenn wir so weiterspielen, fallen die Dinger irgendwann rein", sagte Dickschat zum Abschied. "Oder wir schrauben die Tore breiter." Ein sarkastisches Lächeln, ein Händedruck - und die Erkenntnis, dass an diesem Abend der Minimalismus gesiegt hatte. Plettenberg nahm drei Punkte mit, Linx blieb nur die Statistik. Und vielleicht das tröstliche Gefühl, dass auch Niederlagen Geschichten schreiben - wenn auch die falschen. 17.03.643987 21:27 |
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Ich rotiere höchstens, wenn ich Opfer des Rotationsprinzips werde.
Oliver Kahn